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Beitrag für Verdingkinder Deutliche Zunahme der Gesuche kurz vor Fristablauf

Legende: Video Betroffener Walter Emmisberger motiviert andere ehemalige Verdingkinder abspielen. Laufzeit 00:57 Minuten.
Aus Tagesschau vom 30.03.2018.

Sie wurden verdingt, administrativ versorgt oder zwangssterilisiert. Bis 1981 wurden zehntausende Menschen in der Schweiz Opfer von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen. Seit einem Jahr können Opfer als Anerkennung ihres Leids beim Bund einen Solidaritätsbeitrag von maximal 25'000 Franken beantragen – an Ostern läuft die Frist ab.

Bis Anfang Jahr meldeten sich 4500 Opfer, nun rechnen die Initianten der Wiedergutmachungs-Initiative mit über 8000 Gesuchen. Genau 7839 Gesuche seien bis vor Ostern beim Bundesamt für Justiz eingetroffen, wie das Amt auf Anfrage mitteilte.

Guido Fluri, Urheber der Wiedergutmachungs-Initiative, erklärt sich die kurzfristige Zunahme der Gesuche damit, dass die Informationskampagne der letzten Monate Wirkung gezeigt habe: «Wir konnten damit auch Menschen erreichen, die isoliert, noch nicht informiert oder unschlüssig waren.»

Legende: Video Guido Fluri zur Aufarbeitung des Themas Verdingkinder abspielen. Laufzeit 00:29 Minuten.
Aus Tagesschau vom 30.03.2018.

«Man hat es endlich einmal schriftlich»

Eine riesige Last sei von ihm abgefallen, als er vor ein paar Tagen den Brief des Bundesamtes für Justiz erhalten habe, sagt Walter Emmisberger der «Tagesschau». Er war als Kind mehrfach fremdplatziert und misshandelt worden.

Die Behörden anerkennen damit, dass Ihnen Leid und Unrecht angetan worden ist, das sich auch auf Ihr ganzes Leben ausgewirkt hat.
Aus dem Brief des Bundesamtes für Justiz

Das Geld, dieser Solidaritätsbeitrag, sei vergänglich und vielleicht einmal aufgebraucht, erklärt Emmisberger: «Aber das was hier drin steht, das bleibt, das bleibt in einem drin, in der Seele auch. Und vor allem auf dem Papier, man hat es endlich einmal schriftlich.»

Legende: Video Betroffener Walter Emmisberger zur Solidaritätszahlung und der Bedeutung des Briefs vom Bund abspielen. Laufzeit 00:41 Minuten.
Aus Tagesschau vom 30.03.2018.

Antragsfrist bis zum Dienstag nach Ostern

Noch bis am Dienstag um Mitternacht können Gesuche von Betroffenen um einen Solidaritätsbeitrag abgeschickt werden. Beim Bundesamt für Justiz rechnet man bei Ablauf der Frist mit etwa 8500 Gesuchen. Ursprünglich hatte man mit 10'000 bis 15'000 Gesuchen gerechnet.

Manche Betroffene beklagten hohe bürokratische Hürden oder die Angst vor dem Staat. Claudia Scheidegger vom Bundesamt für Justiz hält diese Vorwürfe nicht für gerechtfertigt. Man habe man alles versucht, selbst telefonische Kontaktaufnahme mit Betroffenen:

Legende: Video Claudia Scheidegger bearbeitet die Gesuche beim Bund abspielen. Laufzeit 00:37 Minuten.
Aus Tagesschau vom 30.03.2018.

«Wir haben über 10'000 Briefe verschickt an alle möglichen Organisationen wie Spitex, Pro Senectute oder Altersheime, damit man die Betroffenen darauf aufmerksam macht, dass die Möglichkeit besteht, ein Gesuch einzureichen.»

Das Bundesamt habe aber teilweise auch Rückmeldungen erhalten, dass es Betroffene gebe, die das einfach nicht möchten. «Sie möchten ihre Geschichte nicht aufarbeiten und nichts mehr erzählen», erklärt Scheidegger.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von László Schink (Schink)
    Wenn man bei der Entwicklungshilfe sparen würde und stattdessen dieses Geld der Wiedergutmachungs-Initiative geben würde, wäre ich ja noch einverstanden. Was sind die genauen Kriterien damit man Geld bekommt? Wie ist es mit der Beweispflicht mutmaßlicher Opfer?
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    1. Antwort von Charles Dupond (Egalite)
      Die Akten ueber die Versklavung der Opfer wurden vom Staat gefuehrt. Oder haetten vom Staat ordnungsgemaess gefuehrt und archiviert werden sollen. Die Opfer haben kaum je eine Verfuegung gesehen, geschweige denn sicher verwahren koennen. Es steht den Opfern frei, deren Edition bei den Staatsarchiven zu verlangen. Und die Staatsarchive sollten dies tun, statt Einsichtsuchende an kleine Gemeinden mit heufig wechselnden, aus der Ferne kaum erreichbaren Verwaltern zu verweisen....
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  • Kommentar von marlene Zelger (Marlene Zelger)
    hätte Flury nicht die unschlüssigen Betroffenen animiert, Geld zu beantragen, wären nicht soviel Anmeldungen kurz for Ende der Frist eingetroffen. Es wollen eben nicht alle Geld verlangen. Die einen sind finanziell gut abgesichert, oder schon alt. Andere wollen Geld, um es wohl auf das Konto ihrer Kinder einlegen, weil sie selber schon alt sind. Wir heutige Bürger/innen müssen für die Untaten unserer Vorfahren aufkommen. Eigentlich müssten die Nachkommen der Übeltäter zur Kasse gebeten werden.
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    1. Antwort von Charles Dupond (Egalite)
      Noe! Die Kindersklaverei wurde vom Staat nicht nur geduldet, sondern gar mitorganisiert. Somit ist politische und juristische Wiedergutmachung an allen Geschaedigten und Mitgeschaedigten (statt bloss symbolische Bealmosung der wenigen noch Ueberlebenden) selbstverstaendliche Pflicht des Staates. Ob der Staat dann auf die (anderen) Taeterschaften und aktive oder passive Mittaeterschaften (zB Landeskirchen) Rueckgriff nehmen kann, braucht die Opfer nicht zu kuemmern....
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  • Kommentar von Charles Dupond (Egalite)
    Da muss jemand schon Hunger haben, wenn er fuer ein laecherliches Almosen von weniger als einem entwerteten Fraenkli pro Zwangsarbeits- und Zwangssexstunde mit einer buerokratischen Zumutung betteln muss. Ein weiterer Skandal ist, dass nur noch die ueberlebenden Opfer, und nicht auch die laut Holocausterstudie mitgeschaedigten Nachkommen Verstorbener entschaedigt werden. Zudem beschafft das Staatsarchiv BL die Unterlagen nicht, sondern verweist an die zumeist kleinen Gemeinden mit lausiger Verw
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