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Schweiz Fatale Fehler im Fall Fabrice A.

Der mutmassliche Mörder der Genfer Sozialtherapeutin hätte das Gefängnis nicht verlassen dürfen. Zu diesem Schluss kommt eine Administrativuntersuchung.

Fast vier Wochen nach der Tötung der Genfer Sozialtherapeutin steht das Fazit der Verwaltungsaufsicht bereits fest: Weder das zuständige Amt des Kantons Genf noch das Zentrum La Pâquerette, wo der Vergewaltiger inhaftiert war, hielten die Verfahrenswege ein.

Fabrice A. wird von der polnischen Polizei in ein Transporter begleitet.
Legende: Fabrice A. in Begleitung der polnischen Polizei. Keystone

Im Klartext: Der mutmassliche Mörder Fabrice A. hätte das Gefängnis nicht verlassen dürfen. Die Administrativuntersuchung der Genfer Regierung bestätigt: Der Staat hat versagt. Regierungsratspräsident Charles Beer entschuldigte sich deshalb in aller Form bei der Familie.

Der frühere Regierungsrat Bernhard Ziegler hat die Umstände untersucht, die die Ermordung der Therapeutin möglich machten. Der Vorwurf: Anscheinend hatte sich die Therapieabteilung über geltende Gesetze hinweggesetzt, quasi ein Eigenleben geführt.

Generell habe es quasi einen Ideologiestreit in La Pâquerette gegeben, sagte die Genfer SRF-Korrespondentin Alexandra Gubser in «Schweiz aktuell». «Auf der einen Seite standen die Realisten aus dem Strafvollzug, denen die Freiheiten der Häftlinge zu weit gingen, und auf der anderen die Therapeuten mit ihrem Ansatz, der auf gegenseitigem Respekt und Vertrauen basierte.»

Warnungen missachtet

Eindeutige Warnungen zweier Gutachter wurden übergangen, Warnungen von Mithäftlingen ignoriert. Selbst die Ängste von Mitarbeitern führten nicht dazu, dass die Leitung der Spezialabteilung die Notbremse zog. Stattdessen wurde weiterhin die Freilassung des gefährlichen Häftlings vorbereitet.

Der zweifache Vergewaltiger sass in La Pâquerette, einer Einrichtung zur Betreuung von Gefangenen mit langen Haftstrafen, seine 20-jährige Strafe ab.

Am 12. September soll er bei seinem zweiten begleiteten Freigang zuerst ein Messer – für die Hufpflege – gekauft haben. Auf dem Weg zu seiner Reittherapie soll er in der Nähe von Genf seine 34 Jahre alte Therapeutin getötet haben. Er floh und wurde vier Tage später an der deutsch-polnischen Grenze verhaftet.

Abteilungsdirektorin in der Kritik

Im Zentrum der Kritik steht derzeit die Direktorin der Spezialabteilung. Sie ist krank geschrieben und muss mit einem Strafverfahren rechnen. Der Untersuchungsbericht wurde umgehend an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet.

37 Kommentare

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  • Kommentar von Alexander Moser, Interlaken
    Und was passiert nun mit den fehlbaren "Möchtegern-Gutmenschen", die sich Therapeuten nennen? Diese sollten wegen Beihilfe zum Mord angeklagt werden!!! Hätten sie sich an die geltenden Gesetze und Regeln gehalten und nicht einfach in ihrer selbstherrlichen Art und Weise gehandelt, wäre es nie so weit gekommen!! Doch ich bin sicher, denen wird nichts passieren - ihre Parteigenossen werden sie schon in Schutz nehmen und wahrscheinlich auch noch befördern!
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  • Kommentar von Alexander Moser, Interlaken
    Wieso die SVP? Ist das ein Rechtschreibefehler - oder leiden sie unter einer verzerrten Wahrnehmung? Wenn irgend eine Partei "warnende Gutachten" gerne übersieht und weiter sinnlos vor sich hin therapieren und daran eine goldene Nase verdienen will, dann ist das wohl die SP?!
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  • Kommentar von T. Bischofberger, Brugg
    In der Privatwirtschaft wären die Herren und Damen Sesselkleber schon lange auf der Strasse............................Aber leider machen das Gerede und die Entschuldigungen und Anschuldigungen das Opfer nicht mehr lebendig................
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