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Schweiz Der Ballenberg braucht Geld

Bund und Kantone sollen das Freilichtmuseum bei Brienz mit über 90 Millionen Franken unterstützen. Es gehe um Sein oder Nichtsein, so die Verantwortlichen des Ballenbergs. Bei Politikern stossen sie auf Wohlwollen: BDP-Ständerat Luginbühl hat einen entsprechenden Vorstoss im Parlament eingereicht.

Restaurant im Freilichtmuseum mit offener Gartenterrasse, Sonnenschirmen und einem Wegweiser davor.
Legende: Als Ausflugsziel beliebt, dennoch knapp bei Kasse: Das Freilichtmuseum Ballenberg. Keystone

Noch herrscht Winterbetrieb auf dem Ballenberg. Die historischen Häuser des Freilichtmuseums sind geschlossen. Arbeit aber gibt es auch jetzt zuhauf. Und erledigt wird sie wie zu Gotthelfs Zeiten: Mit einem schweren Pflug ziehen Ross und Bauer Furchen in den Ackerboden. Der Umgang mit Pferd und Pflug ist schweisstreibend und will gelernt sein, sagt der Bauer: «Wir sind hier am Pflügen, ich trainiere die Pferde für die traditionelle Landwirtschaft, die wir diesen Sommer hier zeigen wollen.»

Nicht nur heile Welt zu besichtigen

Im Moment haben vereinzelte Wandergruppen das weitläufige Gelände fast für sich alleine – bevor im Sommer Heerscharen von Besuchern auf den Ballenberg strömen. Sie wollen erleben, wie es früher war in der ländlichen Schweiz. Und viele sind wohl auch auf der Suche nach einer heilen Welt. Diese werden auf dem Ballenberg ordentlich überrascht, sagt Direktorin Katrin Rieder: «Wir sind nicht ein Museum der Blumentröge. Wir zeigen hier die Schatten- und Sonnenseiten der Vergangenheit, das Leben und Arbeiten in vergangenen Zeiten.»

Der Ballenberg wolle aber auch an Fragen der Gegenwart anknüpfen, fügt Rieder hinzu. Mit aktuellen Themen wie dem nachhaltigen Wirtschaften zum Beispiel, dem Recycling, Kulturlandverlust oder der Ernährungssicherheit. Das Konzept kommt an: Vier von fünf Schweizern kennen den Ballenberg. Rund 250'000 Eintritte wurden letztes Jahr verkauft, mehr als in jedem anderen Museum der Schweiz.

Eigenmittel reichen nicht mehr aus

Und doch ist das Freilichtmuseum gefährdet. «Heute und morgen wird sich das Museum noch halten können. Aber letztlich stellt sich die Frage: Ballenberg oder nicht Ballenberg.» Denn das vor 35 Jahren gegründete Freilichtmuseum braucht Geld – viel Geld: Über 90 Millionen Franken für die nächsten zehn Jahre.

Bis jetzt, so Rieder, habe man von der Hand in den Mund gelebt: «Man hat den Betrieb von Jahr zu Jahr organisiert, und man konnte wenig an die Zukunft denken, weil die Subventionen fehlten. Da war es nicht möglich, Rückstellungen zu tätigen.»

Der Betrieb des Freilichtmuseums wird bis jetzt zu über 90 Prozent aus eigenen Mitteln finanziert. Regelmässige Unterstützung gibt es nur vom Standortkanton Bern, nicht aber vom Bund und den anderen Kantonen. Lediglich für einzelne Projekte wurde jeweils Geld locker gemacht, etwa für den Kauf, den Transport und Wiederaufbau der historischen Häuser. Jetzt aber ist der Ballenberg im Wesentlichen gebaut.

Künftig mehr «Übersetzungsarbeit» nötig

Es braucht Geld für den Unterhalt, für zeitgemässe Ausstellungen, aber auch für professionelle Vermittler. Je länger je weniger kann das Freilichtmuseum nämlich auf das Vorwissen der Besucher zählen, sagt Rieder: «Da kommt nicht mehr der Grossvater mit seinem Grosskind ins Museum und kann sagen: ‹Weisch no, so heimer das früecher gmacht!› Wir werden Übersetzungsarbeit leisten müssen, wie auf einem römischen Gutshof, wo man die Scherben nicht lesen kann, weil man nicht weiss,was es ist.»

Werner Luginbühl redet im Parlament mit Peter Bieri.
Legende: Werner Luginbühl (l.) setzt sich im Parlament für den Fortbestand des Ballenberg Museums ein. Keystone

Die Direktorin ist zuversichtlich, dass diese Arbeit anerkannt und gefördert wird. Sie spüre jedenfalls breite Unterstützung von links bis rechts. Und tatsächlich haben 27 Vertreter praktisch aller Parteien den Vorstoss des Berner BDP-Ständerats Werner Luginbühl mitunterzeichnet. Stimmt ihm das Gesamtparlament zu, ist der Ballenberg gerettet.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Liz Treiberg, Cortes Island BC Canada
    Hello: Ich wohne schon seit ueber 45 Jahren in Canada. Aber wenn ich oder Freunde von mir die Schweiz besuchen ist Ballenberg oft auf unserem Ferienplan. Nur durch ein lebendes Museum wir Ballenberg koennen meine Grosskinder noch mitkriegen wie deren Vorfahren gelebt und gearbetet haben. Erhaltet dieses Erlebnis! Greetings from Canada, Liz
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  • Kommentar von Marlene Zelger, 6370 Stans
    Das wäre sinnvoll investiertes Geld zur Erhaltung unserer kulturhistorischen Denkmäler, in denen veranschaulicht wird, wie die Menschen früher gelebt und gearbeitet haben. Denn um die Zukunft zu verstehen, muss man die Geschichte kennen. Für einmal kommt Gutes aus dem Hause BDP, und es ist zu hoffen, dass das Parlament diesem Vorstoss aus Liebe zur Schweizer Geschichte zustimmen wird und der Ballender jung und alt weiterhin erfreuen kann.
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  • Kommentar von xam rebaf, vietnam
    wieviel? - 90 millionen - das sind fast 250tausend franken pro tag!!! misswirtschaft - begünstigung - was noch? was ging da wohl wieder schief im kanton bern? aber der kanton bern kann sich dies ja locker leisten! solange sich ihre regierung mit den schwarzen limos inklusive chauffeur an die geldverteilungssitzungen fahren lässt - kein problem! das armenhaus der schweiz erhält ja von den reichen kantonen sehr viel geld!
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    1. Antwort von Alexander Flury, Luterbach
      90'000'000 / 10 = 9'000'000 / 52 = 173'077 / 7 = CHF 24'725.30 pro Tag. Stimme aber zu, dass das viel zu viel ist!
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