Der Tourismus leidet und Millionen für Kredite liegen brach

Die Schweizer Hoteliers leiden unter dem starken Franken. Wie bereits 2011 bleiben die ausländischen Feriengäste aus. Damals stockte das Parlament die Hotelkredite um 100 Millionen Franken auf. Vier Jahre später sind sie aber immer noch nicht ausgeschöpft.

In der Hotellobby aufgereihte Zimmerschlüssel.

Bildlegende: Strenge Auflagen: Ohne Bankkredit gibt es keinen Hotelkredit. Keystone

Wenn der Aufzug nicht mehr funktioniert oder eine Fassadenrenovation ansteht, brauchen Hoteliers Geld. Das erhalten sie in erster Linie bei den Banken. Fehlt dann noch Geld, können sie bei der Gesellschaft für Hotelkredite anklopfen.

2011 litt die Hotelbranche bereits einmal unter einer Flaute von ausländischen Feriengästen. Als Hilfsmassnahme beschloss das Parlament, das Bundesdarlehen für die Gesellschaft für Hotelkredite aufzustocken. Von den zusätzlichen 100 Millionen Franken wurden bis heute aber nur 27 Millionen beansprucht.

Zu strenge Auflagen

Dafür seien die Banken verantwortlich, die wider Erwarten nicht auf die Kreditbremse getreten seien, sagt Philippe Pasche, Direktor der Gesellschaft für Hotelkredite. Das habe das Parlament aber nicht voraussehen können. Deshalb findet Pasche: «Das war schon eine richtige Massnahme, mit der die Politik der Beherbergungsbranche ein grosses Commitment gezeigt hat.»

Längst nicht alle hätten aber Geld von Banken erhalten, sagt SP-Nationalrätin Silva Semadeni, denn ohne Bankkredit gebe es auch bei der Gesellschaft für Hotelkredite kein Geld. Die Auflagen seien einfach zu streng, stellt Semadeni fest. «Es ist wichtig, dass die Bedingungen verbessert werden und die Hotels an diese Kredite rankommen.»

Lockerungen aufgegleist

Im Frühling will der Bundesrat den Spielraum der Gesellschaft für Hotelkredite vergrössern. Aber das Zusatzdarlehen von 100 Millionen Franken läuft Ende Jahr aus. Laut Pasche wird das Geld aber dringender benötigt denn je.

«Man kann davon ausgehen, dass sich die Kreditpolitik der Banken verschärfen wird – sowohl bei den Konditionen als auch den Beträgen.» Pasche hofft daher, dass das Parlament das Darlehen des Bundes bis 2019 verlängert, wie es der Bundesrat vorschlägt.

Semadeni fordert zudem «einen Fonds, der die Bedürfnisse der Hotels in den einzelnen Regionen kennt und dann gezielt Fördergelder vergeben kann.» Dazu gehörten etwa zinslose Darlehen, allenfalls Beiträge à fonds perdu oder Beratungen. Semadeni hat über die Parteigrenzen Unterstützung und erwartet nun noch mehr Support.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Goldgräberstimmung in der Ferienindustrie

    Aus Tagesschau vom 29.1.2015

    Der starke Franken kennt nicht nur Verlierer. Ferien im Ausland sind für Schweizer zum Beispiel günstiger geworden. An der heute eröffneten Ferienmesse in Zürich hoffen die Vertretungen der Tourismus-Destinationen auf das grosse Geschäft.

  • Der Firmenchef von Fraisa SA, Josef Maushart, (rechts) steht mit einem Mitarbeiter neben einer neuen Maschine.

    Der starke Franken als Herausforderung

    Aus Echo der Zeit vom 29.1.2015

    Der hohe Frankenkurs macht vielen Industriebetrieben zu schaffen. Auch der Werkzeughersteller Fraisa SA im solothurnischen Bellach kämpft mit sinkenden Margen. Wie hat sich das Unternehmen darauf vorbereitet, dass die Nationalbank den Euro-Mindestkurs wieder einmal aufheben musste?

    Denise Schmutz