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Forderung nach Abspaltung Das kleine Wunder vom Jura

Auch die jurassischen Separatisten drohten einst mit dem Austritt aus der Schweiz. Könnte Spanien aus dem Fall lernen?

Legende: Video Unabhängigkeitsbestrebungen in der Schweiz abspielen. Laufzeit 02:06 Minuten.
Aus Tagesschau vom 06.10.2017.

Das Unabhängigkeitsreferendum Kataloniens kratzt an der spanischen Verfassung – soweit sind sich die Experten einig. Auch in der Schweiz gab es in der Vergangenheit Begehren nach mehr Selbstbestimmung: etwa im Jura.

«Situation durchaus vergleichbar»

Roland Béguelin.
Legende: Galionsfigur der Separatisten: Roland Béguelin. Keystone

Die Galionsfigur der jurassischen Separatisten, Roland Béguelin, drohte gar mit dem Austritt aus der Schweiz, wenn dem Jura nicht mehr Rechte gegeben würden. «Insofern ist das durchaus vergleichbar, mit dem was wir heute in Katalonien sehen», sagt Wolf Linder, emeritierter Professor für Politikwissenschaft der Universität Bern.

Die Jurassier aber blieben Schweizer. Ihnen wurde anfangs der 70er-Jahre von Bern das Recht zugestanden, an der Urne über einen eigenen Kanton zu befinden – also über mehr Autonomie zu bestimmen. Die Selbstbestimmung entschärfte das politische Klima. 1977 gaben sich die Jurassier eine eigene Kantonsverfassung.

Es sei ein kleines Wunder gewesen, dass trotz der radikalen Forderung nach einer grossen Sezession schliesslich nur die Loslösung von Bern stattfand, sagt Wolf Linder.

Der Urnengang glättete die Wogen

Dass die Katalanen mehrheitlich unabhängig werden möchten, ist gemäss Umfragen gar nicht klar. Aber sie fordern mehr Autonomie, und zu Tausenden das Recht, über diese Fragen abstimmen zu dürfen: So wie damals im Jura, wo die Möglichkeit zum Urnengang die Wogen glättete. «Ich würde aber nie sagen: Ihr Katalanen müsst es jetzt so machen, wie wir es gemacht haben. Solche Dinge sind keine Exportprodukte.» Man könne aber im Gespräch auf die geschichtliche Erfahrung hinweisen, die die Schweiz gemacht habe, so Linder.

Auch wenn der Jura nicht Katalonien ist: Er war eine demokratische Bewährungsprobe für die Schweiz, genauso wie es Katalonien für Spanien ist.

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14 Kommentare

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  • Kommentar von martin blättler (bruggegumper)
    Hätte Rajoy nur annähernd das Niveau Kurt Furglers,wäre dieser Konflikt wie damals im Jura lösbar.Furgler war ein harter Hund,aber eben ein echter Demokrat,der es verstand,einen Gordischen Knoten zu durchschlagen.
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  • Kommentar von Alex Bauert (A. Bauert)
    Ziemlich dusselig diese Separatistenbewegung im Jura. Als ob es entscheiden sei, in welchem Kanton man lebt. Als Zürcher in Bern mit Grosseltern aus Davos, Merane (Sachsen) und Petersburg sind mir solche kleinlichen Problemchen schlicht und einfach egal. Gilt auch für die KatalanenInnen, BaskenInnen, usw usf. Was soll das Theater um politische Grenzen? Von Napoleon liess die Schweiz sich kampflos besetzen. Gegen die Änderung der Kantonsgrenzen durch ihn kämpften sie. Genau mein Humor!
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  • Kommentar von Nicolas Dudle (Nicolas Dudle)
    Die Situationen und die Absichten sind nicht vergleichbar. Die jurassischen Separatisten wollten einen Anschluss an Frankreich und damit an einen bestehenden Staat mit bereits vorhandenen Strukturen. Katalonien will einen eigenen Staat und müsste dafür zuerst einmal alle heute madridgesteuerten Strukturen neu aufbauen. Deshalb kann der Jura jetzt nicht mehr als Lehrstück für Spanien herangezogen werden; das hätte vorher geschehen müssen (Konsultativabstimmung ohne rechtliche Bindung bewilligen).
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