«Der Mensch ist das Problem, nicht der Bär»

Der Abschuss von M13 kam nicht überraschend. Ein Bären-Experte hat Verständnis für den Behördenentschied. Er mahnt aber: Es werden wieder Bären in die Schweiz kommen. Darum müsse man jetzt diskutieren, wie man künftig mit ihnen umgehen wolle.

Ein Braunbär

Bildlegende: Bärin Yurka 2007 in Italien: Als sie Menschen zu nahe kam, brachte man sie in einen Park – eine tierfreundliche Lösung. Reuters

M13 erwachte früh aus seinem Winterschlaf. Anfangs Woche stand er im Puschlaver Dorf Miralago am helllichten Tag Menschen gegenüber – zu Schaden kam dabei niemand.

Verständnis für Entscheid der Behörden

Den Bündner Behörden wurde es aber offenbar zu heiss. Der Abschuss sei «unausweichlich» geworden, sagen sie.

War das wirklich nötig? Biologe und Bären-Experte David Bittner versteht den Entscheid. «Die Behörden wollten verhindern, dass Menschen zu Schaden kommen», erklärt er gegenüber «SRF News Online». «Es also eine Vorsichtsmassnahme.»

« Der Bär wurde wegen der Menschen so, wie er war. »

Allerdings: Dass die Begegnungen zwischen Bär und Mensch als problemhaft gelten, läge zu 99 Prozent am Menschen, sagt Bittner. «Der Mensch verhält sich meist falsch.»

Der Bär hingegen – ist Bittner überzeugt – verhält sich richtig. Er hat sich an die Menschen angepasst. Für sein Verhalten wird er sozusagen belohnt: Er findet in der Nähe der Menschen auf einfache Weise Nahrung. «Der Bär wurde wegen den Menschen so, wie er war.»

Grosse Bärenparks wären eine Lösung

Aber was hätte man ausser dem Abschuss tun können? «Eine mögliche Lösung wäre ein grosser Bärenpark – wir sprechen hier von ein paar hundert Hektaren Fläche», meint der Bären-Experte. Projekte für Parks dieser Art gab es auch in der Schweiz – zuletzt in Arosa. Der Plan wurde von der Gemeinde aber wieder verworfen.

Problembären oder andere Wildtiere könnten da «eingesperrt» werden. Sie hätten aber dennoch einen naturnahen und artgerechten Lebensraum. Zudem wäre ein solcher Park eine Attraktion für Touristen. Im italienischen Trentino beispielsweise werden solche Anlagen mit Erfolg unterhalten.

Mensch und Bär könnten zusammenleben

Man müsse sich bewusst sein, dass Bären und vielleicht auch andere Wildtiere sowieso immer wieder in die Schweiz kommen. «Wenn der Mensch will, dass der Bär zurückkommt, muss er sich anpassen», betont der Biologe Bittner.

Mensch und Bär könnten durchaus zusammenleben. Dies zeige sich in Ialien, aber auch in Schweden, Finnland oder Slowenien.

So ein eingezäunter Park sei eine Notlösung. Daneben gebe es weitere Möglichkeiten, um problemhafte Begegnungen mit Bären zu verhindern. Bittner denkt an Herdenschutzhunde, Elektroschutzzäune, bärensichere Container und Kompostkübel. «Es gibt Lösungen – sie werden oft zu wenig strikt umgesetzt.»

«Man ist in der Schweiz auf gutem Weg»

«Die bisherigen Bemühungen in der Schweiz waren offenbar noch nicht gross genug», meint Bittner. Man müsse aus der Vergangenheit lernen und grösser angelegte Diskussionen führen. «Es kann ja nicht sein, dass fast jeder Bär hier auf einfache Weise Nahrung findet, seinen Respekt verliert und dann abgeschossen wird.»

Dennoch: «Man ist in der Schweiz auf gutem Weg.» Bittner kann dem Abschuss von M13 darum auch etwas Positives abgewinnen. Die Diskussion um das Zusammenleben zwischen Mensch und Bär ist entflammt. «Jetzt muss man zeigen, dass Handlungsbedarf besteht. Schliesslich sind viele Schweizer erfreut, dass wieder Bären in der Schweiz unterwegs sind.»

David Bittner hat Biologie studiert und 2009 promoviert. Seit 2002 reist er regelmässig nach Alaska, wo er Kodiak- und Küstenbraunbären beobachtet und dokumentiert. Er publizierte mehrere Filme und Bücher. Am Donnerstag 21. Februar strahlt «DOK» auf SRF 1 eine Reportage über Bittner aus.