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Big Data im Versicherungswesen Wie viel soll Ihre Versicherung über Sie wissen dürfen?

Sport, Freizeit und Nahrungsmittel: Versicherungen können unzählige Kundendaten sammeln. Die Praxis ist aber umstritten.

Legende: Audio Günstigere Prämien gegen Datenpreisgabe abspielen.
3:31 min, aus Rendez-vous vom 30.11.2017.

CSS-Chefin Philomena Colatrella ist überzeugt: Daten sind der wichtigste Rohstoff jedes Krankenversicherers. «Wir investieren sehr viel darin, die Daten zu verstehen, zu strukturieren und zum Wohle der Kunden zu nutzen.»

Dieser Aufwand lohne sich, denn Daten seien ein wichtiger Schlüssel, um stetig steigenden Prämien entgegenzuwirken. Bereits jetzt bietet die CSS – wie andere Krankenkassen auch – bei den Zusatzversicherungen Vergünstigungen an für Kundinnen und Kunden, die zum Beispiel einen Schrittzähler verwenden und damit ausweisen, dass und wie viel sie sich pro Tag bewegen.

Philomena Colatrella
Legende: Will Kundendaten: CSS-Chefin Philomena Colatrella. CSS

Beim Konsumentenschutz klingeln alle Alarmglocken

Die Idee: Wer sich bewegt, lebt gesünder. Dieses Geschäftsmodell habe bei den Zusatzversicherungen viel Potenzial, sagt Colatrella. «Es kann günstiger sein, wenn der Kunde freiwillig die Ermächtigung erteilt, seine Daten zu verwenden.»

Da würden bei ihr sämtliche Alarmglocken läuten, kontert Konsumentenschützerin Sarah Stalder. «Eine Versicherung hat genau das Ziel, ein Risiko abzusichern, das unvorhersehbar ist und überraschend kommt. Je mehr dabei über die Kunden bekannt wird, desto tiefer wird das Risiko für die Versicherungsgesellschaften.»

Dass Kundendaten von Grossverteilern an Versicherungen weitergegeben werden, sind mögliche Modelle der Zukunft.
Autor: Philomena ColatrellaCEO CSS

CSS will Grossverteiler-Daten

CSS-Chefin Colatrella sieht das anders. Sie kann sich gar vorstellen, das Modell noch weiterzutreiben. Beispielsweise indem über Kundenkarten von Grossverteilern auch Angaben zum Ernährungs- und Konsumverhalten der Krankenkasse übermittelt werden.

Was für die CSS eine Vision ist, ist für Konsumentenschützerin Stalder undenkbar. «Das wäre der Dammbruch. Da werden Daten zusammengefügt, die ein totales Bild über den Konsumenten geben.» Informationen wie Gesundheitsdaten, Einkaufsverhalten, Freizeitaktivitäten oder Bonität dürfen laut ihr nicht mit Versicherungsdaten vermischt werden. «Das wäre wirklich ein No-Go.» Gefordert sei dabei auch die Finanzmarktaufsicht.

Sarah Stalder
Legende: Sorgt sich um das Konsumentenwohl: Konsumentenschützerin Sarah Stalder. Konsumentenschutz

Wenn Datenschutz die Versicherung verteuert

Colatrella widerspricht auch hier: Die Kundinnen und Kunden könnten selbst entscheiden, ob sie die Daten freigeben wollen. Zudem garantiere das Datenschutz-Gesetz, dass keine kompletten Dossiers von Kunden erstellt oder gar weitergegeben werden.

Doch Konsumentenschützerin Stalder schüttelt den Kopf: Es sei allein eine Frage der Zeit, dass der Spiess umgedreht werde. Dann würden jene, die weiter Wert auf sichere Daten legten, mit höheren Prämien abgestraft.

13 Kommentare

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  • Kommentar von Esther Siefert (E.S. (parteilos))
    ...schön - gehe ich wieder bei der Bank Geld abheben und zahle alles bar und benutze mein altes Klapp-Handy ohne Apps etc. - dann bin ich fast wieder anonym...
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  • Kommentar von Philipp Etter (Philipp Etter)
    Sobald sich persönliche Daten im Besitz einer Unternehmung befinden ist damit zu rechnen, dass sie weitergegeben werden, da sich damit Geld "verdienen" lässt und ein Gesetzesverstoss kaum bewiesen werden kann. Anonymisierte Datensätze können heute mit hoher Treffsicherheit einzelnen Personen zugeordnet werden. Kann also sein, dass die KK weiss, welches Puff Sie besuchen und sie nicht zum Vorstellungsgespräch eingeladen werden, weil die bereits wissen, dass Sie schwanger sind!
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  • Kommentar von A. Keller (eyko)
    Ich halte gar nicht davon, das KK ihre Kunden überwachen, was sie essen und ob sie sich bewegen. Das ist Privatsache. Den Grossverteilern müsste es verboten, dass sie Daten ihrer Kunden weitergeben dürfen. Ich benutze auch einen Schrittzähler, aber meine KK weiss davon nichts und braucht es auch nie zu wissen, wie viele Schritte ich täglich zurücklege. Jeder Einzelne muss selber darüber bestimmen, wie gesund erleben will.
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