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Strengere Massnahmen: Erste Kantone preschen vor
Aus Tagesschau vom 16.10.2020.
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Die Schweiz in der Coronakrise Ja, es ist 5 vor 12, lieber Bundesrat und liebe Kantone

Es sei 5 vor 12, hatte gestern die Bundespräsidentin gesagt, und damit gemeint: Jetzt muss sich jede und jeder Einzelne dringend an die bekannten Massnahmen der Corona-Hygiene halten, sonst eskaliert die epidemiologische Situation vollends.

Es ist sicher nicht falsch, wenn der Bundesrat an die Eigenverantwortung der Bürgerinnen und Bürger appelliert. Und Simonetta Sommaruga hat auch recht, wenn sie betont, dass wir eigentlich alle wüssten, was zu tun und was zu lassen sei.

Man weiss aber auch, dass mit den Appellen an die Eigenverantwortung immer nur ein Teil der Bevölkerung erreicht wird. Es gibt immer welche, die sich um Empfehlungen foutieren und Solidarität als etwas ansehen, das primär für die anderen gelten soll. Und es gibt Menschen, die schlicht verwirrt und verunsichert sind über all die verschiedenen Vorschriften und Empfehlungen in den Kantonen.

Die Krise ist wieder da

Deshalb braucht es im Krisenfall strikte, für alle geltende Regeln und Vorschriften, es braucht eine klare Führungsverantwortung und es braucht eine kristallklare Kommunikation. Das alles muss schnell geschehen, denn wir befinden uns nach ein paar Monaten entspannterer Lage wieder in einer Krise.

Die Schweiz hat in Sachen Neuinfektionen pro Bevölkerung die USA überholt und verzeichnet deutlich höhere Zahlen als die meisten europäischen Länder. Und die Pandemie hat gerade im März gezeigt, dass schnelles Handeln in einer sich exponentiell verschärfenden Krise entscheidend ist und Menschenleben retten kann.

Einige Kantone pochen immer noch auf die unterschiedlichen epidemiologischen Ausprägungen der Krise in den Kantonen. Diese Argumentation greift nicht mehr. Das hat man gerade in den letzten Tagen gesehen. Die Kantone, die noch vor kurzer Zeit mit den tiefsten Zahlen glänzen konnten, sind heute diejenigen mit den höchsten Ansteckungszahlen, zum Beispiel der Kanton Schwyz. Zudem haben mittlerweile alle Kantone den schweizerischen Grenzwert für ein Risikogebiet überschritten.

Die Landesregierung ist am Zug

Auch der Bundesrat zögert noch, die Verantwortung zu übernehmen und verweist auf die «besondere Lage», bei der die Kantone im Lead seien. Dabei weiss der Bundesrat genau, dass er auch in der besonderen Lage jederzeit Massnahmen ergreifen kann; lediglich eine «Konsultation» der Kantone ist vorgeschrieben.

Die Konferenz der Gesundheitsdirektoren hat ihm heute den roten Teppich ausgelegt mit der Forderung nach einheitlichen Vorschriften beim Maskentragen, Homeoffice und bei privaten Veranstaltungen. Für die notwendige Konsultation müsste im Notfall ein Wochenende reichen.

Bundespräsidentin Sommaruga hat recht, wenn sie sagt, es sei 5 vor 12. Das sollte aber nicht nur für die Bevölkerung, sondern jetzt vor allem auch für den Bundesrat und die Kantone gelten.

Urs Leuthard

Urs Leuthard

Leiter TV-Bundeshausredaktion SRF

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Seit Sommer 2020 ist Urs Leuthard Leiter der Bundeshausredaktion von Fernsehen SRF. Bereits seit 2002 moderiert er das «Abstimmungsstudio» und analysiert Wahlen und Abstimmungen. Bis 2008 war er Moderator und Redaktionsleiter der «Arena», danach wechselte er zur «Rundschau», bevor er 2012 die Redaktionsleitung der «Tagesschau» übernahm. Ab 2016 leitete Urs Leuthard die Newsroom-Entwicklung beim Fernsehen SRF.

Tagesschau, 16.10.2020, 12.45 Uhr

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262 Kommentare

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  • Kommentar von Beat Hiltbrunner  (Nichtüberrascht)
    Die Massnahmen der Behörde - ob kantonal oder bundesamtlich - beruhen auf Entscheidungen, wie abzuwarten, was passiert. Es reicht den Trend der Fallentwicklungen in der Schweiz oder anderer Länder, beispielsweise der USA zu studieren, um zu wissen, dass wir in allen drei Bereichen, neue Infektionen, Zahl der Hospitalisationen und der Todesfälle eine erhebliche Zunahme erleben werden, denn es gibt kein Impfstoff auf absehbare Zeit. Landesweite einheitliche Handlungsvorgaben sind notwendig.
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  • Kommentar von Matthias Emmenegger  (marosko)
    Weshalb soll nun 5 vor 12 sein? Ich dachte immer, es sei das Ziel die Spitäler nicht zu überfordern. Gestern waren 515 Leute hospitalisiert und 63 auf der Intensivstation. Im Frühling waren es 2360 hospitalisierte und 475 auf der Intensivstation. Im Frühjahr gab es nie den Zustand von keinem Platz auf den Intensivstationen. Was soll da jetzt 5 vor 12 sein?
    BR Maurer sagte es heute gut: Ruhe bewahren und nach Fakten entscheiden!
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    1. Antwort von Brigitte Steiner  (Bsteiner)
      Haben Sie Großeltern oder Personen aus den Risikogruppen die zu Ihrem liebsten Kreis gehören? Wir haben, und machen uns Sorgen um solche Personen. Wir wollen dass sie noch möglichst lange bei uns sind. Dies nennt man auch Solidarität, auch gegenüber dem Pflegepersonal
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    2. Antwort von Rahel Uster  (Rahel Uster)
      5 vor 12 weil im Moment das abgebildet wird in den Statistiken, was sich vor 7-14 Tagen ereignet hat. Die Ansteckungen, die vor 1-2 Wochen stattgefunden haben, das sind die Menschen, die jetzt bei den Testcentern anstehen oder auf der Intensivstation sind. Die Kurve in der Statistik hat aber einen exponentiellen Verlauf, steigt also extrem stark an und eigentlich laufen schon viel mehr Angesteckte auf der Strasse rum als dass wir von Ihrem Angesteckt-Sein wissen! Die Zahlen treffen Ende Okt ein
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    3. Antwort von Rahel Uster  (Rahel Uster)
      Oder sind Sie ein junger Mann im Alter von 30 bis 45? Dann wiegen Sie sich nicht in falscher Sicherheit. Es kann auch Junge treffen. Es ist sehr unschön, um seinen besten Freund bangen zu müssen, der plötzlich auf der COVID-19-Station hospitalisiert werden muss.
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  • Kommentar von Ramani Plüss  (Die drei ???)
    Werbung für eine App, welche immer und immer wieder an seine Grenzen stösst und das aktuelle Kontingent nicht bewältigen kann?
    "Sämtliche Altersgruppen" sind betroffen. Amboss (Wissensplattform für Mediziner) beschreibt ganz klar, dass Kinder bei der Verbreitung des COVID19 NICHT ausgeschlossen sind! Maskenpflicht???
    Ich bin weder Medizinerin, noch Politikerin. Jedoch schaue ich (so hoffe ich) mit einem gesunden Menschenverstand auf Handhabung u Kommunikation der Regierung.
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