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Wie viele Menschen an Verschwörungsmythen glauben und warum
Aus Regionaljournal Basel Baselland vom 08.04.2021.
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Corona-Verschwörungstheorien Jung, extrem, gestresst: fast jeder Dritte glaubt Corona-Mythen

Eine neue Studie der Universität Basel bringt überraschende Erkenntnisse über Corona-Skeptiker.

  • Glauben Sie, dass die Regierung die Öffentlichkeit über die Herkunft des Virus falsch informiert?
  • Glauben Sie, das Virus wurde von einigen einflussreichen Menschen verbreitet, um Macht zu gewinnen?
  • Glauben Sie, die Corona-Impfung wird missbraucht, um Menschen einen Mikrochip einzupflanzen?

Rund 50 solcher Fragen stellten Psychologinnen und Psychologen der Uni Basel den 1600 Personen, die an der Studie, Link öffnet in einem neuen Fenster teilnahmen. Die Ergebnisse sind zum Teil überraschend.

Die Gruppe, die sich mit einer Verschwörungstheorie eher anfreunden konnte, traf Schlussfolgerungen vorschneller und unter grösserer Unsicherheit.
Autor: Sarah KuhnPsychologin

Gut zehn Prozent der Befragten stimmten mindestens einer Corona-Verschwörungstheorie stark zu. Den grössten Anklang fanden Aussagen, die nahelegen, dass das Virus menschengemacht sei. Oder, dass die offizielle Erklärung zur Ursache des Virus anzuzweifeln sei. Weitere 20 Prozent stimmten mindestens einem Verschwörungsmythos mässig stark zu. 70 Prozent lehnten die Aussagen ab.

Video
Virus im Kopf: Vormarsch der Verschwörungstheoretiker
Aus Rundschau vom 09.09.2020.
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Der Glaube an Verschwörungstheorien könne auch direkte Auswirkungen auf das Einhalten der Corona-Massnahmen haben, sagt Sarah Kuhn, Erstautorin der Studie. «Diese Leute lehnen zum Beispiel Social Distancing und die Hygiene-Regeln häufig ab.»

Informationen ausgeblendet

Die Forschenden ermittelten ebenfalls die psychologische Befindlichkeit der Befragten sowie deren Alter, Geschlecht und politische Einstellung. So zeigt sich, dass die den Verschwörungstheorien zugeneigten Menschen im Durchschnitt jünger und gestresster waren sowie über paranoia-ähnliche Erfahrungen berichteten. Sie wiesen ausserdem eine politisch extremere Haltung und ein geringeres Bildungsniveau auf.

Auch in den Denkprozessen der Teilnehmenden zeigen sich Unterschiede. «Die Gruppe, die sich mit einer Verschwörungstheorie eher anfreunden konnte, traf Schlussfolgerungen vorschneller und unter grösserer Unsicherheit», sagt Kuhn. Sie schenkten Informationen, die ihre Meinung widerlegten, zudem weniger Beachtung.

Vorsicht bei Pauschalisierungen

Allerdings fanden die Forschenden auch heraus, dass einige Personen, die den Verschwörungstheorien zustimmten, sogar weniger Denkverzerrungen aufwiesen als die andere Gruppe. «Diese Ergebnisse weisen darauf hin, dass nicht jede Person, die einer Verschwörungstheorie zustimmt, automatisch auf ungünstige Art und Weise Informationen verarbeitet und entsprechend entscheidet», sagt die Psychologin Sarah Kuhn.

Das sei überraschend, da in der psychologischen Forschung bisher eher davon ausgegangen worden sei, dass Verschwörungstheorien einhergingen mit Eigenschaften wie einem geringeren analytischen Denkvermögen oder vorschnellem Schlussfolgern. Dass bei manchen Personen genau das Gegenteil der Fall sein könne, mahne zur Vorsicht bei Pauschalisierungen über die Anhängerschaft von Verschwörungstheorien.

Video
Von Corona-Kritik bis Verschwörungstheorie: Wir wollen alternative Wahrheiten verstehen
Aus Unzipped vom 04.10.2020.
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Regionaljournal Basel, 17:30 Uhr;

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126 Kommentare

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  • Kommentar von Rochus Schmid  (Rochus Schmid)
    @ T.Spirig: Meine Vermutung ( die ich eben gerne verifizieren würde) ist: Im BAG mit 800 Mitarbeitern gibt es Mitarbeiter die sich fast ausschliesslich mit Pandemie beschäftigen. Wahrscheinlich hatten sie auch ein 100 Milliarden Szenario, aber es wurde dem Seco nicht kommuniziert. Denn das Seco hätte gefragt ob es keine Variante mit weniger Kosten gäbe und so wäre man auf den Ausbau der Spitalkapazität gekommen. Irgendwo war ein Unterbruch im Informationsfluss. Wo? Wir müssen das aufarbeiten.
  • Kommentar von Hannes Zubler  (Zubi)
    Das gute an diesen Kommentaren ist, sie füllen etwas die Leere der aktuellen Stammtisch-Sprüche.
  • Kommentar von Christoph Speiser  (Risor)
    @SRF
    Danke für die Publikation der Studie. Die Erkenntnisse sind zwar nicht unbedingt bahnbrechend, beruhigen mich aber bis zu einem gewissen Grade. Ich war der Meinung, dass die Verschwörungstheoretiker einen weitaus grösseren Anteil ausmachen.
    1. Antwort von Beat Reuteler  (br)
      Ich hingegen bin schockiert, der Anteil ist deutlich grösser als erhofft.