Zum Inhalt springen

Schweiz Das schwierige Drohnengeschäft mit Israel

Für 250 Millionen Franken will der Bundesrat neue Armee-Drohnen aus Israel kaufen. «10vor10»-Recherchen zeigen nun, dass ein hochkomplexes System zur Vermeidung von Kollisionen mit anderen Flugzeugen noch gar nicht zugelassen ist, weder für den Schweizer Luftraum noch anderswo.

Legende: Video Schwieriges Drohnengeschäft mit Israel abspielen. Laufzeit 3:55 Minuten.
Aus 10vor10 vom 08.04.2015.

Die aktuellen Drohnen der Schweizer Armee kommen häufig an der Grenze zur Unterstützung von Polizei und der Grenzwache zum Einsatz. Im Einsatzgebiet der Drohne sind aber auch viele Sportflugzeuge oder Helikopter unterwegs. Jeder Drohnenflug bei Tag muss deshalb von einer bemannten Militärmaschine begleitet werden. Die Piloten schlagen beim Drohneneinsatzkommando Alarm, wenn sich ein anderes Flugzeug auf Kollisionskurs mit der Drohne befindet. Diese Begleitflüge verursachen hohe Kosten.

Bundesrat erhofft sich tiefere Kosten

Solche Begleitflüge sollen gemäss Bundesrat mit der neuen Drohne nicht mehr nötig sein. Die neue Armee-Drohne Hermes 900 / ADS15 soll mit einem automatischen System ausgerüstet werden, das Kollisionen in der Luft verhindert. Die Fachleute sprechen von einem so genannten «Sense&Avoid-System». In seiner Botschaft zum Rüstungs-Programm schreibt der Bundesrat: «Mit dem ADS 15 kann aufgrund des Sense&Avoid-Systems und der grösseren Flughöhe auf die Begleitung durch ein bemanntes Flugzeug verzichtet werden, was Kosten spart.»

Sicherheits-Nachweis nicht erbracht

Aviatik-Experte Christoph Regli, der selber im Evaluierungsprogramm der neuen Drohne mit dabei war, hat höchste Zweifel, dass das Anti-Kollisionssystem im Jahr 2020, beim geplanten Erstflug der neuen Drohen, für den Schweizer Luftraum zugelassen sein wird. Weltweit gäbe es noch kein einziges solches System, das eingesetzt werden dürfe. «Man wird eine Drohne nicht in ein Luftfahrtsystem integrieren, ohne nachzuweisen, dass nichts passieren kann.»

Beschaffung mit finanziellem Risiko

Sicherheitspolitikerin Evi Allemann (Nationalrätin SP/BE) kritisiert: Die neue Drohne berge grosse finanzielle Risiken, wenn ein wesentliches System nicht zugelassen sei: «Ich finde es schon erstaunlich, dass der Bundesrat auf eine Typenwahl abstützt mit dieser technischen Unsicherheit. Politisch brauchen wir eine sichere Beschaffung. Es ist viel Geld, das wir auslösen werden.»

Armasuisse, zuständig für die Beschaffung der neuen Drohne, geht hingegen davon aus, dass das Anti-Kollisions-System bis in fünf Jahren zugelassen wird: «Bei den Einsätzen der neuen Drohne ADS 15 im Jahr 2020 wird sie nach heutiger Planung ohne Begleitflugzeug agieren können.»

Kaum Kosten-Einsparungen

Doch auch der Präsident der Sicherheitspoltischen Kommission des Nationalrats, Thomas Hurter (SVP/SH) rechnet nicht damit, dass die Drohne 2020 ganz alleine fliegen darf: «Ich gehe eher davon aus, dass es noch nicht eingesetzt wird, weil es gewisse rechtliche Grundlagen braucht.» Auch die neue Hightech-Drohne aus Israel wird also wohl durch eine ältere Propeller-Maschine begleitet werden müssen. Kosteneinsparungen sind so kaum möglich.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

13 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von M.Müller, Zürich
    Warum baut die Schweiz nicht selber Drohnen mit Hilfe der ETH und der RUAG. Nebenbei, warum sind in unserem Rüstungsbetrieben soviel Ausländer in Kaderpositionen? Danke Herr Blocher!? Heben wir keine schützenswerte Geheimnisse mehr? Das wäre ja ein Verkaufshit für die Schweizer Rüstungsindustrie - Drohnen zur Aufklährung. Zudem sollten die Dinger nicht über GPS gesteuert werden sondern z.B. über unser Mobilnetz damit wir unabhängig sind!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von M.Kohler, Thurgau
      nur so nebenbei... GPS gestützte Navigation funktinieren auch in grosser Höhe ganz im Gegensatz zu GSM Technologie... sie wollen vermutlich auch keine tieffliegenden Drohnen über Ihrem Garten haben?
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Hans Knecht, Torny
      M.Müller, wenn sie sehr viel Geld ausgeben wollen um ggf. nebenbei noch mehr Nichtschweizer in die Schweiz zu holen, dann sollte man ihre Idee umsetzen. Und ja, die Schweiz hat offensichtlich kaum noch schützenswerte Geheimnisse. Praktisch alle relevanten Systeme wurden im Ausland entwickelt und in der Schweiz auf Stufe "Endanwender vor eine Blackbox" eingesetzt. Was will man da schützen? Das interessante Knowhow ist eh im Ausland.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von Hans Knecht, Torny
      Ausländer in Kaderpositionen, da gibt es mehrere zu hinterfragende Gründe. Zum einen ist es heikel weil dadurch ab einer "kritischen Masse" den Einheimischen signalisiert wird "ihr kriegt selbst nichts zustande" und viele Einheimische resignieren und setzen sich nach Möglichkeit ab. Zum anderen ist die Schweizer Kultur speziell und vielen inländischen Führungskräften selbst fehlt heute das Verständis für die Schweizer Kultur zumal heute nur der kurzfristige Gewinn zählt. Das ist unschweizerisch.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von P.Fetz, Zürich
    Drohnen sind immer gut in einem Überwachungsstaat, so kann man sie fürs WEF gebrauchen und man kann sie vermieten an die Polizei bei Grossanläsen wie die Street Parade oder auch zu Ostern den Stau am Gotthard überwachen usw! Wenn Hr. Maurer schon Spionage Abwehr Plant zum kauf dann braucht man auch Drohnen! Ich würde sagen, Volksinitiative und ein NEIN reinlegen für keinen Überwachungsstaat!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Jean Nerac, GE
    Was nützt eine Drohne mit Begleitflugzeug ? Dann kann doch gleich das Begleitflugzeug die Aufgabe der Drohne übernehmen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von M.Müller, Zürich
      Da gab es doch mal die Schildbürger - ich dachte schon, die seien Ausgestorben.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen