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Massiver Einbruch beim öffentlichen Verkehr wegen Corona.
Aus Regionaljournal Aargau Solothurn vom 01.03.2021.
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Corona-Krise Historischer Einbruch im Regionalverkehr

Corona reisst ein Loch in die Kassen der öV-Anbieter – und die Krise ist noch lange nicht ausgestanden.

Der Geschäftsführer des aargauischen Tarifverbunds A-Welle Martin Osuna findet klare Worte: «Ein solcher Einbruch ist einmalig, das hatten wir überhaupt noch nie in der Vergangenheit». Gemeint ist der Rückgang der Abonnement-Zahlen von 20 Prozent im vergangenen Jahr.

Bis zu einem Viertel weniger verkaufte Abos

Die Aufforderung des Bundesrats im Shutdown 2020, möglichst auf die Nutzung des öffentlichen Verkehrs zu verzichten, habe Spuren im Geschäftsjahr des Regionalverkehrs hinterlassen. Bus, Tram und Zug – sämtliche Verkehrsmittel sind betroffen.

Noch grösser als im Aargau fällt der Rückgang der Abo-Zahlen beim Tarifverbund Nordwestschweiz (TNW) in den beiden Basel aus. Dort wurden im letzten Jahr rund ein Viertel weniger Abos verkauft. Das gleiche Bild beim Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) und dem Regionalverkehr Bern-Solothurn (RBS). Noch dramatischer ist die Situation dort bei den Einzelbilleten. 43 Prozent weniger verkaufte der RBS im Corona-Jahr 2020.

Reserven sind aufgebraucht

«Das trifft uns hart, weil wir über die Hälfte unserer Einnahmen über den Verkauf von Fahrausweisen decken», sagt Fabienne Thommen, Mediensprecherin beim RBS. Auf der Einnahmeseite fehlten im letzten Jahr rund neun Millionen Franken. Beim TNW rechnet man mit einem Umsatzrückgang von rund 50 Millionen Franken, sprich 19 Prozent. Der ZVV rechnet gar mit einer Umsatzeinbusse von 25 Prozent.

Das reduziert unsere Einnahmen und trifft uns hart.
Autor: Fabienne ThommenMediensprecherin Regionalverkehr Bern-Solothurn

Die Einbussen des Jahres 2020 konnten im ZVV durch die einmalige Auflösung von Reserven der Verkehrsunternehmen ein wenig abgefedert werden. Auch die anderen Tarifverbunde hatten Reserven. Doch diese sind ausgeschöpft – ein Ende der Krise ist nicht in Sicht.

ÖV kämpft gegen das Corona-Stigma

Erst im Januar beschloss der Bundesrat die Homeoffice-Pflicht, die sich auch sogleich auf die Verkaufszahlen im ÖV niederschlug. «Wir beobachten, dass die Leute weiterhin zurückhaltend sind bei den Monats- und Jahresabos», sagt der TNW-Geschäftsführer Adrian Brodbeck.

Die Kunden, die wir verloren haben, kommen nicht so schnell zurück.
Autor: Adrian BrodbeckGeschäftsführer Tarifverbund Nordwestschweiz

Für Brodbeck ist klar, dass die Warnung des Bundesrats, den ÖV nicht zu benutzen, einen nachhaltigen Effekt hat. Viele Leute hätten aufgrund dieser Empfehlung aufs Auto, E-Bike oder Velo umgesattelt. «Die kommen nicht mehr so schnell zurück» ist Brodbeck überzeugt. Entsprechend rechnet man beim TNW auch dieses Jahr mit ähnlich hohen Verlusten wie 2020.

Wie weiter?

Doch wie sollen die Löcher in den Kassen gestopft werden, wenn das finanzielle Polster aufgebraucht ist? Preiserhöhungen wie es ein parlamentarischer Vorstoss der SVP im Zürcher Kantonsrat zur Debatte stellte, wären aus Sicht des ZVV zum jetzigen Zeitpunkt schwierig umzusetzen und allenfalls kontraproduktiv.

«Um einen Teil der Kundschaft wieder zurückgewinnen und neue ÖV-Nutzer anzuziehen, ist es essenziell, dass das Angebot weiterhin attraktiv bleibt», sagt ZVV-Mediensprecher Thomas Kellenberger.

Im schlimmsten Fall muss das Angebot zurückgefahren werden.
Autor: Hans Rudolf RihsLeiter Sektion öffentlicher Verkehr, AG

Die öffentliche Hand werde alles dran setzen, damit kein ÖV-Anbieter konkurs gehe, ist der Sektionsleiter öffentlicher Verkehr im Kanton Aargau, Hans Rudolf Rihs, überzeugt. Schliesslich finanziere die öffentliche Hand rund die Hälfe des ÖV. «Im schlimmsten Fall muss man das Angebot zurückfahren, vor allem wenn weiterhin weniger Leute reisen», sagt Rihs.

Klar ist, die Krise wird den öffentlichen Regionalverkehr noch lange beschäftigen. So rechnet der ZVV damit, dass es noch drei bis vier Jahre dauern wird, bis das Auslastungsniveau von vor Corona wieder erreicht ist.

Regionaljournal Aargau Solothurn, 01.03.21, 06.32 Uhr;

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36 Kommentare

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  • Kommentar von Remo Tschanz  (remotschanz)
    "Es gibt noch zu viel Mobilität!" hiess es während Monaten und jetzt ist man überrascht, dass die Passagierzahlen zurückgegangen sind?! Ich verstehe das nicht. Wie kann man da überrascht sein?
  • Kommentar von Christoph Ansermot  (Nergal)
    Ich brauch nun auch keine Jahresabos mehr, gehe zu Fuss mit einem Einkaufstrolley einkaufen oder bestelle wenn möglich alles online. Für die paar male wo ich wirklich ÖV brauche kauf ich nun 24h Einzelbillette. Ich überlege mir nun aber ob ich mir langfristig dann eine E-Vespa zulege, dann entfallen womöglich auch noch die Einzelbillette.
    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Christoph Ansermot: Na Sie sind gut. Was Sie schreiben ist sicher für Sie optimal, aber wohl kaum auf die Allgemeinheit übertragen. Zudem muss der Strom der E-Vespa auch noch produziert werden. Ein E-Vespa-Fahrer braucht also mehr Energie als ein Passagier in der S-Bahn.
  • Kommentar von Doris Loegel  (Doris Loegel)
    @SRF-Redaktion: Bleibt dies jetzt definitiv so, dass in eurer Kommentarspalte auf die Zustimmungs- und Ablehnungslinks verzichtet wird? Diese Form einer Kommentarfunktion spricht mich nicht an, da es Kommentare gibt, welche inhaltlich voll meiner Meinung entsprechen, und ich so nur mit einem Like zustimmen könnte, ohne zusätzlich einen identischen Kommentar abgeben zu müssen, was zum Lesen für andere langweilig wird. Genauso trifft dies für abzulehnende Kommentare zu.
    1. Antwort von SRF News (SRF)
      @Doris Loegel
      Guten Tag Herr Loegel
      Vielen Dank für Ihre Nachfrage. Unsere IT-Abteilung ist bemüht, die Funktion so bald als möglich wieder freizugeben. Einen genauen Zeitpunkt können wir aber nicht angeben. Vielen Dank für Ihr Verständnis und Ihre Geduld. Freundliche Grüsse, SRF News
    2. Antwort von Doris Loegel  (Doris Loegel)
      @SRF-Redaktion: Danke für Ihr Feedback. Dann werde ich mich also gedulden.
      Aber nur noch eine Rückmeldung an Sie, ich bin kein Er, sondern eine Sie. Aber vielleicht war's ja auch nur ein Verschreiben Ihrerseits. :,-)
    3. Antwort von SRF News editor
      @Doris Loegel
      Liebe Frau Loegel
      Bitte entschuldigen Sie die falsche Ansprache! Liebe Grüsse, SRF News