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Briefkastenfirmen im Visier Was bedeutet das britische Gesetz zu Steueroasen für die Schweiz?

Europarats-Geldwäscherei-Experte Daniel Thelesklaf äussert sich im Interview zu den Plänen der britischen Regierung.

Legende: Audio «Eine Offenlegung muss man weltweit betreiben» abspielen.
3:51 min, aus Rendez-vous vom 02.05.2018.

Grossbritannien will in den Steuerparadiesen unter britischer Flagge wie Isle of Man, Bermuda, den Britischen Jungferninseln und den Kaiman-Inseln mehr Transparenz schaffen. Ein Gesetzesentwurf des Unterhauses sieht vor, dass offengelegt werden muss, wem die dort angesiedelten Briefkastenfirmen gehören.

Doch der Vorsitzende des Geldwäscherei-Ausschusses des Europarats, Daniel Thelesklaf, sieht darin nicht nur Positives.

Daniel Thelesklaf

Daniel Thelesklaf

Geldwäscherei-Experte

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Daniel Thelesklaf ist von Haus aus Jurist. Er leitete die Schweizer Meldestelle für Geldwäscherei von 1998 bis 2000. Seither ist er Leiter der Kontrollstelle für Finanztransaktionen im Liechtenstein. Seit 2013 sitzt Thelesklaf auch dem Expertenausschuss des Europarats zur Bekämpfung von Geldwäscherei und Terrorismusfinanzierung vor.

SRF News: Wie sehr freuen Sie sich über den Effort Grossbritanniens, endlich seine Steuerparadiese an die Kandare zu nehmen?

Daniel Thelesklaf: Grundsätzlich ist es gut und wichtig für die Geldwäschebekämpfung, dass man weiss, wer Gesellschaften kontrolliert. Allerdings bin ich etwas skeptisch, wenn zusätzliche Regulierungen eingeführt werden, ohne dass diese zu einem weltweit gültigen Standard führen.

Im Fall der USA darf man realistischerweise nicht damit rechnen, dass sich bald etwas ändert.

Entscheidend ist wahrscheinlich auch der Zeitpunkt: Ab wann setzt Grossbritannien das neue Gesetz um?

Es geht um Zehntausende wenn nicht Hunderttausende Gesellschaften, die betroffen sind. Insbesondere auf den Britischen Jungferninseln sind sehr viele von ihnen angesiedelt. Ich habe ein gewisses Verständnis dafür, dass man das nicht über Nacht machen kann und man lange Übergangsfristen braucht. Wichtig ist das Signal, das ausgesendet wird. Jetzt wird wohl Bewegung in die Sache kommen und gewisse Gesellschaften werden die betroffenen Standorte wahrscheinlich verlassen.

Symbolbild: Dollar-Geldbündel.
Legende: Grossbritannien will seine Offshore-Steuerparadiese zur Offenlegung verpflichten. Imago

Sind auch sogenannte Trusts von dem britischen Gesetz betroffen?

Das ist eine entscheidende Frage. In Grossbritannien sind Trusts bislang nicht betroffen, nur Gesellschaften müssen ihre wirtschaftlich Berechtigten offenlegen. Ich gehe davon aus, dass die gleiche Lücke auch auf die britischen Übersee-Territorien angewendet wird.

Man muss die Offenlegung weltweit einführen, sonst ziehen die Leute einfach dorthin weiter, wo der neue Standard nicht gilt.

Ist es nicht so, dass durch den Schritt Londons bloss andere Steueroasen, wie solche in den USA oder etwa Panama profitieren werden?

Das ist genau das Problem. Wenn man den Weg einer Offenlegung wählt, dann muss man sie weltweit betreiben, sonst ziehen die Leute einfach in jene Standorte weiter, welche den neuen Standard noch nicht erfüllen. In diesem Fall ist der Bekämpfung der Geldwäscherei überhaupt kein Nutzen getan. Deshalb bin ich auch skeptisch gegenüber der Veröffentlichung solcher Daten. Klar: Transparenz ist wichtig. Aber das heisst nicht unbedingt, dass gleich alles Private öffentlich werden muss – und das nur auf der Hälfte der Welt.

Gibt es Signale aus Panama und den USA, dass man auch dort Transparenz herstellen will?

Beide Länder schneiden in den internationalen Vergleichen schlecht ab. Die USA haben bei der Gafi-Prüfung die tiefstmögliche Note bekommen, was die Transparenz der Gesellschaften angeht. Der Druck auf diese Länder, mehr zu tun, wird deshalb anhalten. Realistischerweise darf man zumindest im Fall der USA aber nicht damit rechnen, dass sich bald etwas ändert.

Was bedeutet Gafi – FATF?

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Was bedeutet Gafi – FATF?

Die «Groupe d’Action financière» (Gafi, englisch: Financial Action Task Force (on Money Laundering), FATF) versteht sich selbst als international führendes Gremium zur Bekämpfung der Geldwäscherei. Periodisch führt sie Länderprüfungen ihrer Mitgliedstaaten durch, zu denen auch die Schweiz gehört. Den Sitz hat das Gafi bei der OECD in Paris.

Welche Konsequenzen haben die britischen Gesetzespläne allenfalls für den Finanzplatz Schweiz?

Die Schweiz hat die Finanzplatz-Prüfung des Gafi bestanden, deshalb besteht kein unmittelbarer Bedarf für Gesetzesanpassungen. Man wird hierzulande wohl nicht so weit gehen, die Angaben der wirtschaftlich Berechtigten öffentlich zu machen. So lange die USA das auch nicht machen, wird der Druck dafür auch auf die Schweiz nicht allzu gross.

Das Gespräch führte Ivana Pribakovic.

2 Kommentare

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  • Kommentar von Olaf Schulenburg (freier Schweizer)
    Ohne Druck aus den USA wird die Schweiz nicht mehr offenlegen? Also bitte, ist für uns das US Finamz- und Strafrecht massgebend? Ich denke wir wollen keine fremden Richter? Aber aus den USA wollen wir sogar die fremden Gesetzgeber?
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  • Kommentar von Beat Reuteler (br)
    Die Aussage "man muss es auf der ganzen Welt machen sonst...." wird normalerwesie von jenen gebracht, die nichts verbessern wollen. Tatsache ist ja, dass ein Vorpreschen insbesondere wenn es "grosser" ist wie der Commonwealth, Druck auf jene ausübt, die hintennach hinken. Also ist die Aussage dass es nichts bringt natürlich falsch.
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