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Schweiz Berset: «30 Rappen für die Qualität»

30 Rappen pro Monat sollen die Versicherten in der Schweiz beisteuern, damit sich die Qualität der Gesundheitsversorgung weiter verbessert. Bundesrat Berset hat die Pläne für ein nationales Kompetenzzentrum vorgestellt, das auch die Leistungen der obligatorischen Krankenkasse kritisch prüfen müsste.

Patient wird untersucht.
Legende: Qualität weiter steigern. Dies ist das Ziel des Bundesrats in der Strategie «Gesundheit2020». Keystone

Jeder zehnte Patient erlebe gemäss internationalen Studien bei seiner Behandlung in einem Spital einen medizinischen Zwischenfall, schreibt das Gesundheitsdepartement von Bundesrat Alain Berset. Gründe seien Diagnosefehler, Infektionen oder falsche Medikationen. Dadurch verlängere sich der Spitalaufenthalt im Schnitt um eine Woche, was Mehrkosten in Millionenhöhe verursache.

Berset räumte ein, dass für die Schweiz statistische Grundlagen noch fehlten, um allfällige Probleme abschliessend identifizieren und den Umfang der Massnahmen abschätzen zu können. Die ausländischen Erkenntnisse könnten aber für die Schweiz extrapoliert werden und zeigten die Stossrichtung.

Grundlagen für Zentrum sind vorhanden

Das vom Bundesrat geplante nationale Zentrum für Qualität soll dereinst die bestehenden Aktivitäten in der Qualitätssicherung koordinieren und verstärken. Es soll Bund, Kantone und Leistungserbringer unterstützen, nicht aber Regulierungen erlassen.

Berset betonte, dass das geplante Zentrum nicht bei null beginnen werde. Er verwies dabei auf die zahlreichen privaten Initiativen und bereits lancierten Programme zur Qualitätssicherung. Als Beispiele nannte er die Checklisten für Operationssäle, die verbesserten Hygienevorschriften oder auch den Diabetiker-Pass.

Leistungskataloge unter der Lupe

Um die Qualität wie auch die Wirtschaftlichkeit in der Gesundheitsversorgung gemäss Strategie «Gesundheit2020» zu stärken, schlägt der Bundesrat verschiedene Massnahmen vor. So soll zum einen die Qualität der medizinischen Leistungen besser gemessen werden. Zum anderen geht es um die verbindliche Regelung der Patientensicherheit anhand anerkannter Standards.

Und schliesslich sollen die Leistungskataloge der Krankenkassen systematisch überprüft werden. Dabei geht es unter anderem um den Nutzen von Behandlungen und Medikamenten. So soll die Zahl von unwirksamen oder unnötigen Behandlungen und Eingriffen weiter reduziert werden.

Berset: 30 Rappen für die Qualität sind nicht viel

Die jährlichen Kosten für das Zentrum schätzt der Bundesrat auf 32 Millionen Franken. 22 Millionen sollen die Versicherten berappen, mit einem Beitrag von 3.50 Franken pro Jahr. Und zwar für die Aufgaben in den Bereichen Qualität und Patientensicherheit. «30 Rappen pro Monat für die Qualität sind nicht viel im Vergleich zur Prämie», stellte Berset fest.

Die restlichen zehn Millionen Franken zur Überprüfung der medizinischen Leistungen würde der Bund finanzieren. Das Zentrum soll als öffentlich-rechtliche Anstalt von einem Verwaltungsrat aus maximal neun unabhängigen Fachleuten geleitet werden. Eine enge Zusammenarbeit mit Universitäten, Fachhochschulen und den bereits in der Qualitätssicherung tätigen Organisationen ist vorgesehen.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von W. Pip, Züri
    Ich möchte im Spital nicht von Prozesshörigen und abgestumpften Ausführenden behandelt werden, sondern von Ärzten, die selber denken und handeln!!! Diese Regulierungs- und Administrationsflut im Gesundheitswesen bringt ausser Sesselfurzerstellen überhaupt nichts, es ist ein elendes hysterisches Getue. Gebt den Ärzten mehr Luft, entlastet sie, und das Problem löst sich auf!
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  • Kommentar von U.E. Romer, Zuerich
    Nicht zu stoppen: Die Administration im Gesundheitswesen wird weiter ausgebaut. Statt Krankenpflegerinnen und Krankenpfleger braucht es Kontrolleure, Statistiker, Juristen, Analytiker, Gesundheitsberater, Spitalcoaches etc. Dieser Wurf aus dem Departement von Berset ist ein Rohrkrepierer und Arbeitsbeschaffung für die oben genannten Nutzniesser. Der Prämienzahler schweigt und zahlt immer mehr..
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  • Kommentar von Simone Thiel Wissler, Bern
    Qualität hat sehr viel mit der Arbeitssituation zu tun, d.h. ist das Personal überlastet, leidet auch die Qualität, da hilft kein Qualitätszentrum. Genug Personal und gut ausgebildetes Personal, welches zu guten Bedingungen seine Arbeit machen kann, wird auch qualitativ hohe, sprich für den Patienten sichere Arbeit leisten. Die heutige Realität in den Spitälern, Kliniken und Heimen sieht leider anders aus. S.Thiel, Hebamme
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