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Einschreiben in Kyrillisch Mysteriöser Brief aus Russland

Legende: Audio Mysteriöser Brief aus Russland abspielen. Laufzeit 05:41 Minuten.
05:41 min, aus Espresso vom 18.10.2017.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Gleich mehrere Personen aus dem Kanton St. Gallen haben kürzlich ein Einschreiben in kyrillischer Schrift erhalten. Der Briefkopf mutet offiziell an, der Brief ist eigenhändig unterschrieben.
  • Die Empfänger können den Brief nicht lesen und befürchten, es handle sich um einen Betrugsversuch.
  • Doch Abklärungen von SRF zeigen: Der Brief ist tatsächlich echt und kommt von der russischen Generalstaatsanwaltschaft. Diese informiert die Empfänger über die Menschenrechtlerin Valentina Cherevatenko.

Gleich mehrere Hörerinnen und Hörer des SRF-Konsumentenmagazins «Espresso» haben einen rätselhaften Brief aus Russland erhalten. Direkt an sie adressiert und per Einschreiben verschickt. Mit offiziell anmutendem Briefkopf und eigenhändiger Unterschrift wirkt das Schreiben ziemlich echt.

Empfänger verstehen «Bahnhof»

Brief in kyrillischer Schrift.
Legende: Das kann nervös machen: Ein Einschreiben und dann versteht man kein Wort. SRF

Betroffene befürchten, es könnte sich um einen Betrugsversuch handeln. Da der Brief komplett in kyrillischer Schrift verfasst ist, verstehen sie kein Wort. Auch der Gang zur Polizei bringt relativ wenig Licht ins Dunkel.

Russland-Korrespondent gibt Entwarnung

David Nauer, SRF-Russland-Korrespondent, entwarnt: Es handle sich um ein Schreiben der russischen Generalstaatsanwaltschaft aus dem Nordkaukasus. Die Empfänger würden über die Freilassung einer Menschenrechtsaktivistin informiert, für die sie sich offensichtlich eingesetzt hätten.

Und tatsächlich: Auf Nachfrage von «Espresso» fällt es den Briefempfängern wie Schuppen von den Augen. Sie sind Mitglied bei der Menschenrechtsorganisation Amnesty International Schweiz und schicken regelmässig Beschwerdebriefe im Namen von Menschen, die aus ihrer Sicht zu Unrecht vor Gericht stehen. Dass sich die russischen Behörden tatsächlich die Mühe nehmen, jeden einzelnen Brief mit einem Einschreiben zu beantworten, damit hätten sie allerdings nie gerechnet, schmunzeln die Betroffenen.

Amnesty International bestätigt Echtheit

Gegenüber Radio SRF bestätigt Amnesty International die Echtheit des Schreibens. Obwohl es mit dem Rechtsstaat Russland nicht zum Besten stehe, nehme es die russische Justiz manchmal auch sehr genau – wie in diesem Fall.

Dass die bekannte russische Menschenrechtsaktivistin Valentina Cherevatenko vielleicht auch dank der Unterstützung aus der Schweiz freigekommen ist, ist für Amnesty International eine gute Nachricht. Und es zeige, dass solche Briefe durchaus Wirkung zeigten, sagt Mediensprecher Beat Gerber: «Wenn plötzlich hunderte oder tausende von Briefen eintreffen, dann erhöht das den Druck auf die Behörden massiv.»

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Beat Gerber (bgerber)
    Amnesty hat seit Beginn der Ermittlungen geg. Valentina Cherevatenko im Frühjahr 2016 drei Mal zu Appellbriefen aufgerufen. Seither wurden Briefe aus der ganzen Welt nach Russland geschickt, die offensichtlich Wirkung zeigten. Kurz nachdem im Juni 2017 Anklage erhoben wurde, liessen die Behörden sie wieder fallen. Der Anwalt erfuhr erst Ende Juli davon, wir informierten am 08.08. Es kann sein, dass sich Briefe des dritten Aufrufs mit dem Entscheid kreuzten. Beat Gerber, Amnesty International
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  • Kommentar von Jacqueline Zwahlen (Jacqueline Zwahlen)
    Die Generalstaatsanwaltschaft der RF im Nordkaukasus scheint aber auf Zack zu sein,wenn die den "Appell über unvernünftige Strafverfolgung" am 14. September erhalten hat und die Protestler in der CH binnen 30 Tagen Antwort bekommen.In der Mitteilung steht u.a., dass das Strafverfahren gegen Frau Cherevatenko am 19. Juni wegen fehlendem Straftatbestand eingestellt wurde. Also bereits gut 3 Monate,bevor die Schweizer Protestbriefe ihr Ziel erreichten. Hat Amnesty International das nicht gewusst?
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  • Kommentar von Harald Buchmann (Harald_Buchmann)
    Ich frage mich, ob diese Leute sich wirklich in russische Politik einmischen sollten. Es ist blindes Vertrauen in Amnesty International, welche wiederum ihren Kontaktpersonen in Russland blind vertrauen. Was diese Aktivistin wirklich tat und tut, oder warum wer wo verhaftet wurde, wissen diese Leute im Kanton St. Gallen doch wohl nicht so genau.
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    1. Antwort von Beni Berner (Beni)
      ich finde ihren kommentar etwas respektlos und abschätzig. AI arbeitet nicht auf der basis blinden vertrauens. die sind weder naiv noch informationslos. ohne ein solches gegengewicht würde noch viel mehr willkür stattfinden. also, etwas mehr wertschätzung für engagierte leute wäre wünschenswert.
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    2. Antwort von Peter Dutler (PeDu)
      Sie unterstellen diesen Leuten nichts oder wenig zu wissen über diese Aktivistin, da sind Ihre Mutmassungen ohne Kenntnis der sich einsetzenden Personen und Umstände natürlich ok ....
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    3. Antwort von Jacqueline Zwahlen (Jacqueline Zwahlen)
      Wann AI zu diesem Protest aufgerufen hat, weiss ich nicht. Im Schreiben der kaukasischen Generalstaatsanwaltschaft steht, dass das Verfahren gegen Cherevatenko am 19. Juni wegen fehlendem Straftatbestand eingestellt wurde. Erhalten haben die Behörden den Protestbrief am 14.September! Also hat dieser genau nichts bewirkt.Da verschaukelt uns AI Sprecher Gerber im Artikel ein bisschen. Und die Protestler wohl auch. Die müssten eigentlich wissen, wann sie offene Türen einrennen.Soviel zum Vertrauen.
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    4. Antwort von Jacqueline Zwahlen (Jacqueline Zwahlen)
      Jedenfalls haben die Leute in St. Gallen nicht gewusst, dass ihre Protestschreiben gut 3 Monate zu spät angekommen sind und das Verfahren gegen Frau Cherevatenko längst wegen Fehlens eines Straftatbestandes eingestellt wurde.
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