Zum Inhalt springen

Schweiz Der grosse Irrtum der politischen Werbung

Das zum Hakenkreuz mutierte Schweizerkreuz prangt am Zürcher Hauptbahnhof auf elektrischen Anzeigen. Effiziente politische Werbung der DSI-Gegner oder doch eher Fehltritt glühender Meinungsmacher? Für Experten ist klar: In der Meinungsbildung ist Provokation ein schlechter Ratgeber.

Legende: Video Wo sind die Grenzen der Meinungs-Mobilisierung abspielen. Laufzeit 2:01 Minuten.
Aus Tagesschau vom 22.02.2016.

Angefangen hat es genau vor einer Woche. BDP-Präsident Martin Landolt hat mit einem Tweet zur Durchsetzungsinitiative harsche Kritik auf sich gezogen. Er veröffentlichte auf Twitter ein Bild, auf dem ein zu einem Hakenkreuz entstelltes Schweizerkreuz zu sehen ist.

Solche Politwerbung verpufft

Das Poster mit dem Titel «Nein zur Zwei-Klassen-Justiz» wirbt für ein Nein zur Durchsetzungsinitiative und verweist dabei auf Nazi-Deutschland und die Apartheid in Südafrika. Auf Twitter löste Landolts Tweet heftige Reaktionen aus, viele davon negativ. Dessen ungeachtet haben heute, eine Woche später, private Geldgeber die Aufschaltung des Plakats auf den elektronischen Tafeln am Zürcher Hauptbahnhof bewirkt.

Werber des Jahres 2015, Curdin Janett.
Legende: Curdin Janett: Drohungen oder Mahnfinger funktionieren in der Kommunikation nur schlecht. SRF

Das Hakenkreuz sei auf neun Bildschirmen zu sehen gewesen – alle drei Minuten für jeweils zehn Sekunden. Das Geld dafür kam laut dem verantwortlichen Werber Parvez Sheik Fareed aus privater Hand, wie «persönlich.ch» schreibt. Weitere Schaltungen solle es in der ganzen Schweiz geben, teilte der Schöpfer des Motivs mit.

Für gestandene Werbeprofis ist die Kreation solcher Plakate zweifelhaft. «Angstmacherei auf diesem Niveau für eine Abstimmungsvorlage halte ich für höchst bedenklich», sagt der Werber des Jahres 2015 in der «Tagesschau». Curdin Janett bezweifelt überdies die Wirkung solcher Plakate. «Der Mahnfinger und das Drohen funktionieren grundsätzlich schlecht bis gar nicht in der Werbung.»

Politwerbung darf viel mehr als kommerzielle Werbung

Ein anderer Aspekt ergibt sich aus den Fragen der Rechtmässigkeit. Hier sind der Politwerbung die Hände viel weniger gebunden als der kommerziellen Werbung. Politwerbung untersteht lediglich dem Strafrecht. Für den Experten und Juristen der Lauterkeitskommission ein Paradoxon.

Jurist Marc Schwenniger.
Legende: Marc Schwenninger: Kommerzielle Werbung ist viel stärker als Politwerbung reglementiert. SRF

«Da ist auf der einen Seite der Durchschnittskonsument, der nach Meinung der Politiker ständig beschützt werden muss», sagt Marc Schwenninger im Gespräch mit der «Tagesschau». Auf der anderen Seite stünde der Stimmbürger, dem die gleichen Politiker zutrauen würden, trotz schwadronierender Politwerbung eine saubere und vernünftige Meinung bilden zu können.

Dass solch provokative Politwerbung nicht automatisch zu mehr Aufmerksamkeit für das eigentliche politische Anliegen führt, ist spätestens seit den Schäfchen-Plakaten der SVP hinlänglich bekannt geworden.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

236 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Niklaus Bächler (parteilos!!)
    Dieses Hakenkreuz hätte einen guten Denkanstoss auslösen können. Nämlich die Diskussion darüber, ob solche Plakatwerbung verboten werden soll. Ich ärgere & schäme mich seit Jahren bei all unseren Gästen & Ausländern über die untragbaren, menschenverachtenden & abstossenden Plakate einer SVP. Mit grosser Verblendung rechtfertigen hier Anhänger der SVP, teilweise mit abstrusen Begründungen, die Plakatwerbung ihrer Partei. Wenn etwas daraus zu lernen ist dann das: Weg auch mit diesen SVP Plakaten!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Peter Escher (Peter)
    Da nehmen sich die " Schäfchen " der SVP, sowie der Flagge von Freysinger sehr zahm aus, gegenüber den Hakenkreuzen der Grünen, Roten und Linken, oh je, oh je ..!!! Niklaus Bächler
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Edwin Habegger (vonwegen)
      Überhaupt nichts von „zahm“ ! Ich fand den 'ganzen Mist' von dämagogisch parteiischem Plakatschrott vor Wahlen und Initiativen der letzten gut zehn Jahre - gerade in Bahnhöfen - immer die reine Zumutung für Kunden unserer 'teuren SBB'.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Niklaus Bächler (parteilos!!)
    Die Kommentare zeigen es wunderschön auf! Da echauffieren sich die Rechtsnationalisten & die versammelte «Schäfchengilde», verlangt Klagen, werden bei Botschaften vorstellig und alles nur, weil jemand sich der haargenau gleichen Propaganda bedient, wie es die SVP seit Jahren tut. All jenen sei gesagt, dass wir (70.4% des Volkes) längst schon hunderte Klagen gegen die Geschmacklosigkeit von Rechts hätten führen können.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Franz NANNI (Aetti)
      Na ja, meine Klageschrift ist raus... und das, obwohl ich kein Rechtsnationalist bin, sondern ein ganz normaler Buerger mit ganz normalen Einstellungen, mal rechts mal links, gerade so wie es mE gut ist.. DAS ist praktizierte Demokratie, andernseits wer diese imfame Verhunzung unserer Schweiz gutbbefindet .. na dem ein Pfui Und nicht vergessen, diese Verhunzung betrifft alle Schweizer gleichermassen! Es ist uebrigens auch eine Beleidigung unserer Demokratie!
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Marlies Artho (marlies artho)
      N. Bächler in den Bahnhöfen wurden dieses Plakate entfernt, weil es sehr viele Reklamationen gab von Fahrgästen, denke, dass dies nicht alles rechtsnationale Menschen sind, die sich verletzt fühlten. SBB erklärte sie seien offen für alle Werbeplakate, aber sie seien der Meinung, durch die vielen Reklamationen, dass es besser ist diese Plakate auf Bahnhöfen zu entfernen. Sie hätten noch nie so eine heftige Reaktion gehabt. Gab es nicht auch schon Klagen, für die SVP und JUSO?
      Ablehnen den Kommentar ablehnen