Zum Inhalt springen

Schweiz «Früher mussten Behinderte für ihre Rechte betteln»

Niederflurbusse und Rollstuhlrampen: Heute sind Behinderte dank eines Gesetzes deutlich besser dran als noch vor zehn Jahren. Aber es gebe trotzdem noch viel zu tun, sagt der Behindertenverband.

Ein Mann in einem Rollstuhl rollt aus einem Bus.
Legende: Das Behindertengleichstellungsgesetz verpflichtet die Verkehrsbetriebe zu Niederflurtrams. Keystone

Das Positive zuerst: Heute ist die Situation für Behinderte ganz klar besser als vor zehn Jahren: Die öffentlichen Verkehrsbetriebe haben Perrons erhöht und Niederflurbusse und Niederflurtrams gekauft. Amtsstellen, Museen und Kulturhäuser haben Rollstuhlrampen gebaut.

Mit neuem Recht sind Rechte einfacher einzufordern

Aber man sei noch lange nicht am Ziel, sagt Caroline Hess Klein, die Leiterin der Fachstelle der Behindertenverbände. Immerhin sei es mit dem neuen Gesetz einfacher geworden, die Rechte der Behinderten einzufordern. Früher habe man dafür betteln müssen, dass man den Behinderten entgegenkomme. «Heute können wir sagen, wir haben ein Gesetz, das umgesetzt werden muss», sagt Hess Klein.

Mangelhaftes Wissen der Behörden

Ein Minus hingegen sei, dass nicht alle Kantone und Gemeinden gleich viel Energie in die Umsetzung des Gesetzes steckten. Gewisse Behörden wüssten nicht einmal genau über das Gesetz Bescheid: «Ich staune immer noch mehrmals pro Woche, was ich alles zu hören kriege», so Hess Klein.

Diskriminierung am Arbeitsplatz

Sie bemängelt weiter, dass das Gesetz Behinderte zu wenig gegen Diskriminierung am Arbeitsplatz schütze: Wenn eine Frau bei gleicher Leistung weniger Lohn als ein Mann erhält, kann sie das einklagen. Wenn sich ein Behinderter im Betrieb benachteiligt fühlt, kann er sich aber nicht auf das Behindertengleichstellungsgesetz berufen.

Behinderte in Gesellschaft untervertreten

Beim Bund befasst sich das Büro für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen mit der Umsetzung des Gesetzes. Das Fazit von Büroleiter Andreas Rieder ist durchzogen. Die Bilanz im Kernbereich sei zwar gut.

Wenn man aber über das Gesetz hinausblicke, «gibt es einiges zu tun» – nämlich behinderte Menschen stärker zu Wort kommen lassen. Noch seien sie in Politik und Vereinen untervertreten und damit in der Gesellschaft nicht vollständig angekommen, so der Fachmann des Bundes.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

7 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von christian, Wien, Österreich
    Ich gestehe nicht die geringste Ahnung zu haben wie die Schweiz mit ihren Behinderten umgeht. Das mit der Unversicherbarkeit zumindest was Freizeit- und Unfallversicherung angeht kenne ich, das ist bei uns auch so. Doch was ist ein "behindertengerechter ÖV", und inwiefern kann man Behinderte "Kriminalisieren"? Das mit Behindertenwerkstätten, falls das von @Tom Duran gemeint war, ist leider auch bei uns so, incl. der Antwort von @ W.Pip, die leider gar nicht so sarkastisch ist wie gemeint.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Micha, SO
    Also ich habe noch nicht einen einzigen BEHINDERTENGERECHTEN ÖV gesehen. Rollstuhlgängig ja, aber ist dass das selbe? Kann mich nicht werinnnern das Parablebiker die einzigen oder "unmobielsten" behinderten sind.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Armando Kaegi, Merenschwand
    Nicht nur SRF schafft es nicht, bei solchen Themen Betroffene einzuladen. Sie befürchten wohl, dass die Hörer und Leser aus den Angaben von Betroffenen bei deren Schilderung über ihre Erlebnisse - falsche Schlüsse ziehen könnten.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen