Cyber-Crime: Bedrohungen und Abwehr schaukeln sich hoch

Ist die Schweiz gegen Attacken von Hackern gewappnet? «Wir sind natürlich nie sicher», sagt Peter Fischer, der Delegierte für die Informatiksteuerung des Bundes: «Es gibt noch viel zu tun.»

SRF: Was sind derzeit die grössten Cyber-Risiken für die Schweiz?

Peter Fischer: Die grössten Risiken betreffen die kritischen Infrastrukturen. Diese sind für unser Leben und unsere Wirtschaft existenziell. Wie Verkehr, Energie, Kommunikation. Wenn sie ausfallen, haben wir ein grosses Problem. Solche Infrastrukturen sind im Visier von international tätigen Angreifern. Es geht darum, sie zu schützen.

Peter Fischer, Delegierter für die Informatiksteuerung des Bundes.

Bildlegende: Peter Fischer, Delegierter für die Informatiksteuerung des Bundes. Keystone

Mit welchen Mitteln schützt die Schweiz diese kritischen Infrastrukturen?

In erster Linie ist natürlich jeder Betreiber selbst für den Schutz verantwortlich. Wenn jemand ein Telekommunikationsnetz betreibt und öffentlich Dienstleistungen über dieses Netz anbietet, dann muss er natürlich dafür sorgen, dass er dies möglichst sicher tun kann. Daneben stellen wir über die Melde- und Analysestelle Informationssicherung (Melani) eine Vernetzung der Informationslage sicher. 

Wie funktioniert Melani?

Ein Beispiel: Es gibt ein gut funktionierendes Netzwerk innerhalb des Finanzsektors. Banken tauschen Informationen zu Attacken anonymisiert untereinander aus. Zum Teil können wir diese Informationen mit international verfügbaren Informationen vernetzen. So können wir ein viel besseres Bild darlegen, was eigentlich vorgefallen ist und was man dagegen unternehmen kann. Das hilft den Betreibern sehr. Sie können die Vorfälle bewältigen oder Schutzmassnahmen dagegen aufziehen.

Wie erfolgreich ist Melani bisher? Konnte mit diesem System auch nur ein einziger Angriff verhindert werden?

Ich denke sogar bedeutend mehr als nur ein Angriff. Vielleicht nicht, dass der Angriff verhindert wurde, aber dass er nicht erfolgreich war. Und das ist das Ziel. Mit Melani konnte der Gesamtschutz des E-Bankings in der Schweiz verbessert werden. Die Schweiz ist zumindest zurzeit in der internationalen kriminellen Szene offenbar ein etwas weniger attraktives Ziel für Attacken auf das E-Banking.

Wie ist Ihre Einschätzung: Ist die Schweiz gewappnet gegen Cyber-Risiken?

Wir sind natürlich nie sicher. Die absolute Sicherheit in diesem Umfeld gibt es nicht. Das ist ein ständiger Prozess. Es ist ein sich Hochschaukeln zwischen Bedrohung und Abwehr. Im internationalen Vergleich sind wir wahrscheinlich nicht sehr schlecht aufgestellt. Gerade mit Melani haben wir ein interessantes Instrument. Das funktioniert. Es muss aber noch stark ausgebaut werden. Es gibt noch viel zu tun; wir sind aber nicht allein.