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Elektronische Identität «Schutz vor Datenmissbrauch muss gewährleistet sein»

Der Bundesrat will bis im Sommer 2018 ein Gesetz für einen staatlich anerkannten digitalen Identitätsnachweis vorlegen. Für den Eidgenössischen Datenschützer ist dieses Bedürfnis real. Er mahnt jedoch eine datenschutzverträgliche Umsetzung an.

Eidgenössischer Datenschützer Adrian Lobsiger
Legende: Adrian Lobsiger ist Eidgenössischer Datenschützer. Keystone/Archivbild

SRF News: Bei der Ausgestaltung der elektronischen ID sollen staatliche Stellen und private Anbieter zusammenarbeiten sollen. Haben Sie keine Bedenken gegenüber privaten Akteuren?

Adrian Lobsiger: Staat und private Anbieter haben unterschiedliche Stärken und Kompetenzen und es ist sinnvoll, dass sie sich gegenseitig ergänzen. Sowohl Staat als auch Private müssen jedoch die datenschutzrechtlichen Auflagen einhalten. So müssen die Daten etwa wahr, aktuell und sicher sein. Der Schutz gegen Missbrauch muss hinreichend sein.

SRF News: Wie kann man sicherstellen, dass nicht zu viele Daten von Bürgern bezogen werden?

Adrian Lobsiger: Es gibt eine ganz einfache Faustregel: Die einzelnen Bürgerinnen und Bürger sollen nicht mehr Daten von sich preisgeben müssen, als in der analogen Welt. Beispiele dazu: Von A nach B reisen und einkaufen muss zum Beispiel weiterhin anonym möglich sein. Hingegen muss natürlich mehr Daten preisgeben, wer ein Bankkonto eröffnen will. Technisch muss es so machbar sein, dass jeweils nur das Minimum an Daten für die jeweilige Leistung der elektronischen Identität preisgegeben werden müssen.

Die Technik muss sich den menschlichen Bedürfnissen anpassen, nicht umgekehrt.
Autor: Adrian LobsigerEidgenössischer Datenschützer

SRF News: Wie wichtig ist Transparenz in diesem ganzen System?

Adrian Lobsiger: Man kann nur etwas zustimmen, wenn man es versteht. Deshalb ist Transparenz bei der elektronischen Identität entscheidend. Es muss für den Bürger und die Bürgerin immer klar ersichtlich sein, welche Daten zu welchen Zwecken und wie lange bearbeitet werden. Die digitale Technologie muss zwingend auch für den Datenschutz eingesetzt werden und nicht nur für Geschäftsmodelle.

Transparenz ist das Wichtigste.
Autor: Adrian LobsigerEidgenössischer Datenschützer

Das Gespräch führte: Elmar Plozza

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Tim Buesser (TimBue)
    Zwei Sachen muss man beim Datenschutz wissen: a) es bleiben immer "Hintertüren" offen, so dass staatliche Amtsstellen darauf zugreifen können, vorgeschoben heisst es dann, das sei wegen Terrorismus-Schutz. b) Hinter jedem Datenschutz können Amtsstellen ihr eigenes Tun und Treiben vor unbequemen Fragen der Bürger verstecken.
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    1. Antwort von Urs Dupont (udupont)
      Sie vergessen die Hauptprofiteure vom Datenschutz: die Kriminellen! Z.B. lässt das Steuerhinterziehungsgeheimnis herzlich grüssen.
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  • Kommentar von Manuela Fitzi (Mano)
    Es gibt hierzulande Zehntausende Einwohner ohne verifizierte Identität. Was ist mit denen? Gleich sperren?
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  • Kommentar von Urs Dupont (udupont)
    Warum muss man einem guten, schon seit zig Jahren fälligen Vorstoss gleich wieder Missbrauch unterstellen? Derart misstrauisch sollte man sofort E-Banking, Fb, Whatsapp, Amazon, etc., ja das ganze Internet vollständig abschalten und auch sämtliche Sicherheitskameras demontieren.
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    1. Antwort von Thomas Heimberg (tomfly)
      Weil man tagtäglich vernimmt wie Daten und Konten gehackt, gestohlen, missbraucht und verkauft werden. Dem Staat ist grundsätzlich ein gesundes Misstrauen entgegen zubringen. Der ist längst zum Steigbügelhalter der Grossen und Reichen geworden und überlegt sich, wie er das Geld der Mittelschicht möglichst effizient nach unten und oben verteilen kann. Dazu nützlich ist eine umfassende Überwachung und Verfolgung / Identifizierung des Bürgers auf jedem Schritt.
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    2. Antwort von Urs Dupont (udupont)
      Herr Heimberger, bitte werden Sie doch mal mit einem persönlichen Beispiel konkret, wo Ihnen Daten geklaut wurde und Sie grossen Schaden erlitten haben. Danke.
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    3. Antwort von Beat Morgenthaler (beatmaster)
      Können Sie garantieren, dass alle Hacks aufgedeckt wurden und werden, die unsere Daten betreffen? Und was über die eingesetzte Technologie selber? Schauen Sie nach, was mit der estonischen E-ID passierte. Sind Sie bereit die Kosten zu tragen wenn‘s schief läuft?
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    4. Antwort von Thomas Heimberg (tomfly)
      Lieber Herr Dupont. Sie haben recht, bis jetzt habe ich keinen Schaden erlitten. Aber genau damit es so bleibt, bin ich gegen den gläseren digitalen Menschen. Ich versuche mich möglichst antidigital zu verhalten, ich habe kein Smartphone, kein Socialmedia-Profil, teile nichts, zahle immer in bar, besitze keine Kundenkarten, buche und kaufe seltenst im Internet, Kreditkarte nur wenn unbedingt nötig und selbst der PC mit dem ich diesen Kommentar schreibe gehört nicht mir.
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    5. Antwort von Daniel Fuchs (Daniel Fuchs)
      @Urs: Also mir werden zum Beispiel durch den Swisspass Zwang fürs GA Daten geklaut. Den Schaden kann ich momentan noch nicht abschätzen aber der ist eigentlich auch irrelevant.
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