Casinos laufen die Zocker davon

Schweizer Spielbanken leiden. Nach den ersten Boomjahren dreht sich das Roulette immer langsamer – der Umsatz brach seit 2007 um einen Viertel ein. Die Situation könnte sich gar verschärfen wegen eines neuen Geldspielgesetzes.

Zocken kann man in der ganzen Schweiz. Seit diesem Jahr auch in der Städten Zürich und Neuenburg. Insgesamt stehen 21 Casinos im ganzen Land verteilt. Zu viele für die Schweiz. Kein Casino konnte den Umsatz des Vorjahres halten. Die Folge: Entlassungen von Mitarbeitern.

Weniger Geld für die AHV

2012 ging der Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 8,2 Prozent zurück – auf noch 757 Millionen Franken. 2007 erwirtschafteten die Casinos 1‘020 Millionen Franken. Das drückt nicht nur auf das Geschäftsbuch der Betreiber. Auch die Altersvorsorge AHV und die Kantone erhalten weniger Beiträge. Dieses Jahr waren es noch 374 Millionen Franken (-11 Prozent). Seit Eröffnung der Spielbanken 2002 flossen bis heute 4,4 Milliarden Franken an Steuererträgen in die öffentliche Hand – hauptsächlich in die AHV-Kasse.

Eine Croupier im Grand Casino in Basel vor einem fast leeren Tisch.

Bildlegende: Leere Spielsalons – Schweizer Betreiber verlieren ihre Gäste an die Spielhöllen nahe der Grenze. Keystone

Die Gründe für die leeren Spielhallen sind zahlreich. Die Leute nicht unbedingt weniger spielfreudig. Aber: Sie zocken lieber im nahen Ausland. «Unsere Gäste wandern ab. Nahe der Grenze gibt es ein grosses Angebot neuer Casinos. In Norditalien sind 10‘000 Geldspielautomaten entstanden, Süddeutschland hat viele neue Spielhallen. Auch im Elsass gibt es ein neues Casino. Und natürlich ist das Internet eine grosse Konkurrenz», sagt der Geschäftsführer des Schweizer Casino Verbandes, Marc Friedrich, zu SRF News Online.

Stammgäste müssen Lohnausweis zeigen

Grösster Knackpunkt sind für den Verband die strengen Regulierungen im Vergleich zu ausländischen Casinos oder dem Internet-Glücksspiel. Die Eidgenössische Spielbankenkommission beaufsichtigt die Casinos. «Sie hat die Regulierung dauernd verschärft», sagt Friedrich.

Als Nachteil gegenüber der ausländischen Konkurrenz kennt Friedrich ein Beispiel: «In der Schweiz muss man im Casino die finanziellen Verhältnisse offenlegen. Schweizer Gäste sind nicht bereit, dem Casinobetreiber ihren Lohnausweis zu zeigen. Sie weichen aus ins Ausland.»

Wer muss den Lohnausweis zeigen? Betroffen seien Stammgäste. Casinos sind laut Friedrich verpflichtet, regelmässige Besucher auf ihre finanzielle Lage zu prüfen.

Ein weiterer Faktor für die Abwanderung ist der starke Franken. Er lockt kaum ausländische Gäste in Schweizer Casinos. Für den tieferen Umsatz macht der Präsident des Verbandes der Schweizer Casinos zusätzlich die Übersättigung des Casinomarktes verantwortlich. Dies sagt Christophe Darbellay, auch Präsident der CVP, in der Sendung «10vor10».

Über die Lizenzen für die 21 Spielbanken wacht die Eidgenössische Spielbanken-kommission. Ihr Chef, Hermann Bürgi, bestreitet in «10vor10», dass man bei der Lizenzerteilung zu grosszügig gewesen sei. «Vor der Eröffnung der Casinos in Zürich und Neuenburg hat der Bundesrat eine Marktanalyse verlangt. Diese zeigte, dass es Platz gibt für neue Casinos.»

Gleich lange Spiesse gefordert

Zurzeit wird im Bundeshaus ein neues Spielbankengesetz ausgearbeitet. Es geht Ende Jahr in die Vernehmlassung. Darin werden die heute bestehenden Auflagen zur Bekämpfung der Spielsucht präzisiert. Auch Online-Casinos sollen legalisiert werden. Bis der erste Schweizer Online-Jackpot geknackt wird, dürften aber mindestens noch einmal fünf Jahre vergehen.

Die Casinobetreiber befürchten weitere Einschränkungen. «Wir wollen, dass die Behörden ein vernünftiges Mass üben. Wenn die Anforderungen dauernd erhöht werden, wandern immer mehr Gäste ins Ausland ab», so der Geschäftsführer des Casino Verbandes. Marc Friedrich hat dazu eine konkrete Forderung an das Parlament: «Wir verlangen gleich lange Spiesse wie unsere Konkurrenz im Ausland. Denn mit weniger Umsatz verlieren alle: besonders die AHV».

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Keine goldenen Zeiten für Casinos

4:12 min, aus 10vor10 vom 30.5.2013