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Schweiz Das Ende der Billigkassen

Die Jagd nach der günstigsten Krankenkassen-Prämie ist eine Art Volkssport in der Schweiz. Doch die Politik unterbindet den Prestigekampf um gesunde Grundversicherte zusehends – es zeichnet sich eine Angleichung unter den Kassen ab.

Krankenkassen-Karten liegen übereinander auf eine mTisch.
Legende: Die Qual der Wahl: Künftig könnte das Prämien-Gefälle zwischen den Kassen weniger gross sein. Keystone

In diesen Tagen erhalten Sie Post von der Krankenkasse: Mit den Prämien für das nächste Jahr. Was auffällt: Je nach Kasse und Kanton steigen die Prämien überdurchschnittlich. Für Felix Schneuwly vom Internetvergleichsdienst Comparis ist klar: «Die Ära der Billigkassen ist vorbei.»

Das zeigt sich am Beispiel der Assura, der grössten Billigkasse: Im Durchschnitt steigen die Krankenkassenprämien für das nächste Jahr um 4 Prozent. Bei der Assura ist der Anstieg doppelt so hoch. In gewissen Kantonen steigen die Assura-Prämien gar um über 20 Prozent.

Grund dafür seien die 300'000 neuen Kunden, sagt Assura-Sprecher Daniel Herrera: «Es sind deutlich mehr, als voraussehbar war. Und diese Kunden verursachen natürlich Kosten für das nächste Jahr.»

Geschäftsmodell der Billigkassen lahmt

Doch ein zweiter wichtiger Grund für die steigenden Assura-Prämien ist der verfeinerte Risikoausgleich zwischen den Krankenkassen, wie ihn der Bundesrat beschlossen hat. Die Strategie gewisser Kassen, besonders günstige Prämien anzubieten und speziell Gesunde anzuziehen, gehe nicht mehr auf, sagt Professor Urs Brügger.

Der Leiter des Instituts für Gesundheitsökonomie an der Fachhochschule Winterthur erklärt, warum es sich nun weniger lohnt, sogenannte Billigkassen zu bilden: «Sie zahlen für jeden gesunden Versicherten – auch für junge – in einen Risikoausgleich ein.» Das sorge für einen gewissen Ausgleich unter den Anbietern.

Politik lenkt Marktentwicklung

Das sei politisch auch so gewollt, fügt Brügger an: Künftig werde es kaum mehr Krankenkassen geben, die deutlich tiefere Prämien anbieten als alle anderen – wegen des ausgebauten Risikoausgleichs: «Das führt dazu, dass generell eine Angleichung der Prämien erfolgen wird.»

Dies bestätigt auch Krankenkassenexperte Schneuwly. In Zukunft wird der Risikoausgleich zwischen den Kassen noch weiter ausgebaut. Das bedeutet: «Die Krankenversicherer rechnen jetzt streng betriebswirtschaftlich. Die Zeiten, in denen man sich einen teuren Prestigekampf um mehr Grundversicherte geleistet hat, gehören der Vergangenheit an.»

Dafür dürften die Versicherten darauf hoffen, dass die Krankenkassen mehr in die Kundenbetreuung investierten. Im Wettbewerb der Kassen werde eine hohe Kundenzufriedenheit immer wichtiger.

22 Kommentare

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  • Kommentar von E. Wagner (E. Wagner)
    Grund dafür seien die 300'000 neuen Kunden, sagt Assura-Sprecher Daniel Herrera: «Es sind deutlich mehr, als voraussehbar war. Und diese Kunden verursachen natürlich Kosten für das nächste Jahr.» Wieso? Sind diese alle bereits Krank und haben noch nie Prämien einbezahlt? Hatten diese Keine Versicherung oder wo kommen die her? Eine faule Ausrede würde man früher sagen ist das.
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  • Kommentar von Simon Suter (Simi)
    Bravo! Endlich wird dieser Volksabzockerei wenigstens ein kleiner Riegel geschoben und die Krankenkassen können (müssen) sich wieder darauf konzentrieren, den Menschen, die sie versichern, zu helfen, anstatt nur darauf, einander die gewinnbringentsten Kunden gegenseitig abzujagen. Endlich ist Schluss mit diesem geldverpulvernden Schmarren.
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  • Kommentar von Oliver Schaub (Oliver Schaub)
    Klasse. Dann werde ich hoffentlich endlich nicht mehr von diesen Callcenter-Fritzen belästigt.
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    1. Antwort von Patrik Schaub (Kripta)
      Sie nehmen mir die Worte aus dem Mund, Herr Schaub ...
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    2. Antwort von Daniele Röthenmund (gerard.d@windowslive.com)
      Herr Staub auch wenn Sie recht haben was diese Callcenter Betrifft. Muss man die Mitarbeiter nicht Beleidigen, den Sie verrichten nur eine Arbeit um sich zu Ernähren., Danke für Ihr Verständnis
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    3. Antwort von Patrik Schaub (Kripta)
      @Röthenmund: Na klar! Und während WIR UNSERERE Arbeit verrichten wollen/müssen, um UNS zu ernähren, lassen WIR uns von total über flüssigen Anrufen von UNSERER Arbeit abhalten. Geschenkt. Sonst noch was?
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    4. Antwort von Oliver Schaub (Oliver Schaub)
      @Röthenmund: Naja, wenn ich gefühlte 20x sagen muss: "Bitte streichen Sie meine Nummer und rufen Sie mich nie mehr an", scheinen diese Mitarbeiter ihre Arbeit nicht wirklich ernst zu nehmen. Ich kann ausserdem nichts dafür, dass diese Personen keine gescheite Ausbildung gemacht haben und nun diesem undankbaren Gewerbe nachkommen müssen. Da muss man halt etwas dickhäutig sein. Ich rege mich ja auch nicht darüber auf, dass Sie meinen Namen falsch abgeschrieben haben, oder?
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