Bienensterben wegen erlaubter Insektizide?

Ein Churer Imker beklagt den Tod von 60'000 Bienen. Er glaubt, sie seien vergiftet worden, weil Winzer in den nahen Rebbergen Insektizide eingesetzt hatten.

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Bienensterben und ein Verdacht

3:58 min, aus Schweiz aktuell vom 9.10.2014

60‘000 Bienen liegen tot auf dem Dach des Churer Stadthauses. Drei Bienenvölker sind verendet. Was ist passiert? Urs Nutt hat einen Verdacht: «Jemand hat beim Spritzen seiner Rebberge ein Mittel eingesetzt, das die Bienen tötete», sagt der Präsident des Churer Bienenzüchterverbands im Rätoromanischen Fernsehen. Man habe die Spritzaktion beobachtet, und zwar wenige Tage bevor die Bienen umkamen.

Urs Nutt hat den Kantonstierarzt Hanspeter Hanimann kontaktiert. Dieser lässt die Todesursache der Bienen nun untersuchen, gemeinsam mit dem Nationalen Landwirtschaftlichen Forschungszentrum Agroscope: «Es ist tatsächlich ungewöhnlich, dass Bienen zu dieser Jahreszeit massenweise sterben», sagt Hanimann zu «Schweiz aktuell». Sicher ist: Die süssen Trauben sind für Bienen im Moment eine der wenigen Quellen für Nektar.

Geschah es in den Reben des Bistums Chur?

Der Rebberg in unmittelbarer Nähe der betroffenen Bienenstation gehört dem Bistum Chur. Dieses hat auf eine Anfrage von «Schweiz aktuell» nicht reagiert. Bewirtschaftet werden die Reben von einem Weinbauer in der Region. Dieser schreibt, man habe diejenigen Pflanzenschutzmittel eingesetzt, welche seit dem Auftreten der Kirschessigfliege vom Bund erlaubt seien.

Zu welcher Tageszeit er seine Reben gespritzt hat, sagt er jedoch nicht. Der Bund hat darüber klare Auflagen erlassen. Gespritzt werden darf nur frühmorgens oder am Abend.

Insektizide können Bienen töten

Schweizer Winzer haben ihren Kampf gegen die Kirschessigfliege in den letzten Wochen verstärkt und Pestizide gespritzt. Die Pflanzenschutzmittel, die der Bund seit diesem Jahr als Notmassnahme erlaubt, können für Bienen tödlich sein. Das Bundesamt für Landwirtschaft betont gegenüber «Schweiz aktuell», solange die Winzer die erwähnten Auflagen erfüllen, bestünde keine Gefahr für die Bienen.

Beim Entscheid über die erlaubten Insektizide habe der Bund eine Güterabwägung vorgenommen, sagt Hanspeter Hanimann gegenüber «Schweiz aktuell». Der Kantonstierarzt ist auch Vorsteher des Bündner Amts für Lebensmittelsicherheit und Tiergesundheit. Die Notsituation der Winzer sei höher gewichtet worden als gewisse Nebenwirkungen, also auch, dass Bienen sterben können. «Man hat zugunsten der Winzer entschieden».

Todesursache klären

Der Imker Urs Nutt ist wütend und traurig über den Tod seiner 60‘000 Bienen. Er will nun möglichst bald Klarheit darüber haben, ob drei seiner vier Bienenvölker durch ein Gift umkamen. Untersuchungsergebnisse liegen laut Angaben des Bündner Bienenkommissärs im November vor.