Explosion in Texas: Gefahr eines Unglücks in der Schweiz klein

Noch ist unklar, weshalb in einer texanischen Fabrik Düngemittel explodiert sind. Dass chemische Dünger – allen voran Ammoniumnitrat – hoch gefährlich sind, ist zwar bekannt. Bauern kommen jedoch nicht ohne aus.

Ein Mann in einem schwarzen Hemd steht vor einem Regal mit Flüssigdünger-Flaschen verschiedener Marken.

Bildlegende: Flüssigdünger wird in der Schweiz in verdünnter Form verkauft. Pur könnte er explodieren. Keystone

Ammoniumnitrat spielt eine äusserst wichtige Rolle in der Welternährung. Die Flüssigkeit ist aber auch hoch explosiv, wie das tragische Unglück in einer texanischen Düngemittelfabrik von Mittwoch gezeigt hat. Anna Lemmenmeier befragte Philipp Hauert, Geschäftsführer des gleichnamigen Schweizer Düngemittelherstellers, zu der Gefahr, die von dem Stoff ausgeht.

Auch in der Schweiz wird Ammoniumnitrat hergestellt. Ist so ein Unglück wie in den USA in der Schweiz auch denkbar?

In der Schweiz gibt es nur ein spezialisiertes Werk, welches Basischemikalien wie Ammoniumnitrat herstellt. Ausschliessen kann man so etwas natürlich nie. Wir gehen aber davon aus, dass die gesetzlichen Grundlagen, also die Störfallvorsorge, intelligent ausgestaltet ist in der Schweiz. Und noch wichtiger: Dass diese auch vollzogen wird. Das heisst, dass der Zustand der technischen Anlagen auf einem Niveau ist, welches so einen Unfall im Prinzip nicht zulässt.

Mit welchen Sicherheitsbestimmungen wird denn in der Schweiz vorgesorgt?

Das Übel wir eigentlich am Ursprung angegangen. Das heisst, sobald Ammoniumnitrat hergestellt worden ist, ist es nicht mehr gefährlich, weil es in einer Verdünnung auf den Markt kommt. Ammoniumnitrat als chemisch reiner Stoff wird quasi nicht gehandelt, mindestens nicht für Düngemittel oder für die Landwirtschaft.  Es ist somit auch kein Gefahrengut im eigentlichen Sinne.

Das heisst, das Ammoniumnitrat, das in der Schweiz erhältlich ist, ist nicht mehr in reiner Form und somit auch ungefährlich.

Genau. Und ich würde sagen, jeder Bauernhof, jeder Landwirt, der nicht bio ist, verwendet dies. Und zwar nicht nur in der Schweiz, sondern weltweit.

Braucht es in dem Fall keine besonderen Sicherheitsvorkehrungen betreffend Lagerung von Düngemitteln in der Schweiz?

Das kann man so nicht sagen. Natürlich gibt es für Düngemittel Vorschriften. In der Störfallvorsorge ist das beschrieben. Dort steht, dass man beispielsweise nicht mehr als 200 Tonnen Ammoniumnitrat auf einmal lagern darf. Es sei denn, man hat Sprinkleranlagen oder andere Brandschutzmassnahmen mit einzelnen Abschnitten installiert. Das bedeutet, in einem Raum sollten in der Schweiz nicht mehr als 200 Tonnen Ammoniumnitrat von dieser verdünnten Qualität gelagert werden.

Es ist schon öfter zu Todesfällen gekommen bei Explosionen von Düngemitteln. Wäre es nicht an der Zeit, über eine Alternative zu diesem Düngemittel nachzudenken; über eine, die weniger explosiv ist?

Das ist eine schwierige Frage, aber man muss sie verneinen. Angesichts dessen, dass wir täglich auf diesem Planeten Megatonnen an Ammoniumnitrat verschieben und damit düngen, sind diese Zwischenfälle zwar tragisch, aber sehr, sehr selten. Und eine Alternative zu Ammoniumnitrat in der Landwirtschaft – explizit in der Landwirtschaft – ist schwer zu finden. Ammoniumnitrat ist als Stickstoffquelle aus der Pflanzenernährung schlicht nicht wegzudenken.

(eglc;hesa)