Ebola wird es kaum in die Schweiz schaffen

Könnte das gefährliche Ebola-Virus, das derzeit in Westafrika grassiert, auch in die Schweiz gelangen? Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) beruhigt: Das Risiko sei verschwindend klein. Deshalb greift auch kein Massnahmenplan. Dennoch ist ein Einschleppen der Krankheit nicht ganz ausgeschlossen.

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Ebola weiter auf dem Vormarsch

1:33 min, aus Tagesschau vom 31.7.2014

«Im Moment ist das Risiko, dass das Ebola-Virus in die Schweiz gelangt, sehr klein», sagt Daniel Koch, Leiter der Abteilung übertragbare Krankheiten beim BAG. Die Gegend, in der das Virus grassiere, sei keine, in die Touristen gingen. Auch dass Leute aus den betroffenen Ländern in die Schweiz reisen, sei unwahrscheinlich. Zudem sei ein an Ebola Erkrankten nicht in der Lage, überhaupt noch zu reisen.

Möglich wäre lediglich, dass ein Mitarbeiter einer Hilfsorganisation, der sich angesteckt hat, zur Behandlung nach Europa oder in die Schweiz gebracht würde. «Doch auf solche Fälle sind wir vorbereitet», betont Koch. Es sei gar sinnvoll, solche Personen hierher zu holen – weil hier die Behandlungsmöglichkeiten besser seien und dies die Chancen auf das Überleben des Betroffenen erhöhten.

Ärzte an einem Tisch mit Medikamenten in einem Zelt.

Bildlegende: Gefährdet sind vor allem auch Helfer, Ärzte und Pflegepersonal. Keystone

Letzter Fall in der Schweiz vor knapp 20 Jahren

Man könne sich mit Ebola nicht anstecken wie mit einer Grippe. «Es braucht nahen Kontakt mit Körperflüssigkeiten.» Der Erkrankte würde in einem Spital isoliert. Eine Ansteckungsgefahr für die Bevölkerung ginge von ihm nicht aus, meint Daniel Koch. In Westafrika sei die Ansteckungswelle besonders gross, weil die Menschen dort sich nicht an die Hygiene- und Behandlungsempfehlungen hielten. Die Erkrankten würden sich verstecken, zudem gebe es Rituale und Waschungen bei den Toten. Das würde das Ansteckungsrisiko massiv erhöhen.

Wenn einzelne Personen, die sich angesteckt haben könnten, dennoch nach Europa gelangten, würde man diese sofort isolieren, so Koch. Es käme dann nicht zu weiteren Ansteckungen. «Es hat schon einen Ebolafall in der Schweiz gegeben», sagt Daniel Koch, «1995. Hier kam es zu keinen weiteren Ansteckungen.»

Ein kleines Risiko besteht

Entsprechend normal läuft daher auch das Programm am Flughafen Zürich. Direkte Flüge in die betroffenen Länder Liberia, Sierra Leone, Nigeria und Guinea gibt es ohnehin nicht. Die Flüge von und nach Afrika werden ganz normal behandelt, sagt Flughafensprecherin Sonja Zöchling. Es gebe aber Notfallpläne, die es dem Flughafen erlaubten, medizinische Kurzuntersuchungen bei Einreisenden durchzuführen. Hier müsste das BAG jedoch den Auftrag erteilen.


Kommt Ebola in die Schweiz?

3:20 min, aus SRF 4 News aktuell vom 31.07.2014

Ein bisschen höher stuft das Risiko Marc Strasser, Virologe im Labor Spiez, ein. «Vor drei Wochen hätte ich gesagt, es besteht keine Risiko, dass Ebola in die Schweiz kommt», sagt Strasser im Interview mit Radio SRF. «Jetzt ist die Wahrscheinlichkeit etwas gestiegen.» Man habe die Situation in Westafrika nicht mehr vollständig im Griff. Es könne also jemand unbeobachtet in die Schweiz zurückreisen, der noch keine Symptome zeige, und so das Virus herbringen.

Die Folgen seien dann abhängig vom Zustand des Erkrankten. Mit Symptomen würde er sofort ins Spital gebracht und isoliert. Wenn er noch keine Symptome zeige – sich also in der Inkubationszeit befinde – könne er sein Umfeld direkt anstecken. Eine Ausbreitung wie in Westafrika sei jedoch trotzdem ausgeschlossen. «Wir sind hier viel besser ausgerüstet.»

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Quarantäne in Sierra Leone

    Aus Tagesschau vom 31.7.2014

    In Sierra Leone sollen – wie zuvor in Liberia – ganze Gebiete im Osten des Landes aufgrund der Ebola-Epidemie unter Quarantäne gestellt werden. In Westafrika hat das Virus schon fast 700 Menschenleben gefordert. Betroffen sind insgesamt drei Länder: Guinea, Sierra Leone und Liberia.

  • Westafrika zittert vor dem Ebola-Virus

    Aus Tagesschau vom 28.7.2014

    Die schwere Ebola-Epidemie im Westen Afrikas hat schon hunderte Todesopfer gefordert. Liberia hat zum Schutz sogar seine Grenzen geschlossen. Medikamente oder Impfstoffe gibt es nicht, weil sich bisher damit kein Geld verdienen lässt.

  • Ebola – Todesvirus ausser Kontrolle

    Aus 10vor10 vom 4.7.2014

    In den drei Westafrikanischen Ländern Guinea, Sierra Leone und Liberia geht seit Monaten das Ebola-Virus um. Die Epidemie hat Ausmasse erreicht wie kein anderer Ebola-Ausbruch in Afrika zuvor. Experten und Politiker suchten bei einer Krisensitzung in Ghana nach Lösungen. Die extrem ansteckende Krankheit verläuft in bis zu 90 Prozent der Fälle tödlich.