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Das Problem Bombardier So schwierig verläuft das SBB-Projekt

Februar 2018: Es wird bekannt, dass die Testfahrten des neuen Bombardiers-Zugs Ende letztes Jahres alles andere als befriedigend sind. Die Softwareprobleme seien nach wie vor nicht behoben, sagt ein SBB-Lokomotivführer gegenüber Radio SRF. Der Einsatz der Züge verzögert sich weiter.

Januar 2018: Kurz vor dem Einsatz der ersten Züge drohen wegen eines möglichen Konstruktionsfehlers Millionenkosten und eine weitere Verspätung. Rollstuhlfahrer können nicht ohne Hilfe aussteigen. Der Behindertendachverband fordert in seiner Verbandsbeschwerde deshalb, dass die SBB und Bombardier die bereits gebauten sechs Doppelstockzüge behindertengerecht umbauen und bei weiteren sich im Bau befindenden Zügen Änderungen an der Konstruktion vornehmen. Das Bundesverwaltungsgericht in St. Gallen muss nun entscheiden, ob die neueste Generation SBB-Züge, dem Behindertengleichstellungsgesetz entsprechen – oder nicht.

Legende: Video Die Rollstuhlfalle der SBB abspielen. Laufzeit 7:01 Minuten.
Aus 10vor10 vom 29.01.2018.

November 2017: Das Bundesamt für Verkehr (BAV) gibt die Bewilligung für den Einsatz von sechs Bombardier-Doppelstockzüge. Ab 2018 dürfen sie auf die Schiene. Zuvor war die Zulassung immer wieder verschoben worden – zuletzt etwa, weil Bombardier Softwareprobleme mit den neuen Zügen hatte.

Juni 2017: Der Hersteller will die Zulassung für die neuen SBB-Doppelstockzüge erhalten. Doch die zuständigen Behörden winken ab. Bombardier habe selbst gesetzte Termine immer wieder verschoben, heisst es beim Bundesamt für Verkehr. Man rechne deshalb mit einer Zulassung im Oktober. Hinzu kommt heftige Kritik an den Arbeitsbedingungen im Bombardier-Werk in Villeneuve VD. Gegenüber RTS berichteten Mitarbeiter zudem von nicht bezahlten Lieferanten und fehlendem Material.

Mai 2017: Die ersten Züge kommen zur Testfahrt aufs Gleis. Bombardier will die Zulassung vom BAV im Sommer bekommen.

Dezember 2016: Drei Jahre nach dem vereinbarten Termin hat der kanadische Produzent noch immer keinen einzigen Zug geliefert. Der SBB-Chef selbst hat Zweifel, ob die Züge 2017 zum Einsatz kommen. Bombardier soll Software-Probleme haben. Doch der Zugbauer hat auch den für den SBB-Auftrag zuständigen Projektchef wiederholt gewechselt.

Juni 2015: Die SBB gewährt der Öffentlichkeit einen Blick in das Innenleben der neuen Intercity-Zügen. Die kanadischen Zugbauer werden 2020 als Kompensation für die Verspätung drei Gratis-Züge im Wert von rund 100 Millionen Franken liefern. Ein Angebot, welches die SBB akzeptiert.

Dezember 2014: Erste Testzüge werden gebaut.

November 2014: Es wird klar: Die Züge werden erst ab 2017 zum Einsatz kommen. Dies geht aus dem neuen Lieferplan hervor, den Bombardier der SBB vorgelegt hat. Bis 2020 soll der Lieferrückstand aufgeholt werden.

Dezember 2013: Die Lieferung von Bombardier an die SBB fällt aus.

Legende: Video Lieferprobleme bei Doppelstockzügen abspielen. Laufzeit 4:52 Minuten.
Aus 10vor10 vom 13.12.2013.

April 2012: Es herrscht dicke Luft zwischen der SBB und Bombardier. Der kanadische Zugbauer hat technische Probleme. Ausserdem sind die Züge nicht rollstuhltauglich. Gleichzeitig reicht die SBB nachträglich bis zu 50 Änderungswünsche ein. Es wird bekannt, dass das Projekt rund zwei Jahre verspätet ist.

Juni 2010: Die SBB unterzeichnet den Liefervertrag zwischen ihr und Bombardier. Die erste Lieferung ist für Ende 2013 geplant.

Mai 2010: Die SBB vergibt den grössten Auftrag in ihrer Geschichte an Bombardier. Der kanadische Zugbauer soll 59 Doppelstockzüge für rund 1.9 Milliarden Franken liefern. Die unterlegene Stadler Rail rekurrierte nicht beim Bundesverwaltungsgericht.

14 Kommentare

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  • Kommentar von Kari Raeschter (K. Raeschter)
    Andreas Meyer, der CEO der SBB soll endlich zurücktreten. In letzter Zeit passieren zuviele Dinge bei der SBB, welche uns Steuerzahler viel Geld kosten. Zum Bsp. die ganzen Probleme mit der Infrastruktur, weil man die Wartung seit Jahren sträflich vernachlässigt hat.
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  • Kommentar von Ingrid Pluss (ipe)
    Voilà! Hätten wir das Schweizer Qualitätsprodukt von Stadler Rail gekauft, wäre dieses Problem mit Sicherheit nicht aufgetaucht. Billiger ist nicht immer besser.
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  • Kommentar von Peter Werro (Peter68)
    Es braucht immer 2 dazu, ein Kunde der die Ausschreibung so schreibt das alles möglich ist, und ein Lieferant der dies ausnützt und günstig anbietet um den Auftrag zu bekommen, die Nachbesserungen sind ihm sicher, die Taktik ist sehr üblich. Wenn das aber der SBB passiert ist das nur stümperhaft, wenn teure Gebäude mit neusten Management—Methoden und teure Strategieberater wichtiger ist als grundlegende Technik und Sicherheit. Dann ist es Zeit das teure, (Steuergeld), Management zu wechseln...
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