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Schweiz Der Zug rollt, die App passt auf

Zugunfälle ereignen sich oft aufgrund menschlichen Versagens. Beispielsweise, wenn ein Lokführer zu früh losfährt und die Haltesignale missachtet. Nun hat die SBB in Zofingen eine europaweit neuartige App vorgestellt, die die Lokführer unterstützen soll. Wir sind mitgefahren beim Praxistest.

Legende: Video Eine App soll Unfälle vermeiden abspielen. Laufzeit 01:40 Minuten.
Aus Tagesschau vom 14.10.2015.

Der Fall ist klar: Das Signal im Bahnhof Zofingen steht auf Rot! Abfahren verboten. Eine App soll nun dafür sorgen, dass sich die Lokführer auch daran halten. Martin Kyburz, IT-Verantwortlicher bei der SBB, steht im Lokführerstand und erklärt die Warn-App, die er für das iPad entwickelt hat:

«Wir fahren nun ab und testen die App. Das Signal steht auf Rot, und der Zug fährt trotzdem ab», demonstriert Kyburz. Eine akustische Warnung ertönt. «Die App hat die Situation erkannt. Der Lokführer muss nun sofort anhalten, weil etwas nicht stimmt.»

Tüfteln bei der SBB

Auf die Idee kam eine Gruppe Mitarbeiter in der SBB. Ihnen wurde bewusst, dass man Daten, die man sowieso schon aufgezeichnet hat, eigentlich vernetzen könnte. Jede Bewegung der zirka 5000 SBB-Züge, die auf dem Schweizer Schienennetz täglich verkehren, wird nämlich registriert. Nun habe man einfach das iPad in dieses System eingebunden, erklärt Manfred Haller, der Leiter Zugführung. «Somit weiss das Infrastruktur-System, wo sich das iPad befindet.»

Und das Gerät weiss, ob nun eine Bewegung des Zugs erlaubt ist oder nicht. Wie vorgezeigt, gibt das System eine Warnung von sich. So können Unfälle verhindert werden, beispielsweise derjenige von Rafz im vergangenen Februar. «Wir haben festgestellt, dass nach kurzer Zeit die Situation bereits registriert war. Die App war noch in der Testphase», .so Haller. Ziemlich sicher hätte der Unfall verhindert werden können, befindet er.

Nur Hilfsmittel, keine absolute Sicherheit

Denn damals fuhr ein Lokführer los, obwohl er Rot hatte. Vor allem an den Bahnhöfen, die keine eigene Abfahrverhinderung haben, ist die App für die Lokführer hilfreich. In vielen Bahnhöfen ist das Abfahren bei Rot heute schon nicht möglich. Die Warn-App ist jedoch nicht hundertprozentig sicher, die Informationen ans iPad werden über das Mobilfunknetz geliefert – das funktioniert nicht überall.

«Grundsätzlich ist es unabhängig von der Ausrüstung der Sicherungsausrüstung der Infrastruktur. Es ist ein zusätzliches Hilfsmittel, um uns noch sicherer zu machen.» Überflüssig wird dieses Hilfsmittel ungefähr bis im Jahr 2030, wenn ETCS2 auf dem gesamten Netz eingeführt ist. Dann werden die Züge standardmässig komplett digital überwacht. Abfahren bei Rot geht dann definitiv nicht mehr.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Charles Halbeisen (ch)
    App- Abkürzunng für Application, d.h Computer-Programm. "App", Programm für Smartphone, scheint ein Wunderding zu sein. Steuerungstechnik gibt es schon lange, jetzt aber wird das ganze werbetechnisch aufgepeppt und als "App" dem staunenden Publikum verkauft. Klebt doch lieber ein Bild von Steve Jobs an die Scheibe, das erfüllt die Werbewirkung auch.
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  • Kommentar von Alex Bauert (A. Bauert)
    Zum tot lachen. Eine App, die kann, was die Lok sowieso können sollte: Den Lokführer an der Durchfahrt von Rotlicht hindern. Wow .... ich bin zu tiefst beeindruckt!
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  • Kommentar von Rolf Bolliger (robo)
    Wenn diese immer "idiotensicher werdende" Absicherungs-Euphorie so weitergeht, braucht es in einigen Jahren den Lokführer NICHT MEHR! Als ehemaliger Berufskollege macht man sich bei all diesen Ueberwachungs-Entwicklungen nicht bloss erleichterte Gedanken für die aktiven Kollegen, sondern ist sehr besorgt, warum der Traumberuf dermassen "entwürdigt" werden muss! Fehlt es an der Berufsethik, an der heutigen Unkonzentriertheit oder am Anstellungsprofil der künftigen Männer an der Spitze der Züge?
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    1. Antwort von Mike Steiner (M. Steiner)
      Nichts davon. Es ist wohl eher dem dichten Fahrplan und dem daraus resultierenden Stress zuzuschreiben. Zusammen mit den heutigen Anstellungsbedingungen (mein Grossvater, der stolz noch die letzten Dampfzüge und den roten Pfeil pilorierte, würde sich im Grab umdrehen) ergibt das möglicherweise die Art von gefählicher routinierter Abgelöschtheit, wie wir sie überall in unserer prozessgesteuerten Scheuklappen-Jobwelt finden. Diese App ist darum sicher eine gute Sache, aber nur Symptombekämpfung.
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