Bund finanziert afrikanische Soap gegen Einwanderung

Im Kampf gegen den Flüchtlingsstrom setzt Europa auch auf Aufklärung vor Ort, um Wirtschaftsmigranten die geringen Chancen auf Asyl aufzuzeigen. Amnesty International hält die dafür produzierten Filme zwar für nutzlos. Dennoch finanziert die Schweiz nun eine neue Fernsehserie für Westafrika.

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Aufklärungsfilme gegen die Einwanderung

1:13 min, aus Tagesschau am Mittag vom 30.7.2015

Es ist nicht das erste Filmprojekt, mit dem das Staatssekretariat für Migration (SEM) in den Heimatländern von Asylbewerbern ohne realistische Chancen auf eine Aufnahme Aufklärung betreibt. Bereits 2007 sollte ein Film in Kamerun die geringen Asylchancen bei einer Emmigration in die Schweiz bekannt machen. Vor zwei Jahren liess das SEM mit demselben Ziel einen Film für die Balkanländer in verschiedenen Sprachen produzieren.

Nun investieren die Migrationsexperten des Bundes gut 23'000 Franken in die Planung einer entsprechenden Kampagne für Westafrika. Derzeit werde das Drehbuch erarbeitet, sagt SEM-Sprecherin Léa Wertheimer: «Es ist das Ziel, in Zusammenarbeit mit den nigerianischen Behörden und der lokalen Filmindustrie eine 13-teilige TV-Serie zu produzieren. Die Serie soll am Beispiel der gescheiterten Migration eines jungen Mannes die geringen Chancen auf Asyl in der Schweiz realistisch darstellen.»

Umstrittene Wirkung

Das SEM habe sich in der Migrations-Prävention auch schon anderer Kanäle bedient, sagt Wertheimer. In Tunesien beispielsweise sei schon mit Theaterprojekten gearbeitet worden, in Marokko gebe es seit vergangenem Jahr eine Sensibilisierungkampagne in den Schulen. «In Westafrika und insbesondere Nigeria mit seiner riesigen Filmindustrie ist eine Fernsehserie jedoch der Kanal, auf dem wir die Menschen am besten erreichen.»

Denise Graf vor einem Büchergestell.

Bildlegende: «Diese Filme sind unnötig»: Amnesty-Asylkoordinatorin Denise Graf rts

Der Nutzen derartiger Aufklärungsfilme, wie sie auch grosse Einwanderungsländer wie die USA oder Australien produzieren, ist jedoch umstritten. Sie seien unnötig, sagt Denise Graf von der Menschenrechtsorganisation Amnsty International: «Wenn wir mit den Asylsuchenden sprechen, stellen wir fest, wie gut sie informiert sind über die Situation hier in der Schweiz und generell den Ländern Europas.»

Das treffe zwar zu, räumt SEM-Sprecherin Wertheimer ein. Allerdings seien viele der Informationen über die Schweiz und Europa auch geschönt. «Häufig sind es die Schlepperbanden, die die auswanderungswilligen Menschen mit den entsprechenden Informationen versorgen. Und die haben ein Interesse daran, die Situation in Europa so darzustellen, dass es attraktiv erscheint.»

«Missing Steps»

Das Aufklärungsprojekt des SEM für Westafrika läuft unter dem Titel «Missing Steps». Es wurde auf Anregung der nigerianischen Migrationsbehörden initiiert. Die Projektierungs- und Planungskosten für die 13-teilige TV-Soap belaufen sich auf 23'000 Franken und werden vom SEM finanziert. Produktionskosten und Lancierungszeitpunkt sind noch unklar.

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