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Schweiz Drei Jahre Gefängnis für Bankdaten-Dieb

Im Fall des Datendiebstahls bei der Bank Julius Bär haben sich der geständige IT-Spezialist und die Bundesanwaltschaft auf eine teilbedingte Strafe geeinigt: Der Beschuldigte soll drei Jahre ins Gefängnis.

Sitz der Bank Julius Bär in Zürich.
Legende: Der ehemalige Angestellte der Bank Julius Bär ist geständig. Er hat Daten von Bankkunden weitergegeben. Keystone

Ein Computer-Spezialist, der bei der Vermögensverwaltungsbank Julius Bär Kundendaten gestohlen und an deutsche Steuerbehörden verkauft haben soll, muss sich auf eine längere Haftstrafe gefasst machen. Die Bundesanwaltschaft fordert eine Gefängnisstrafe von drei Jahren. Diese soll zur Hälfte zur Bewährung ausgesetzt werden.

Der deutsche Informatiker ist geständig und mit dem Strafmass einverstanden. Sein Fall wird deshalb in einem abgekürzten Verfahren behandelt. Bei diesem geht es im Wesentlichen darum, dass das Bundesstrafgericht das zwischen dem Angeklagten und der Bundesanwaltschaft ausgehandelte Strafmass genehmigt. Der Prozess soll am 22. August an einem einzigen Tag über die Bühne gehen.

2700 Datensätze

Der Beschuldigte hatte in der Zeit von Oktober bis Dezember 2011 als damaliger Angestellter der Bank Julius Bär Daten von vermögenden deutschen und holländischen Bankkunden auf ein privates E-Mail-Konto verschickt.

Bei einem Treffen im Februar 2012 in Berlin übergab der Datendieb einem Mittelsmann einen Datenträger mit rund 2700 Datensätzen zu deutschen Bankkunden. Als Entgelt für die Lieferung der für die Steuerbehörden bestimmten Daten waren 1,1 Millionen Euro vereinbart, wovon der Betroffene einen Teil auch erhielt.

Guthaben werden beschlagnahmt

Die Sache flog im Sommer 2012 auf und der Informatiker wurde verhaftet. Der Betroffene gestand die von der Bundesanwaltschaft (BA) erhobenen Vorwürfe des wirtschaftlichen Nachrichtendienstes, der Verletzung des Bank- und Geschäftsgeheimnisses sowie der Geldwäscherei ein.

Neben der teilbedingten Strafe sollen Bankguthaben des Mannes in der Höhe von rund 60'000 Franken, 140'000 Euro in bar sowie Fahrzeuge, Münzen- und Uhrensammlungen eingezogen werden. Die Ersatzforderung der Eidgenossenschaft soll auf 740'000 Euro festgelegt werden.

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Barbara Kaiser, Thorhild
    Ich hoffe, dass dieses Urteil "wegweisend" fuer moegliche zukuenftige Datendiebe ist. Allerdings kann das Urteil nicht den enormen finanziellen Schaden wieder gutmachen, den die Schweiz erlitten hat. Die Welt traut dem schweizer Bankenplatz nicht mehr.
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    1. Antwort von M. Sägesser, Münchenstein
      Trauern Sie denn eigentlich noch immer der Schwarzgeldstrategie nach?
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  • Kommentar von Hansi Dragoner, Drachenstein
    Dieser IT-Mann muss wohl mit dem Klammerbeutel gepudert worden sein. Wie kann man nach so einem Deal noch in der Schweiz bleiben und ein hohes Barvermögen auch noch dort belassen ?
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  • Kommentar von Heinrich von Braun, Stuttgart - Großer Kanton
    Nun, liebe Leser, selbstverständlich ist, dass dieser Mensch bestraft gehört. Aber ! Aber nicht nur der, sondern auch der Deutsche Staat! Ja, Sie haben richtig gelesen. Ich H.v.B. halte es nach Deutschem ( und auch Schweizer ) Recht und Gesetz für unverantwortlich, dass Dritte gewissermaßen zu einer Strafttat animiert werden um dann das unrechtmäßig erworbene Diebesgut für eigene Zwecke zu erwerben. Das ist ganz einfach strafbar, nach dem alten Spruch: Der Hehler ist wie der Stehler. Euer H.v.B.
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    1. Antwort von Marlies Artho, Schmerikon
      H. von Braun Da muss ich Ihnen recht geben. Nur frage ich mich: hat dies unsere Bundesrätin E. W. je Verstanden.
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    2. Antwort von Hansi Dragoner, Drachenstein
      Verehrtester H.v.B., sowohl nach D wie auch CH höchstgerichtlich abgesicherten Recht sind Daten-Steuer-CD's als Beweismittel legal zulässig. In der CH handelte es sich um Daten-CD aus FL. Im übrigen ist diese Vorgehensweise absolut im Interesse des deutschen Gemeinwesens und der ehrlichen Steuerzahler, die Steuerausfälle ansonsten auf ihren Buckel nehmen müssen. Effektiv auch deswegen, weil Steuerbetrügern, die jetzt mit Selbstanzeigen die Finanzämter überhäufen, das Handwerk gelegt wird.
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    3. Antwort von Hans Haller, Kölliken
      Heinrich von Braun, Stuttgart - Großer Kanton : Völlig gleicher Meinung. Allerdings, eine Verständigung auf bilateralem Weg sollte irgend wann mal erreicht werden können. - Vielleicht geht das erst wieder nach den Wahlen in Deutschland, wenn überhaupt....!
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