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Schweiz Fall Luca: Gutachten widerspricht Walliser Behörden

Luca Mongelli – vor elf Jahren wurde er angegriffen, seither ist er schwerbehindert. Nun beschuldigt Luca die Walliser Behörden: Nicht ein Hund habe ihn damals attackiert, wie sie behaupten. Sondern Jugendliche. Italienische Experten stützen seine Aussagen.

Legende: Video «Luca will Klarheit über den verhängnisvollen Tag vor elf Jahren» abspielen. Laufzeit 1:23 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 08.01.2013.

Donnerstag, der 7. Februar 2002 – für Luca Mongelli der schlimmste Tag seines Lebens. An jenem Tag wurde der Siebenjährige schwer verletzt, laut offiziellen Untersuchungen vom eigenen Hund.

Die Verletzungen können unmöglich von einem Hund stammen, sagen jetzt italienische Experten, die im Auftrag der Familie arbeiteten. Ein Hund könne ein Kind nicht derart malträtieren. Viel wahrscheinlicher sei: Ein Mensch habe das Kind so zugerichtet. Und die vielen Kratzspuren am Körper? Stammen vermutlich vom Versuch des Hundes, den bewusstlosen Luca aus dem Schnee zu graben. Mit diesem Befund geraten die Walliser Behörden nun unter Druck.

Halb erfroren im Schnee

Was ist damals vor elf Jahren passiert? Luca und sein vierjähriger Bruder gehen spazieren, sie kehren nicht zurück. Die Mutter findet Luca, bewusstlos, halbnackt und halb erfroren, zwischen kahlen Haselsträuchern. Der Siebenjährige ist am ganzen Körper malträtiert – blaue Flecken, Kratzer, blutende Wunden. Seine Kleider liegen im Schnee. Ein Zeuge hat den Überfall gesehen, der kleine Bruder, versteckt hinter einem Baum.

Luca überlebt nur knapp, nach drei Monaten im Koma. Herz und Atmung setzten zeitweise aus. Der Sauerstoffmangel verursacht Schäden im Hirn. Der Junge erblindet, Arme und Beine sind gelähmt.

Die Walliser Behörden untersuchen den Fall. Der Hund der Familie Mongelli sei schuld, sagen die Ermittler, er habe das Kind attackiert. Auch der kleine Bruder spricht von einem Hund. Der Hund wird eingeschläfert, der Fall 2004 zu den Akten gelegt. Die Familie will einen Schlussstrich ziehen, sie zieht nach Süditalien.

Luca im Rollstuhl.
Legende: Wer hat Luca Mongelli attackiert? Möglicherweise wurde der Hund der Familie zu Unrecht eingeschläfert. Keystone

Herz und Atmung setzten aus

Im Laufe der Zeit macht Luca konkrete Aussagen. Er nennt Namen, die Namen von drei Jugendlichen – es sind die Söhne zweier angesehener Familien aus Sitten. Sie hätten ihn damals mit Holzstücken geschlagen.

Und es gibt eine Zeichnung, Lucas Bruder hat sie gemalt. Auf dem Bild von 2005 sieht man drei Menschen, sie schlagen auf einen vierten ein. Man sieht auch einen Hund, er beisst einen Angreifer. Und der kleine Bruder ist ebenfalls zu sehen, hinter einem Baum. Die Zeichnung trägt den Titel: «Ich hatte Angst, als mein grosser Bruder verprügelt wurde.» 

Beschuldigte haben Alibi

Die Beschuldigten haben Alibis. Trotzdem wollen Lucas Eltern den Fall wieder aufrollen lassen. Sie haben die Zeichnung der Staatsanwaltschaft vorgelegt. Im Wallis unterzeichneten derweil 10‘000 Menschen eine Petition. Auch sie fordern: Die Causa muss neu beurteilt werden.

Legende: Video «Der Vater von Luca zeigt sich bestätigt» abspielen. Laufzeit 0:49 Minuten.
Vom 08.01.2013.

14 Kommentare

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  • Kommentar von Jean Daniell Keller, Beinwil am See
    Ich bin zu tiefst beschämt was in unserem Rechtsstaat alles möglich ist. Kann man nichts gegen diese Behörden unternehmen?
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  • Kommentar von Breu Erich, Wallenwil
    Liebe Mongelli's; plötzlich so ein behindertes Angehöriges zu haben,ist eine grosse auferlegte Bürde. Und dann noch diese widerliche systematische Zermürbungstaktik! Ich kämpfe auch im VS seit 4Jahren als Vater einer schwer behind.Tochter für Transparenz/Gerechtigkeit. Das Buch von Kurt Marti "Tal des Schweigens" öffnete mir in vielem die Augen. Jetzt ist mir klar, was im VS abgeht&wieso Teile der 4(Staats-)Gewalten mauern, schweigen, schubladisieren. Ich wünsche euch viel Kraft; gebt ni...
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  • Kommentar von Sabine Salvini, Basel
    Ich dachte, in der heutigen Zeit, mit unseren tollen Kriminallabors, kann man solche "Kampfspuren" genau zuordnen? Wie leicht war es doch, den Angriff auf einen Hund zu schieben und ihn deswegen auch gleich noch einzuschläfern? Bravo! Armer Luca - nicht nur, dass man ihm keinen Glauben schenkte, man nahm ihm auch gleich noch den Hund, der ihm sicher dabei geholfen hätte gesund zu werden. Für Luca wünsche ich mir ein gutes Leben - möge es der Polizei gelingen, die wahren Täter zu finden.
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