«Es braucht einen langen Schnauf»

Die Zersiedelung macht auch den Pfadfindern zu schaffen: Für sie wird es immer schwieriger, geeignete Gelände für Pfingst-Zeltlager zu finden. Auch die strengeren Gesetze machen den Pfadi das Leben schwer.

Pfadi beim sägen in ihrem Zeltlager.

Bildlegende: Für ein glückliches Pfadilager braucht es eigentlich nicht viel. Keystone Archiv

Tausende von Kindern in der Schweiz verbringen Pfingsten traditionellerweise in einem Lager der Pfadi oder einer ähnlichen Organisation. Doch es gibt immer weniger geeignete Lager- und Zeltplätze. «Der Hauptgrund ist die Zersiedelung», sagt Rolf Steiner, Geschäftsführer der schweizerischen Pfadistiftung.

Wiesen sind noch nicht gemäht

Zwar seien die Ansprüche der Pfadi für ihre Lager nicht hoch: Ein ruhiger, etwas romantischer Platz reiche für die Kinder und Jugendlichen. «Aber wenn man an einer Strasse zelten müsste oder in der Nähe von Häusern, ist es für beide Seiten nicht gerade optimal», so Steiner.

Die Pfadi brauchen für ihr Zeltlager eine gemähte Wiese. Wenn ein Bauer eine Wiese aber als extensiv genutzte ökologische Ausgleichsfläche betreibt, darf er sie erst nach dem 15. Juni mähen – sonst gibt es keine Subventionen. Das führt dazu, dass die entsprechende Wiese für die Pfingstlager der Pfadi nicht in Frage kommt. Steiner findet diese Regelung aus ökologischer Sicht zwar gut: «Aber das ist ein Dilemma, aus dem wir auch keinen Ausweg wissen.»

Vorschriften werden immer strenger

Zusätzlich werden die gesetzlichen Vorschriften immer strenger. So etwa bei den Latrinen oder den Abwasservorschriften. «Wenn man früher ein WC brauchte, hat man einfach ein Loch gebuddelt», so Steiner. Die Pfadistiftung versuche nun, auf geeignetem Gelände eine Wasser- und Abwasser-Installation zu erstellen. Da dies aber auf Landwirtschaftsland nicht möglich ist, sei auch dies schwierig umzusetzen.

Zwar hat die Pfadistiftung eine Sammlung für solche Investitionen eröffnet und auch bereits gegen 300'000 Franken erhalten. Doch rasch könne kaum etwas unternommen werden, sagt Steiner. «Es braucht Änderungen in Gemeindezonen-Ordnungen oder Verhandlungen mit Landbesitzern – es braucht einen langen Schnauf.» Mit dem Geld könnten zwar die notwendigen Investitionen getätigt werden, doch es gebe noch viel Arbeit.

In Zukunft noch schwieriger

Die Zukunft verspricht wenig erfreuliches: Es werde immer mehr technischen Aufwand brauchen, um Pfadilager durchzuführen. «Das ist schade. Denn das einfache Lager ist das, woran wir uns gerne erinnern.» Gerade die Schwierigkeiten, mit denen man dann jeweils zu kämpfen hatte, seien toll und wichtig gewesen. «Solche Erlebnisse sollten auch heutigen Kindern und Jugendlichen möglich sein – das ist mein grösster Wunsch», so Pfadi-Geschäftsführer Steiner.