Zum Inhalt springen

Schweiz Freiwillige Pfleger sind Milliarden Wert

Die Pflege von kranken Angehörigen zuhause war 2011 in der Schweiz knapp zehn Milliarden Franken Wert. Das zeigt eine neue Studie des Bundes. In Zukunft wird die Pflege zuhause noch zunehmen – doch das braucht eine gesellschaftliche Diskussion.

Pflegerin beugt sich über kranke Person.
Legende: Neben Profis helfen immer mehr Angehörige den Pflegebedürftigen zuhause. Keystone

Die Pflege des dementen Ehepartners oder der krebskranken Mutter zuhause ist anspruchsvoll, braucht viel Energie. Dies gilt umso mehr, wenn man daneben noch einen Job hat.

«Wichtig scheint mir, dass Angehörige sich in einer ruhigen Minute Zeit nehmen dafür zu überlegen: Was will ich in dieser Rolle tun. Und was will ich nicht tun», sagt Pflege- und Gesundheitswissenschaftlerin Iren Bischofsberger.

160'000 pflegen ein Familienmitglied zuhause

Die körperliche Pflege sei das eine, das Management sei das andere, so Bischofsberger. «Im Unterschied zum Kind ist ein erwachsender Mensch nur schon viel grösser und viel schwerer. Das heisst, den kann man nicht einfach so unter den Arm packen, wenn es eilt. Weil man zum Beispiel eine Verabredung hat, in der Arztpraxis. Das heisst, man muss länger planen.»

In der Schweiz gibt es rund 160'000 Erwerbstätige, die zuhause ein Familienmitglied pflegen. Es gibt vielerlei Gründe für den Entscheid, ein Familienmitglied zuhause zu pflegen und nicht etwa in die Obhut eines Heimes zu geben.

Gesundheitswissenschafterin Bischofberger ist überzeugt, dass die geteilte Pflege ein Modell der Zukunft sein wird. «In vielen Fällen kommen die Profis nicht rund um die Uhr, wenn rund um die Uhr Hilfe gebraucht wird. Deswegen ist es nicht eine Frage von überlässt man es den Profis oder nicht. Es ist eine schiere Notwendigkeit, dass sich solche Familien oder Paare mit der Frage beschäftigen, was überlasse ich den Profis, und was übernehme ich selber.»

«Das kann uns allen jeden Tag passieren»

Generell gehen Experten davon aus, dass die Pflege zuhause noch wichtiger wird wegen des Mangels an Gesundheitsfachleuten und auch weil chronische Krankheiten zunehmen. Für die Arbeitgeber heisst das: flexibel sein.

«Wichtig scheint es mir, dass man Rücksicht nimmt. Sowohl als Arbeitnehmer, aber auch als Arbeitgeber. Wichtig ist, finde ich, dass man im Kopf einen Wandel vollziehen kann – nämlich, dass kann uns allen jeden Tag passieren», betont Expertin Bischofberger.

Sicher ist: Neben der Vereinbarkeit von Beruf und Familie dürfte in Zukunft auch die Vereinbarkeit von Beruf und Angehörigenpflege ein viel diskutiertes Thema werden.

7 Kommentare

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Beat Gurzeler, Winterthur
    Nein es geht noch weiter bei underen Behörden!!! Ich sehe es jetzt bei mir persönlich ( ich habe meinen Sohn einen Platz zu verfügung gestellt (( Nothilfe, Sozialamt )). Als Dank für mich werden jetzt meinem Sohn, eine Haushaltführung angerechnet und im beim Grundbedarf abgezogen das ist der Dank für eine freiwilligen Dienst am Vater. Eine Absolute Frechheit für mich als * Eidgenosse*. Dies betrifft die Stadt Wetzikon im Kt Zürich, so wird man ausgenommen und aufs letzte Hemd ausgezogen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Hans Haller, Kölliken
    Freiwillig sich um ältere Mitmenschen zu kümmern, ist auch eine Frage des Anstandes und gehörte zu "Gotthelfs-Zeiten" zur Selbstverständlichkeit. Heute wird einfach nur die technische Seite beleuchtet und in Franken & Rappen abgehandelt. Ganz vergessen geht die sog. Zwischenmenschlichkeit, die dann eben auf der Strecke bleibt. Wir schieben die "Alten ins Alterheim" ab, und deponieren die dort. Und wenn's hoch kommt geht man "schnell" zum Geburtstag und zu Weihnachten zum Heucheln vorbei! (shame)
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von A.Käser, Kölliken
      H.H./Das Gleiche tun wir ja auch mit unseren Kindern.Werden sie gezeugt um zu rentieren?Um eine Lücke von Sinnlosigkeit und Leere auszufüllen?Was geschieht bei der Tierzucht?Was in der Agronomie?Um uns vom"Nachdenken"und"Fühlen"distanzieren zu können,rennen wir wir wild herum oder"dröhnen"(Exzesse)uns zu.Wollen wir uns spüren oder rennen wir vor unseren Gefühlen davon?So lange,bis wir keine mehr haben?Gefühle sind der Kompass des Menschen.Deren Verlust,lässt ihn verwirrt herumirren.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von D.Daniele, Obergösgen
    Wert kennen wir wohl nur noch wenn man es mit Geld beziffern kann? Ich finde unsere Gesellschaft ist sehr armselig! Geld, Geld und nochmals Geld. Der Wert eines Menschen wird auch schon nur noch mit Geld bemessen, Der Kostet so oder soviel, der bringt so oder soviel. Der Mensch wird nur noch als Kostenfaktor wahrgenommen: Beginnt vor der Geburt, Kann ich mir ein Kind leisten, geht über den Arbeitsplatz, und endet im Alter ob man es noch Wert ist das oder dies zu tun.Wir sind ein sehr Armes Land!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von A.Käser, Obergösgen
      D.D./Wir sind das,was wir gesamthaft mehrheitlich in unserem Geist sind.Der Mensch lebt in seinem Geist.Er IST Geist.Um sich seiner BEWUSST zu sein,reflektiert er sich über die Raum-Zeit-Dimension.Endlos!Es liegt an uns,darüber nachzudenken.Deshalb ist es so "unproduktiv" Ideologien und Dogmen,blind(unreflektiert)Folge zu leisten.Das Denken(Erkennen)und Handeln(Bekennen)kann dem einzelnen Individuum von niemandem,und durch nichts abgenommen werden.Jeder erlöst sich selbst in Richtung Liebe.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Michael Bender, Obergösgen
      Sie haben völlig recht ! Leider ist dieses Phänomen in der Schweiz ausgeprägter als woanders. Deswegen zieht es ja selbst Schweizer immer wieder außer Landes, nicht nur Zugewanderte wie mich. Die Menschen hier sind zu sehr auf das Materielle fixiert und sehen Geld als ersten und wichtigsten Motivationsgrund für eine Tätigkeit. Geld verdirbt den Charakter - das war leider schon immer wahr und so erreichen wir trotz des hohen Wohlstands nicht die Lebensqualität, die wir erreichen könnten...
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von Peter Escher, Obergösgen
      .. leider .. nur wie denn sonst..?! - und wie "honoriere" Versicherungen, Kassen und Steuerverwaltung diesen DIENST am Familienangehörigen und Mitmenschen ...!???
      Ablehnen den Kommentar ablehnen