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Entscheid des Bundesgerichts Anzügliche Sprüche kein Grund für fristlose Kündigung

  • Ein Beratungsunternehmen kündigte einem Angestellten zu Unrecht fristlos.
  • Er hatte unflätige, sexuelle Äusserungen über eine Arbeitskollegin gemacht.
  • Das Unternehmen muss dem 31-Jährigen nun die Löhne der ordentlichen Kündigungsfrist nachzahlen, wie das Bundesgericht entschieden hat.
Das Bundesgericht in Lausanne.
Legende: Das Bundesgericht hat mit seinem Urteil den Entscheid der Waadtländer Vorinstanz bestätigt. Keystone

Bei einem Feierabenddrink in einer Bar machte der Gekündigte gegenüber drei Arbeitskollegen eindeutig sexuelle Bemerkungen über eine ihrer Kolleginnen. Er wiederholte die Äusserung später ein weiteres Mal vor einem der drei Kollegen.

Mehrere Vorfälle

Die junge Frau erfuhr von den Aussagen und wandte sich ans Personalbüro des Beratungsunternehmens im Kanton Waadt. Nach Abklärungen und Befragungen weiterer Angestellter wurde dem Mann rund einen Monat nach dem Barbesuch fristlos gekündigt.

Die Nachforschungen hatten zudem ans Licht gebracht, dass der Gekündigte gegenüber einer anderen Arbeitskollegin deplatzierte Äusserungen gemacht hatte und sie bei einer anderen Gelegenheit unter dem Tisch drei Mal mit dem Fuss berührt habe.

Beim besagten Barbesuch hatte der Mann zudem einem dreijährigen Kind gesagt, er würde dessen Mutter ununterbrochen küssen, wenn er an der Stelle des Kindes wäre. Die betroffene Frau sagte dem Mann, er solle damit aufhören.

Vorwürfe für das Bundesgericht nicht gravierend genug

Das Bundesgericht bestätigt mit dem Entscheid das Urteil der Waadtländer Vorinstanz. Das Bundesgericht schreibt ausdrücklich, dass es nicht darum gehe, die derben und sexistischen Sprüche des Mannes zu verharmlosen. Die Vorfälle seien jedoch nicht derart gravierend gewesen, als dass eine fristlose Kündigung gerechtfertigt gewesen sei. Auch lässt das Bundesgericht das Argument des Beratungsunternehmens nicht gelten, wonach ein Verweis beim Gekündigten nichts gebracht hätte.

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11 Kommentare

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  • Kommentar von Arthur Häberli (Arthur Häberli)
    Frau Fitzi: ich denke Sie täuschen sich. Eine Fristlose Kündigung kann jederzeit ausgesprochen werden. Ob sie dan rechtens war, wird sich unter Umständen später herausstellen. Das ist ja das Wesen der FK. Arbeitgeber oder Arbeitnehmer, können sofort handeln. Bei (ev. vermuteten) schweren Delikten, kann man nicht ein zweites Mal abwarten. Es gäbe ja auch das Mittel der Freistellung, wenn in Zweifel an der Rechtmässigkeit bestehen. Denn eine unrechtmässige wird 'teurer'.
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  • Kommentar von Manuela Fitzi (Mano)
    Da zeigt sich die Fehlkonstruktion der fristlosen Kündigung. Die Fristlose muss der AG nämlich innert 24h nach der Tat aussprechen, aber nur im 2. Fall, denn nach dem 1. Fall muss eine schriftliche Verwarnung erlassen werden. In diesem Fall haben die langen Abklärungen die Fristloser verunmöglicht, obwohl der AG infolge dieser Abklärungen vom wiederholten Tatbestand überhaupt erfuhr. Formaljuristisch war die Aufhebung daher korrekt. Aber moralisch... Sehr ärgerlich, die Herren Räte.
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  • Kommentar von Mirco Schmid (Mirco Schmid)
    Für eine fristlose Kündigung braucht es viel, dass sollte jeder Personalchef wissen. Ein einziger Verweis genügt gewöhnlich nicht. Es hätte eine ordentliche Kündigung und die sofortige Freistellung geben können.
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