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Schweiz Behörden planen schärfere Alkohol-Gesetze

Schweizweit fordern Politiker strengere Gesetze gegen die Volksdroge Alkohol. Kritiker sagen, das sei überflüssig: Die Schweizer trinken immer weniger Alkohol. In den 1970er Jahren trank ein Erwachsener pro Jahr über 14 Liter reinen Alkohol. Heute sind es nur noch 10 Liter.

Legende: Video Behörden planen schärfere Alkohol-Gesetze abspielen. Laufzeit 4:27 Minuten.
Aus 10vor10 vom 14.01.2013.

Heute hat die Ständeratskommission erstmals das neue Alkoholgesetz diskutiert: Das neue Gesetz sieht vor, das ab 22 Uhr im Detailhandel kein Alkohol mehr verkauft werden darf. Auch Restaurants sollen ab 22 Uhr keinen Alkohol mehr über die Gasse verkaufen dürfen.

Für Hans-Ulrich Bigler vom Schweizerischen Gewerbeverband ist das unverständlich: «Die Präventionsideologen unterschlagen, dass der Alkoholkonsum in den letzten zehn Jahren stark rückläufig war», sagt Bigler zu «10vor10».

Ein Blick in die Statistik zeigt, dass der Alkoholkonsum tatsächlich stark rückläufig ist: 1971 trank ein Erwachsener Schweizer noch durchschnittlich 14.4 Liter reinen Alkohol pro Jahr. Bis 2011 sank die Menge auf 10 Liter pro Kopf.

Kein Alkohol mehr in der S-Bahn und im Fussballstadion

Schweizweit laufen Versuche, schärfere Gesetze durchzusetzen. So fordert der Zürcher EVP-Kantonsrat Markus Schaaf ein Alkoholverbot ab 22 Uhr in der Zürcher S-Bahn. Gemäss neuem Hooligankonkordat soll bei Hochrisikospielen künftig ein Alkoholverbot in und rund um das Stadion gelten.

Die Stadt Lausanne berät nächstens ein neues Polizeireglement: Es sieht am Samstag ab 18 Uhr ein Alkoholverkaufsverbot für den Detailhandel vor. Für Hans-Ulrich Bigler liegen diese Massnahmen angesichts sinkender Konsumzahlen «völlig quer in der Landschaft».

Legende:
Alkoholkonsum pro Kopf Die Grafik zeigt den Konsum je Einwohner ab 15 Jahren. Berücksichtigt wurde der Alkoholkonsum von Wein, Bier, Obstwein und Spirituosen. *Jahresmittelwerte Sucht Schweiz

«Es gibt immer noch eine Million Menschen, die zu viel trinken»

Ganz anders sieht das die Präventionsexpertin Irene Abderhalden: «Es gibt immer noch fast eine Million Menschen, die ihren Alkoholkonsum nicht im Griff haben», sagt die Vizedirektorin von Sucht Schweiz.

«Mindestens eine weitere Million Menschen leiden als Angehörige unter dieser Problematik». Dies dürfe der Gesellschaft «nicht gleichgültig sein», so Abderhalden weiter.

Alkoholkonsum auf historischem Tief

Vor hundert Jahren haben die Schweizer pro Kopf noch doppelt so viel reinen Alkohol getrunken. Historisch gesehen sei der Alkoholkonsum in den heutigen europäischen Gesellschaften tief, sagt der deutsche Historiker Hasso Spode im Beitrag von «10vor10».

Er betont, dass zum Beispiel im Mittelalter «viel grössere» Mengen Alkohol getrunken worden seien. «Unsere Gesellschaft wird immer nüchterner», so Spode weiter.

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21 Kommentare

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  • Kommentar von MarcelAmgwerd, Solothurn
    Diese ewige staatliche Bervormundung ist wirklich nicht mehr auszuahlten. Wer trinken will, der soll doch. Es kann und darf nicht der Auftrag der Steuerzahlers bzw. des Staates sein, den Menschen vorzuschreiben wie sie zu leben haben. Im Gegenzug soll aber auch jeder die Verantwortung für sich und die daraus folgenden Konsequen tragen. Genau hier ist auch der Punkt. Selbstverantwortung statt Bevormundung sollte endlich wieder gefördert werden!
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  • Kommentar von Peter Zbinden, Zurich
    Verkaufsverbot nach 10 Uhr ist nutzlos, was es baucht ist ein Alkoholverbot in der Öffentlichkeit. Kein Trinken auf der Strasse, kein Trinken im Zug, kein Trinken irgendwo im öffentlichen Raum ausser in Kneipen. Und dann radikal durchsetzen. War kürzlich in Kanada und habe es so sehr genossen auszugehen ohne Saufgelage auf der Strasse!
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  • Kommentar von Thomas Käppeli, Guatemala Ciudad
    Zeitliche Begrenzung von Alkoholverkauf im Detailhandel löst das Problem nicht. Bei uns gilt 21:00h. Es wird einfach rechtzeitig der Stoff im Auto oder Zuhause gebunkert. Oder man besäuft sich an der Bar. Die torkeln, krakeelen und kotzen genauso in ÖV und Strassen rum. Während Wahlen, herrscht hier das „Ley Seco“. Ab 18:00h Samstag bis 06:00h Montag, herrscht ALLERORTS ABSOLUTES Verkaufsverbot für Alkohol. Trotzdem sieht man am Wahlsonntag Alkoholleichen auf Trottoirs pennen.
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