Konkurrenz für ÖV Flixbus will sich einbürgern lassen

Linienbusverkehr innerhalb der Schweiz ist nur Schweizer Unternehmen erlaubt. Laut «10vor10» prüft das deutsche Unternehmen Flixbus darum aktuell, eine Tochtergesellschaft in der Schweiz zu gründen.

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Flixbus will die Schweiz erobern

4:11 min, aus 10vor10 vom 20.2.2017

Das Wichtigste in Kürze

  • Flixbus, der grösste Fernbusanbieter Europas, möchte ein Inlandnetz in der Schweiz betreiben.
  • Derzeit laufen Verhandlungen mit Verbänden und Behörden – ein Konzessionsgesuch wurde noch nicht eingereicht.
  • Sollte das Angebot zustande kommen, würde Flixbus eine Tochtergesellschaft in der Schweiz gründen.
  • Flixbus ist nicht das einzige Busunternehmen, das ein solches Inlandnetz betreiben möchte: Auch ein Schweizer Unternehmen bemüht sich um eine Konzession.

Fernbusse boomen. Sie sind in vielen Ländern Europas ein wichtiger Player im öffentlichen Personenverkehr. Auch in der Schweiz, allerdings sind hier nur internationale Linien erlaubt. Man darf also nur in die Schweiz hinein oder aus der Schweiz heraus mit einem Fernbus fahren, Konzessionen für den nationalen Verkehr gibt es bisher nicht.

Doch jetzt prüft Flixbus, der grösste Fernbusanbieter Europas, ob ein Inlandnetz in der Schweiz möglich wäre. «Wir sind derzeit in Verhandlungen mit Verbänden und Behörden und prüfen, inwieweit wir hier ein Inlandnetz anbieten können», so Flixbus-Sprecher Martin Mangiapia gegenüber «10vor10». Sollte das der Fall sein, werde Flixbus mit mittelständischen Schweizer Busbetrieben zusammenarbeiten und «natürlich auch eine Flixbus-Gesellschaft gründen in der Schweiz.»

«  Wir sind positiv eingestellt gegenüber Fernverkehrsverbindungen mit dem Bus, die eine Ergänzung sein können. »

Gregor Saladin
Sprecher Bundesamt für Verkehr

Das Bundesamt für Verkehr bestätigt gegenüber «10vor10», dass Gespräche stattfinden. «Das BAV ist positiv eingestellt gegenüber Fernverkehrsverbindungen mit dem Bus, die eine Ergänzung sein können zum bestehenden öffentlichen Verkehrsangebot», so Sprecher Gregor Saladin.

Lizenz und Konzession nötig

Flixbus habe aber noch kein Gesuch eingereicht. Ein Flixbus-Tochterunternehmen müsste eine Lizenz für den Personentransport erwerben und für die gewünschten Strecken eine Konzession beantragen.

Da ist das Glattbrugger Reiseunternehmen Domo Reisen schon einen Schritt weiter: Drei Konzessionen für den nationalen Fernbusverkehr sind beantragt und werden aktuell beim Bundesamt für Verkehr geprüft.

«  Ein Inlandsnetz wäre auf jeden Fall toll. »

Martin Mangiapia
Sprecher Flixbus

Halbtax-Abo soll gültig sein

Projekt-Manager Patrick Angehrn von Domo-Reisen fürchtet die Fernbus-Konkurrenz aus Deutschland nicht: «Ich glaube, beim Schweizer Markt spielen noch andere Sachen rein. Wir haben auch ein integriertes Verkehrssystem, in das wir uns einordnen werden», so Angehrn. Domo Reisen werde darum auch Halbtax-Abos akzeptieren. Und das würde wohl auch von Flixbus verlangt werden.

Flixbus betreibt zurzeit nur internationalen Fernbusverkehr in der Schweiz. «Natürlich wollen wir unseren Fahrgästen aber ein vollständiges Angebot bieten und dafür wär ein Inlandsnetz auf jeden Fall toll», so Flixbus-Sprecher Martin Mangiapia. Die Nachfrage sei da.