Bei der Polizei häufen sich die Überstunden

Kriminelle werden immer findiger, die Zahl der Delikte wächst, die Verfahrensregeln wurden verschärft. Die Polizei hat immer mehr Arbeit. Doch die Kantonspolizeien sind seit Jahren unterbesetzt. Ein grosses Thema für die kantonalen Polizeidirektoren.

Genfer Polizisten am Flughafen Cointrin.

Bildlegende: Genfer Polizisten am 11. Dezember, während des Terroralarms in Genf, am Flughafen Cointrin. Keystone


Unterbestände bei der Polizei

1:52 min, aus HeuteMorgen vom 28.01.2016

Ob organisierte Banden oder einzelne Industriespione: Kriminelle finden immer neue Wege, um etwa Geld zu waschen oder Drogen einzuschleusen. Bei der Polizei fällt immer mehr Arbeit an. Entsprechend häufen sich die Überstunden.

Genau beziffern lässt sich sich das Manko an Polizisten nicht. In einem Bericht haben die kantonalen Polizeidirektoren aber schon 2011 festgestellt: Die Polizei muss 100 Prozent leisten, hat aber nur 90 Prozent der nötigen Polizisten. In der Zwischenzeit ist die Bevölkerung gewachsen, es gibt mehr Strafdelikte und strengere Verfahrensregeln.

Im Kanton Bern beispielsweise schleppen Polizisten im Durchschnitt 30 Tage Überzeit mit sich. Viel zu viel, sagt der Berner Polizeidirektor Hans-Jürg Käser: «Das macht einem Sorge, das kann ja so nicht weitergehen».

Forderung nach mehr Personal

Für den Präsidenten der Konferenz der kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren ist klar, dass es mehr Polizisten braucht. Er sei überzeugt, dass alle Polizeikorps in den nächsten Jahren zusätzliche Stellen schaffen müssten, so Käser.

In Bern habe die Regierung den Ernst der Lage erkannt und kürzlich 30 neue Stellen bewilligt, freut sich Käser. Ob das Kantonsparlament der Massnahme zustimmt, ist allerdings noch offen.

In andern Kantonen wird unter Spardruck über Abbau diskutiert. Zürich hat gerade den Rotstift angesetzt, andere Kantone erwägen beispielsweise, Ausbildungsgänge weg zu sparen. Käser kritisiert die Massnahmen: «Ich halte Sparübungen in diesem Bereich grundsätzlich für falsch.»