Besessen vom Vermessen

Blutzucker, Schlafqualität, Verdauung – über vieles lässt sich Buch führen, auch über den eigenen Körper. Wie sich das nennt? «Quantified Self», eine Bewegung aus den USA.

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Totale Selbstkontrolle

4:16 min, aus 10vor10 vom 13.9.2013

Mit einem «Ich habe schlecht geschlafen» oder «Mein Bauch ist so aufgebläht» gibt sich ein «Quantified Self»-Anhänger nicht zufrieden. Er misst alles, von den Blutzucker-Werten, über die Schlafqualität hin zur Stimmung, und führt Buch. Mit dem Ziel, den eigenen Körper zu optimieren.

«Quantified Self» stammt aus den USA und Winslow Strong brachte die Bewegung in die Schweiz. Er gründete in Zürich eine Gruppe von Selbstvermessern, nach nur wenigen Monaten gehören ihr 80 Mitglieder an. Strong, Mathematiker bei der ETH, sieht sich als Wissenschaftler: «Was ich studiere, sind meine Gesundheitsdaten, mein Körper ist das Studienobjekt. Es ist ein gutes Gefühl, derjenige zu sein, der dieses System und die Einflüsse darauf kontrolliert», sagt er zu «10vor10».

Der Psychoanalytiker Peter Schneider versteht den Vermessungswahn als Ausdruck einer marktwirtschaftlichen Ideologie. «Man wird zum Betriebswirt seiner selbst», sagt er. Eine bedenkliche Entwicklung.