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Das sagen unsere Kommentatoren Lockerung des Wolfsschutzes: «Schiesswütige werden sich freuen»

Der Wolfschutz soll gelockert werden, das hat der Ständerat gestern entschieden. Vielen Usern stösst dies sauer auf.

Der Ständerat will Kantonen ermöglichen, die Wildtierbestände eigenständig zu regeln. Insbesondere dann, wenn sie grossen Schaden anrichten oder Menschen gefährden. Das hat die kleine Kammer gestern entschieden.

Klar ist, das Thema birgt emotionale Brisanz. Nicht nur im Ständerat kochten die Emotionen hoch, sondern auch bei unseren Kommentatoren. So meint M. Kaiser: «Alle diese auch wilden Tiere besitzen ein Lebensrecht.» Und die wenigen Schäden, die diese Tiere aus Hunger verursachten, könne man sich mit einer Wildtierversicherung leisten.

Der Wolf vor der Post: Dieses Problem löst sich selber. Es gibt ja bald keine Poststellen mehr.
Autor: Urs MüllerKommentator

«Kranke Gesellschaft»

Kaiser geht gar noch einen Schritt weiter: «Ich gebe gerne 1000 Franken, für den Schutz dieser wunderschönen wilden Arten.» Schliesslich leisteten diese Tiere eine Bereicherung die herrliche Fauna und Flora bedeuten. Offensichtlich die Mehrheit, die sich in den Kommentarspalten zum Thema äusserten, waren gleicher Meinung. Die Klicks auf das «Daumen hoch»-Symbol war jedenfalls enorm.

Wolf, der verängstigt aussieht
Legende: Wo der Wolf aufheult, heult es zurück: Viele Nutztierhalter tun sich schwer mit der Wolfspräsenz. Keystone

«Kranke Gesellschaft», lautet das Urteil von Kommentator Leu. «statt sich zu freuen über die Rückkehr dieser Tiere, die seit Jahrtausenden zu den Alpen gehören wie das Alpenrösli, sehen unsere tollen Volksvertreter nur Gefahren und wollen die Tiere zum Abschuss freigeben.»

«Der Wolf, der Luchs und der Bär sollen jagdbar werden. Da werden sich die schiesswütigen Walliser und Bündner freuen», frotzelt Kommentator A. Keller.

«Die greifen nie Menschen an»

Sachlicher und weitaus weniger polemisch sieht es Geneviève Schmid: «(…) Aber in konkreten Dörfern, wo einzelne, potentiell gefährliche Tiere Menschen begegnen, liegt eine konkrete Situation vor, in der man einzelne Tiere eventuell doch vergrämen oder töten muss.»

Die Schweiz sei einfach nicht Kanada oder Ostdeutschland mit weiten unbewohnten Flächen. Die Aussage «die greifen nie Menschen an» stimme so nicht. User Schmid weist darauf hin: «Als Betroffener und Angehörige sieht das plötzlich ganz anders aus.»

Der Wolf vor der Post

Das Thema Wildtiere geht H. Kuhn mit Humor an: «Ich würde auch nicht schlecht staunen, wenn plötzlich ein Wolf vor der Poststelle auftaucht. Und erst recht, wenn er dann noch hineingeht und einen eingeschriebenen Brief aufgeben will.» Dazu passend meint Urs Müller aus dem fernen und wolfarmen Santiago de Chile: «Und der Wolf vor der Post: Na, dieses Problem löst sich selber. Es gibt ja bald keine Poststellen mehr.»

In Trin sei tatsächlich ein Wolf vor der Post gestanden. «Bei aller Naturliebe und Eintreten für den Wolf – sollten wir uns nicht trotzdem in die Situation örtlicher Anwohner und Eltern kleiner Kinder versetzen», mahnt Kommentatorin Geneviève Schmid.

Es gäbe fast keine Toten durch Wölfe. Aber durch ihre wachsende Zahl könnte ein Tier eben doch einmal so ausgehungert sein, dass er sich an ein kleines Kind wagt, sagt Schmid. Zum Kommentar von H. Kuhn meint sie: «Kritik äussern ist gut, aber sich so lustig zu machen?» Das macht deutlich: Bei so einem emotionalen Thema, kommt Humor nicht unbedingt gut an.

«Dort geht es, wieso nicht bei uns?»

Kommentator Peter Sprecher verweist auf die Situation in Nordamerika. Dies sei ein Beispiel, das zeige, wie man mit Tieren leben könne. «Dort kriegen sie Gummischrot auf den Pelz, wenn sie zu nahekommen. So können sie das auch ihren Kameraden mitteilen. Dort geht es, wieso nicht bei uns?», fragt Sprecher.

Im vergangenen Jahr wurden 18 Wölfe im Kanton Graubünden gezählt. 90 Nutztiere haben diese gerissen. Eigentlich, findet Umweltministerin Doris Leuthard. «Da haben wir ein paar Probleme, die grösser sind.»

Verblüffende Polarisierung

Umso unverständlicher, dass der Wolfsschutz gelockert werden soll, findet Kommentator Bruno Bär: «Ist doch lächerlich, wenn man diese Kleinstpopulation zum Abschuss freigibt.» Da werde es in wenigen Monaten nach Inkrafttreten keinen einzigen Wolf mehr geben. Das ist doch das Ziel, nur wolle man dies nicht offen sagen.

Vielleicht abschliessend in einer Thematik, die nicht kein absehbares Ende hat, lässt sich der Kommentar von Geneviève Schmid zitieren: «Die Polarisierung bei dem Thema ist verblüffend. Verallgemeinerungen, Übertreibungen und Unterstellungen überall.» Was klar ist: Die Vorlage wird nächste Woche weiterberaten und geht dann an den Nationalrat und die Kommentarspalten werden wieder heiss laufen.

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13 Kommentare

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  • Kommentar von Alex Volkart (Lex18)
    Die Raubtiere waren schon vor uns Menschen hier und sollten auch mit uns hier leben können. Wer sich Raubtieren gegenüber angemessen verhält hat nichts zu befürchten. Raubtiere zu schützen ist eine landesweite Angelegenheit, keine kantonale. Ich bin kein Städter sondern ein Bergler. Dass ein Wolf ein Nutztier reist ist zweifellos schlimm, aber durch mangelhafte Aufsicht sterben in den Bergen deutlich mehr Nutztiere. Darüber spricht aber kein Politiker.
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  • Kommentar von Alex Bauert (A. Bauert)
    «Die Aussage «die greifen nie Menschen an» stimme so nicht.» In Griechenland wurde letztes Jahr eine britische Touristin von einem Wolfsrudel angegriffen und getötet. Der einzige Vorfall seit ich mich erinnern kann! Wer weiss von noch einem Vorfall?
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  • Kommentar von Claus Prochazka (Verfalsdatum1007)
    Wir haben Wölfe, Bären und Wildkatzen erlebt. Wenn man den Abstand respektiert passiert garnichts. Kommt man etwas zu nahe kommt erst ein fauchen oder knurren und man kann sich zurück ziehen, alles ohne Hast.
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