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Schweiz Ein Händedruck wird zum Politikum

Der Fall an der Sekundarschule in Therwil sorgt für Schlagzeilen. Sogar Bundesrätin Sommaruga hat sich zu diesem Fall geäussert. Für Islamkenner Reinhard Schulze kommt diese Debatte etwas überraschend. Er würde sich etwas mehr Gelassenheit wünschen.

Legende: Video Das Religionsbild derer, die keiner Frau die Hand geben wollen abspielen. Laufzeit 3:46 Minuten.
Aus 10vor10 vom 05.04.2016.

Der Fall ereignete sich im vergangenen November: Ein muslimisches Brüderpaar im Alter von 14 und 15 Jahren verweigerte ihrer Lehrerin aus religiösen Gründen den Handschlag. Darauf wurde an der Sekundarschule Känelmatt in Therwil (BL) eine Vereinbarung getroffen: Freundliche mündliche Begrüssung, aber auf den Händedruck bei Lehrerinnen und Lehrer wird verzichtet.

Seit vergangenem Freitag wird nun diese Vereinbarung Land auf Land ab heftig diskutiert. Islamwissenschaftler Reinhard Schulze überrascht das Ausmass der losgebrochenen Debatte. Der Islamexperte würde etwas mehr Souveränität wünschen. «Ich würde erwarten, dass man nicht in diese Art der Rhetorik eines Kulturkampfes eintritt und daraus eine grosse Sache macht.»

Die Ereignisse in Therwil beschreibt er so: «Wir haben es hier mit einer lebensweltlichen Islaminterpretation zu tun, wo in einer puritanischer Art und Weise der Islam als eine Ordnung gesehen wird, wie sich Menschen ganz allgemein verhalten. Das hat nichts mit Politik oder Durchsetzung von Geltungsansprüchen zu tun. Das ist eine sehr konservative Vorstellungswelt nach der Muslime so zu leben haben, wie der Prophet Mohammed gelebt hat.»

Sind das künftige Gotteskrieger?

Beim Vater soll es sich um einen Syrer handeln, der in der 1980er-Jahren in die Vereinigten Arabischen Emirate geflohen war, und sich zum Imam ausbilden liess. Reinhard Schulze kennt solche Biografien. In den 80er Jahren schlug das Regime in Syrien einen Aufstand der Muslimbrüder brutal nieder. Viele Muslime, die den Muslimbrüdern nahestanden, flohen nach Saudi-Arabien oder eben in die Vereinigten Arabischen Emirate.

Dass nun in der Baselbieter Gemeinde zwei künftige Dschihadisten heranwachsen kann Schulze zwar nicht vollständig ausschliessen, gibt aber vorerst Entwarnung.

«So lange diese Art von Fundamentalismus auf die Lebenswelten begrenzt ist, handelt es sich um eine Art puritanische Kultur des Alltages aber nicht um eine Art pro-terroristische Kultur.»

Ungeachtet dessen pocht Schulze auf die Einhaltung geltender Regeln der Zivilgesellschaft, da sollte auch bei einem Händedruck in der Schule keine Ausnahme gemacht werden.

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45 Kommentare

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  • Kommentar von Margot Helmers (Margot Helmers)
    Wie der «Blick» nun berichtet, hat einer der beiden Schüler auf seiner Facebookseite Propaganda der Terror Miliz Islamischer Staat gepostet. Dies bestätigt Saïda Keller-Messahli, Gründerin des Forums für einen fortschrittlichen Islam. «Das ist ganz klar eine IS-Flagge», sagt sie zum «Blick». Im publizierten Video soll auch eine vermummte Person mit einer Kalaschnikow zu sehen sein, wie es im Bericht weiter heisst. Die Aufforderung des Schülers im Kommentar: «Jeder Muslim soll liken.»
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    1. Antwort von Niklaus Bächler (parteilos!!)
      Ohhh, sie lesen den Blick... jetzt beginne ich erst zu verstehen!
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    2. Antwort von Erwin Jenni (ej)
      @NB: @NB: Die BAZ berichtet: Therwil-Schüler postet IS-Propaganda. Einer der beiden muslimischen Therwil-Schüler hat sich auf Facebook als IS-Fan geoutet. Zuvor hatten er und sein Bruder den Handgruss mit ihrer Lehrerin verweigert. Bitte sehr Hr. Bächler, bei ihnen scheint mir, sie leben nach der Devise "was nicht sein darf, kann nicht sein". Die Augen vor der Realität zu verschliessen kann nicht die Lösung sein. Ebenso wenig, immer nur die "Rechten" für alles verantwortlich zu machen.
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    3. Antwort von Oliver Schaub (Oliver Schaub)
      @Jenni: Bringt alles nichts. NB wird jetzt die BAZ als "Blocherzeitung" bezeichnen die eh nur rechte Propaganda macht.
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  • Kommentar von Werner Christmann (chrischi1)
    Offensichtlich ist jetzt Feuer im Dach und dies mit recht, denn es geht hier nicht mehr nur um einen Händedruck. Es geht um den Islam, der unter dem Deckmäntelchen der Religionsfreiheit scheibchenweise seine reaktionären Regeln durchsetzen will, so unter dem Motto: Gib mir den kleinen Finger und ich nehm die ganze Hand. Unsere lieben Anpasser, Verharmloser, Relativierer und Schönredner sehen die Gefahr natürlich nicht, noch nicht.
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  • Kommentar von Beatrice Mayer (signorinetta)
    Den kritischen Teil der Öffentlichkeit beschäftigt die Frage, wie in der Demokratie eine solche Entrechtung und Enteignung vertretbar ist, wobei die „Verantwortlichen“ die Forderung nach Mitsprache bei den Wahlprogrammen als „Volksverhetzung“ ausweisen. Diese Radikalisierung erzwingt ihrerseits die plakative Kennzeichnung der Gefühlsklischees und Denkverbote, die im Spiegelreflex der Volksvertreter und institutionellen Führungsebenen freilich als „demokratische“ Politik erscheinen. H.P.Raddatz,
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