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Einfache Geschlechtsänderung Warum keine Regelung des dritten Geschlechts, Frau Sommaruga?

Legende: Video Simonetta Sommaruga zur neuen Regelung im Zivilrecht abspielen. Laufzeit 2:04 Minuten.
Aus News-Clip vom 24.05.2018.

Der Bundesrat will die rechtliche Situation von Transmenschen und Menschen mit einer Geschlechtsvariante verbessern. Die Änderung des Geschlechts und des Vornamens im Personenstandsregister sollen mit einer einfachen Erklärung möglich werden.

SRF hat mit Justizministerin Simonetta Sommaruga über die Beweggründe des Bundesrats für diese Anpassung des Zivilrechts gesprochen.

SRF News: Jetzt kommen die Kritiker und sagen, Sie nehmen viel zu viel Rücksicht auf eine kleine Minderheit. Was antworten Sie ihnen?

Simonetta Sommaruga: Zahlenmässig geht es tatsächlich um wenige Menschen. Aber für die Betroffenen, die sich nicht identifizieren können mit dem Geschlecht, das man ihnen als Kind zugeteilt hat, ist der Leidensdruck sehr gross. Ich glaube, für diese Menschen ist dieser Schritt ganz wichtig, denn wir können ihnen wirklich eine grosse Erleichterung verschaffen.

Sie schlagen den Bogen von der Patchwork-Familie bis zu den Transmenschen. Kann die Politik und die Gesetzgebung all diesen Phänomenen und Identitäten gerecht werden?

Das Zivilrecht ist vor über 100 Jahren entstanden. Es bildet heute in verschiedener Hinsicht die Realität der Menschen nicht mehr ab. Darum haben wir auch in den letzten Jahren Revisionen gemacht. Wir schauen, dass sich die traditionelle Familie im Gesetz wiederfindet, aber auch Patchwork-Familien, Regenbogen-Familien, Homosexuelle, Heterosexuelle und jetzt eben auch Transmenschen. Es ist ganz wichtig, dass wir Schritt für Schritt schauen, dass das Zivilrecht für alle da ist. Und heute hat der Bundesrat einen weiteren Schritt in diese Richtung gemacht.

Diese Fragen, gerade von Transmenschen mit Geschlechtsvarianten, das ist neu auf dem politischen Parkett.

Wäre es denn nicht einfacher und vor allem ehrlicher, wenn direkt das dritte Geschlecht eingeführt würde wie in Deutschland?

Der Bundesrat hat gesagt: wir machen diesen Schritt (mit der einfachen Änderung im Personenstandsregister, Anm. d. Red.). Das dritte Geschlecht möchte der Bundesrat nicht einfach einführen. Er ist bereit, dazu einen Bericht zu erstellen.

Man muss sich bewusst sein: Diese Fragen, gerade von den Transmenschen mit Geschlechtsvarianten, das ist neu auf dem politischen Parkett. Und ich glaube, wir tun gut daran, wenn wir das jetzt Schritt für Schritt anschauen und nicht gleich alles miteinander abhandeln.

Das Gespräch führte Georg Häsler.

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14 Kommentare

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  • Kommentar von Markus Holti (M.A.Holti)
    Bei Sexualdifferenzierungsstörungen (vgl. Wikipedia) kann das Geschlecht fast immer eindeutig dem männlichen oder weiblichen zugeordnet werden. Die Diskussion wird fälschlicherweise mit der Transgender-Diskussion vermischt (Menschen die sich nicht einem Geschlecht zuordnen wollen). Das eine ist eine biologische Störung, das andere eine Psychische. Das Geschlecht ist ein zentrales Wesensmerkmal unsere Identität und muss gestärkt werden. Wo führt dies hin, wenn wir alles dem Zeitgeist apassen?
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  • Kommentar von Katharina Jäger (jak)
    Die Wirklichkeit sieht anders aus. Die Natur kennt 3 Geschlechter und alle Nuancen dazwischen. Warum nicht die Wirklichkeit auch im Recht abbilden? Wo ist das Problem? Lassen wir doch einfach ein drittes Geschlecht zu. jak
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    1. Antwort von Marco Jans (Jansi)
      Es mag zwar vorkommen, dass einzelne ein Genosom zu viel oder zu wenig haben und dadurch teils Geschlechtsmerkmale beider Geschlechter aufweisen oder andere Abweichungen auftreten mögen, aber tatsächlich funktionale Zwitter (Spermien- und Eierproduktion) gibt es bei Säugetieren, und damit beim Menschen, nicht. Zumindest ist mir kein Fall bekannt. Angehörige einer Säugetierspezies produzieren also entweder Spermien (Männlein) oder Eier (Weiblein). Es sei denn es liegt ein Defekt vor.
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  • Kommentar von Marco Jans (Jansi)
    Behörden sollten sich nach dem biologischen Geschlecht richten, also dem was wirklich objektiv da ist, nicht nach dem "Gefühl". Eine subjektive Geschlechterbestimmung lässt einfach zu viel Spielraum für Missbrauch. Wie will man kontrollieren, ob sich jemand wirklich als Mann/Frau fühlt und es nicht nur vorgibt um den Wehrdienst zu vermeiden oder ähnliches? Ob dann jemand mit Frau oder Herr angesprochen wird mögen die involvierten meinetwegen unter sich ausmachen. Das ist Privatsache.
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    1. Antwort von Megan Mueller (Megan N.)
      Biologie bestimmt nicht wirklich das Geschlecht. Es gibt Frauen die mit einem Penis geboren werden und es gibt Männer die mit einer Vagina geboren wurden. Das ist die vielfältigkeit der Natur. Und für uns Betroffene ist das Schlimm. Niemand kann dies wirklich kontrollieren, es ist rein eine Selbstdiagnose.
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