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Schweiz Diskriminierende Preise: Mann schaut lieber weg, Regierung auch

Die Schweiz hat sich zwar die Gleichstellung von Mann und Frau auf die Fahnen geschrieben, doch bis dahin scheint es noch ein weiter Weg zu sein. Denn zwar hinken Frauen beim Lohn hinterher, bezahlen bei Kleidung und Kosmetika aber deutlich mehr. Kein Grund für den Bundesrat aktiv zu werden.

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Legende: Man mag gar nicht hinschauen, aber bei den Preisen für Frauen-Haarschnitte kommen einem unweigerlich die Tränen. Keystone

Frauen müssen für einen einfachen Kurzhaarschnitt oft mehr zahlen als Männer. Der Bundesrat schliesst nicht aus, dass es in der Schweiz noch mehr solche Preisunterschiede bei Dienstleistungen und Produkten gibt. Er will das Ausmass aber nicht abklären lassen.

Die Untersuchungen wären aufwändig und würden unverhältnismässig hohe Kosten verursachen, schreibt der Bundesrat in seiner veröffentlichten Antwort auf ein Postulat von Jean Christophe Schwaab (SP). Die Regierung beantragt deshalb beim Parlament, den Vorstoss abzulehnen.

Schwaab fordert eine Untersuchung zu den Preisunterschieden von Konsumgütern und Dienstleistungen, die identisch sind, sich aber speziell an Frauen beziehungsweise an Männer richten. Gibt es erhebliche Unterschiede, soll der Bundesrat Massnahmen dagegen vorschlagen.

Preise trennen schon Buben und Mädchen

In den USA habe eine Studie gezeigt, dass Alltagsprodukte für Frauen durchschnittlich 7 Prozent teurer seien, hält Schwaab fest. Bei den Körperpflegeprodukten betrage die Preisdifferenz sogar 13 Prozent, bei gleicher Qualität.

Das Ausmass müsse auch in der Schweiz untersucht werden, fordert Schwaab mit Verweis auf den Gleichstellungsartikel in der Bundesverfassung. Preisunterschiede gebe es nämlich zahlreiche. Als Beispiele nennt er Haarschnitte sowie Kleider für Mädchen und Buben, die sich nur in der Farbe unterscheiden.

Qualität für Bundesrat preisentscheidend

Der Bundesrat hält es für möglich, dass auch in der Schweiz geschlechterspezifische Preisunterschiede bestehen. Allerdings stehe nicht fest, dass Frauen dadurch benachteiligt würden. Eine Studie in Frankreich sei zum Schluss gekommen, dass die Preisdifferenzen je nach Produkt zum Nachteil der Frauen oder zum Nachteil der Männer ausfielen.

Auch hält es der Bundesrat nicht für erwiesen, dass Preisunterschiede stets eine Diskriminierung darstellen. Beim Coiffeur-Beispiel sei die Differenz unter Umständen darauf zurückzuführen, dass sich die Qualität der Dienstleistung unterscheide oder der Stil ein anderer sei.

Wichtig sei, dass die Preise klar ausgewiesen und angeschrieben seien, findet der Bundesrat.

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8 Kommentare

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  • Kommentar von paul waber (sandokan)
    Solange Männer keine BHs tragen, ist die Gleichstellung nicht erreicht...
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  • Kommentar von Benedikt Rosenberg (Amadeus)
    Was ist das nun wieder für ein Wahnsinn! Der Frisör soll schlicht und einfach nach Zeit und Materialaufwand verrechnen, egal ob Mann oder Frau! Braucht es dazu wieder eine zusätzliche staatliche Regulierung!? Die Politiker sollten sich lieber um die eklatante Ungleichheit, zum Nachteil von Männern und Väter, bei Scheidungen kümmern als um einen solchen Mist! Aber diese sind nicht über das Sandkasten spielen hinausgekommen: Ich gebe Dir erst was Du willst, wenn Du mir das gibst, was ich will.
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  • Kommentar von Gabriel Roth (g-roth)
    Gleichstellung will man. Gender-Marketing betreibt man im grossen Stil. Frauen bezahlen mehr für Produkte. Die Lohnungleichheiten bleiben bestehen und wenig beachtet. Sexistische Werbung ist ein Dauerbrenner. Gleichzeitig wird in Bern entschieden, dass «in den Bereichen Unterricht, Schulentwicklung sowie bei Aus- und Weiterbildung von Lehrpersonen» Genderthemen keinen Platz haben müssen. Aber will man den Flüchtlingen einen Kurs zum Umgang mit Frauen verpassen. Wieso nicht mehr Leute einladen?
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