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Tierquälerei im Thurgau Die Hefenhofener Pferde sind verkauft

Rund tausend Interessenten und Schaulustige – 80 Pferde zum Verkauf: Die Gant in Schönbühl (BE) sorgt für Aufsehen. Bis am Abend hat jedes Tier einen neuen Besitzer oder eine neue Besitzerin.

Legende: Video Die Pferde von Hefenhofen sind verkauft abspielen. Laufzeit 4:38 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 17.08.2017.
  • Der Verkauf der Pferde des mutmasslichen Tierquälers von Hefenhofen (TG) hat um neun Uhr in Schönbühl in der Nähe von Bern begonnen. Bis am Abend sind alle Tiere verkauft.
  • Organisierte Tierschützer sicherten sich mit gemeinsamen Vorgehen zahlreiche Tiere – zum Ärger privater Interessenten.
  • Insgesamt standen 80 Pferde zum Verkauf. Vier Personen hatten vor der Verkaufsaktion den Behörden nachweisen können, dass dreizehn der Pferde ihnen gehörten.
  • Wer ein Pferd erwerben wollte, musste einen Verkaufsvertrag unterschreiben, in dem unter anderem steht, dass der Käufer das Pferd gemäss der Tierschutzgesetzgebung hält. Pferdemetzger waren ausgeschlossen.

Dank an die Armee

Der Thurgauer Amtstierarzt Ulrich Weideli dankte zu Beginn der Verkaufsaktion der Armee für die hervorragende Pflege der Pferde. «Wir sind überzeugt», sagte er, «den Tieren mit dem heutigen Tag einen guten Start in ihr neues, ziviles Leben zu ermöglichen.»

Legende: Video «Zustand der Pferde ist wieder gut» abspielen. Laufzeit 1:01 Minuten.
Aus News-Clip vom 17.08.2017.

Der neutrale Pferdeexperte Henri Spychiger, der den Verkauf leitet, sagte, Ziel sei nicht, so viel Geld wie möglich hereinzuholen. Es gehe darum, bis am Abend für alle Tiere Plätze bei kompetenten Haltern zu finden. «Wir haben heute die Möglichkeit, den Tieren die Würde zurückzugeben».

Mit der Festsetzung eines Maximalzuschlags von 500 Franken zum Einstandspreis wollen die Behörden verhindern, dass spekuliert wird. Die ersten Tiere wurden für 1'300 bis 1'900 Franken verkauft.

Tierschützer bieten gemeinsam

Derweil zeigten sich einige Pferdefreunde verärgert über Tierschützer, die organisiert und gemeinsam boten. Sie hatten den Thurgauer Behörden im Vorfeld Plätze angeboten und wollten nun ihre «Pferde zurückholen».

«Als Privater hat man hier keine Chance», ärgerte sich ein Pferdehalter aus dem Emmental am Rande des Versteigerungsplatzes in Schönbühl. Auch zwei Männer aus der Ostschweiz, die gegen Mittag ohne Pferd das Gelände verliessen, waren enttäuscht: «Das ist nicht fair.»

Der Grund: Bereits beim ersten Dutzend der vorgeführten Pferde zeigte sich, dass immer wieder dieselben Gesichter beim Bieten auftauchten – und nach vorne traten, wenn es darum ging, bei mehreren Interessenten das Los entscheiden zu lassen.

Ein Vertreter der Organisation «Pferde in Not» bestätigte das Vorgehen. «Wir holen unsere Pferde zurück», sagte er. Vertreter der Organisation hätten sich – mit Unterstützung der Stiftung für Tiere in Not Animal Help – zusammengeschlossen, um gemeinsam zu bieten und damit die Kaufchancen zu erhöhen. Die Pferde sollen an einen sicheren Platz kommen und nicht über Umwege beim Metzger landen.

Halter in Gewahrsam

Der Halter der Tiere war vergangene Woche von der Thurgauer Polizei in Gewahrsam genommen worden. Dies, nachdem publik geworden war, dass auf seinem Hof in den letzten Monaten mehrere Pferde verendet waren. Weitere Tiere waren abgemagert und in schlechtem Zustand. Der Mann befindet sich nun in einer fürsorgerischen Unterbringung.

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20 Kommentare

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  • Kommentar von Denise Casagrande (begulide)
    Prioritär ist, dass die Tiere in kompetente, sanfte und verantwortungsvolle "Hände" gelangten und nun noch ein Pferde gerechtes Leben führen können!
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  • Kommentar von Willi Tschopp (Willi Tschopp)
    Ein Debakel sondergleichen, was sich im Kompetenzzentrum abgespielt hat. Amateurhafter geht's wohl kaum. Ein Schlag ins Gesicht der Schweiz. Szene für das Freiberger Pferd. Ich fordere ein Köpfe-Rollen in Regierung und Verwaltung des Kt.Thurgau sowie im VBS. Ich fordere von diesen Instanzen Kostenwahrheit schwarz auf weiss. Wo ist Hr.Kessler und wie geht es Ihm, physisch, psychisch? Ich wäre nicht überrascht, wenn das Ganze früher oder später ein trauriges Kapitel Nachgeschichte schreiben würde.
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  • Kommentar von Charles Dupond (Egalite)
    Eine marktwidrige Sauerei. Das Metzgerverbot ist noch knapp verstaendlich, wenn auch ohne allgemeines Pferdemetzgverbot sehr selektiv und heuchlerisch. Aber warum die Grenze von 500 Franken ueber dem Einstandspreis. Der Tierhandel lebt ja immer toleriert statt verfolgt davon, dass die "Ware" vom Haendler beim Ankauf weit unter den Wert schlecht und nach der Aufmotzung beim Verkauf weit ueber den Wert gut gelogen wird. Die Gewinnspanne einer unbegrenzten Auktion waeren da sehr erhellend....
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