«Für kleinere Wintersportorte in mittleren Lagen wird es eng»

Etliche Skigebiete in der Schweiz kämpfen mit schneearmen Wintern und zu warmen Temperaturen. Statt Frau Holle sorgen immer häufiger Schneekanonen für weisse Pisten. Wer sich solche hohen Investitionen nicht leisten kann, soll auf Sommertouristen setzen, empfiehlt Schweiz Tourismus.

Eine Reihe Schneekanonen am Rand einer künstlichen Piste in Davos. Wanderer.

Bildlegende: Die eierlegende Wollmilchsau ist gefragt: Skiorte sollen Touristen das ganze Jahr über etwas bieten. Keystone

SRF News: Was empfiehlt Schweiz Tourismus den Wintersportorten, die mit den Auswirkungen des Klimawandels zu kämpfen haben?

Wirtschaftsredaktor Klaus Ammann: Offiziell sagte man an der heutigen Medienkonferenz in Zürich, man wolle niemanden hängen lassen. Jürg Schmid, Direktor von Schweiz Tourismus, äusserte sich dazu aber unmissverständlich.

«  Es stimmt, dass im ganzen alpinen Raum gewisse Orte durch die Klimaveränderung verdrängt werden. Dafür entstehen grössere, zusammenhängende Orte. Investitionen finden eher dort statt. »

Jürg Schmid
Direktor von Schweiz Tourismus

Das heisst also umgekehrt, dass es für kleinere Gebiete in mittleren Lagen eng wird. Sie müssen versuchen, weniger vom Wintersport abhängig zu werden und sich neue Angebote ausdenken, die im Winter auch ohne Schnee funktionieren. Und vor allem geht es auch darum, in anderen Jahreszeiten neue Angebote zu kreieren.

Auswirkungen spüren auch die höher gelegenen, grossen Skiorte. Wie will Schweiz Tourismus diese retten?

Jürg Schmid relativierte das Problem mehrmals, indem er betonte, die Schweiz sei im Vergleich zu andere Alpenländern noch sehr schneesicher. Da steckt der Gedanke dahinter, dass es zwar schwieriger wird für den Tourismus im Winter. Denn auch bei uns gibt es weniger Schnee. Aber es herrscht eben auch die Hoffnung, dass es andernorts noch weniger Schnee gibt. Dann werden die Wintersportler schon in die Schweiz kommen. Gleichzeitig sieht es Schweiz Tourismus sehr pragmatisch – man kann fast sagen zynisch – und spricht auch von neuen Chancen im Klimawandel. Nicht im Winter, aber im Sommer. Schmid sagt:

«  Oft war es ein Nachteil, dass der Sommer in der Schweiz etwas zu nass und zu kühl ist. Das ändert sich. Die alpine Frische erlebt eine Renaissance in einer alternden Gesellschaft, wo man die Hitze, die im Mittelmeerraum zunimmt, weniger erträgt. »

Jürg Schmid
Direktor Schweiz Tourismus

Das heisst, wenn es den Leuten im Sommer am Strand zu heiss wird, kommen sie vermehrt in die Schweizer Berge.

Was ist das Fazit der Medienkonferenz von Schweiz Tourismus zur Wintersaison?

Die Tourismus-Verantwortlichen in der Schweiz scheinen nicht wirklich eine ausgereifte Strategie im Umgang mit dem Klimawandel zu haben. Schon gar nicht wollen sie versuchen, irgendwas dagegen zu tun. Das sei nicht ihre Aufgabe, haben sie mehrfach gesagt. Und sie betonen, das grösste Problem sei nach wie vor der starke Franken, der insbesondere Winterferien in der Schweiz für viele ausländische Touristen zu teuer macht. Dagegen kämpft Schweiz Tourismus mit aufwändigen, interaktiven Werbekampagnen auf allen möglichen Kanälen weltweit an. Es wäre natürlich deutlich schwieriger und aufwändiger, sich differenziert mit dem Klimawandel auseinanderzusetzen.

Das Gespräch führte Simon Leu.

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Boom der Schneekanonen

3:43 min, aus 10vor10 vom 25.10.2016

Erstmals Klimaklage

459 Seniorinnen haben symbolisch die erste Schweizer Klimaklage eingereicht. Der Bundesrat unternimmt ihrer Meinung nach zu wenig gegen den Klimawandel. Den Frauen im AHV-Alter machten die immer längeren und häufigeren Hitzeperioden zu schaffen. Der Bundesrat müsse seine Klimapolitik deshalb rasch verschärfen, fordert der Verein KlimaSeniorinnen.