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Erst fahren, dann bezahlen SBB lanciert das «Check in Check out»-Ticket

Legende: Audio Billette erst nach der Fahrt bezahlen abspielen.
3:28 min, aus Rendez-vous vom 06.03.2018.

Die SBB lanciert das sogenannte E-Ticket: Der Kunde steigt einfach in den Zug oder das Tram ein und bezahlt erst nach der Fahrt. Und zwar immer den günstigsten Preis für die Strecke.

Dazu braucht man ein Smartphone und die entsprechende App. Diese zeichnet die Fahrt auf und rechnet ab. Damit wird das Billettlösen am Automaten und Vergleichen, wo man welche Fahrt am billigsten haben könnte, unnötig.

Vereinheitlichung der Preise

Sämtliche 248 ÖV-Unternehmen und 15 Tarifverbünde in der Schweiz hätten sich auf verbindliche und einheitliche Ticketpreise geeinigt, sagte Jeannine Pilloud von der SBB vor den Medien. Deshalb spiele nun keine Rolle mehr, ob man das E-Ticket über die SBB App, oder über jene der lokalen Tarifverbunde in Zürich, Basel oder Bern bezahle. Es koste immer gleich viel.

Das ‹Check in Check out›-System entspricht einem Bedürfnis.
Autor: Bernard GuillelmonChef der BLS

Während die SBB erst diesen Monat mit dem «Check in Check out»-System startet, ist dieses bei der BLS schon seit Anfang Jahr Realität. Die Nachfrage zeige, dass der ÖV-Kunde diesen Service wolle, sagt der Chef des zweitgrössten ÖV-Unternehmens der Schweiz, Bernard Guillelmon. «Derzeit nutzen 3600 Kunden diesen Service aktiv», stellt er fest. «Man sieht, das entspricht einem Bedürfnis, denn bislang handelt es sich bloss um einen Test.»

Reisende in einem Erstklass-Abteil im Zug.
Legende: Wer mit dem «Check in Check out»-Ticket reist, braucht eine entsprechende App. sbb

Die Erfahrungen seien gut, so Guillelmon weiter. Bei nur einem Prozent aller E-Tickets seien Fehler aufgetreten. Für SBB und BLS ist klar, dass der ÖV-Benutzer Hauptgewinner der neuen Entwicklung ist. Doch auch die ÖV-Unternehmen erhoffen sich, Zug und Tram mit dem vereinheitlichten Tarifsystem noch attraktiver zu machen.

Bewegungsprofil der Reisenden wird aufgezeichnet

Das «Check in Check out»-System dieses neuen E-Tickets bringt es allerdings mit sich, dass die Reisewege der User aufgezeichnet werden. Nur anhand der GPS-Daten kann anschliessend der entsprechende Ticketpreis in Rechnung gestellt werden. SBB und BLS wehren sich allerdings gegen Vorwürfe, den ÖV-Kunden so zu durchleuchten. Der Datenschutz sei gewährleistet, heisst es.

Diese Versicherung reicht Josiane Walpen von der Stiftung für Konsumentenschutz nicht. Die SBB und BLS müssten aufzeigen, wie die Daten behandelt und gesichert würden. «Dies bloss zu versprechen, reicht nicht.» Schliesslich gehe es dabei um ein für die Reisenden sehr wichtiges Thema.

Wie viel kostet die Reise?

Auch Karin Plättler, Präsidentin von Pro Bahn, kritisiert das System. Ihr fehlt die Preistransparenz. Die Kosten für den Reisenden seien eine Blackbox, so die Interessenvertreterin der Bahnkunden und -kundinnen: «Ich weiss nicht, was mir am Schluss der Reise belastet wird.»

Als Kundin weiss ich nicht, was mich die Reise am Schluss kostet.
Autor: Karin PlättlerPräsidentin von Pro Bahn

Plättler plädiert deshalb dafür, dass auf der App fortlaufend angezeigt wird, wie viel die Reise in etwa kostet. Zudem verlangt man bei Pro Bahn, dass es auch weiterhin möglich sein muss, Billette am Schalter oder Automaten zu kaufen.

Die SBB ihrerseits hat versichert, dass letzteres ganz sicher der Fall sei. Schliesslich zwinge man niemanden, auf das E-Ticket umzusteigen.

28 Kommentare

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  • Kommentar von Hanspeter Müller (HPMüller)
    Wer von jenen, die jetzt so entsetzt sind über die SBB und ihre Datensammelwut zu Dumpingpreisen hat eine Cumuluskarte? Ist dasselbe Prinzip. Mit Aktionen für wenige Franken werden Daten erhoben, die viel mehr wert sind für das Unternehmen. Und weil es ein billiger Jöö-Stabfänger mit Sondermüll-Inhalt (Batterie!) geschenkt gibt, lasse ich mich zum gläsernen Bürger machen. Jeder selber schuld, der da mit macht.
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  • Kommentar von Arthur Häberli (Arthur Häberli)
    Keine Erwähnung von z.B. FAIRTIQ? Welches bereits 17 Tarif Verbünde genau in dieser Form abdeckt. Muss jetzt die SBB ein eigenes System haben? Fairtiq verspricht eben genau eine gewisse Unabhängigkeit der Transport Gesellschaften und bietet somit hoffentlich wirklich den bestmöglichen Preis (für den Kunden)
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  • Kommentar von marlene Zelger (Marlene Zelger)
    Warten wir nur, in absehbarer Zeit kommt der Chip, der in die Haut eingepflanzt wird. Dann braucht man nicht mal mehr ein Smartphone. Auf dem Chip sind sämtliche Daten enthalten. Man steige in den Zug, geht einkaufen, geht zum Coiffeur etc. Am Monatsende bekommt man die Rechnung. Die totale Überwachung lässt schon mal grüssen.
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    1. Antwort von Alfons Bauer (frustriert)
      https://www.srf.ch/kultur/gesellschaft-religion/serie-zu-subkulturen-transhumanismus-upgrade-des-koerpers
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