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Fund auf dem Lötschenpass Der Ötzi vom Lötschi

Zwei Archäologinnen machen eine Entdeckung, die weltweit für Aufsehen sorgt: Eine Proviantbox aus der Frühbronzenzeit. Doch den verschollenen Lötschi finden sie auch dieses Mal nicht.

Legende: Video 4000-jährige Bergausrüstung gefunden abspielen. Laufzeit 6:06 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 03.10.2017.

Es ist morgen, als sich die Archäologin Regula Gubler und die Grabungstechnikerin Kathrin Glauser vom Archäologischen Dienst Bern von der Lötschenbach-Hütte aus auf den Weg machen. Hier haben sie vor fünf Jahren ihren ersten Fund gemacht, Jetzt endlich können sie nachschauen, ob sie vielleicht noch mehr von dem Jäger finden, der auf dem Lötschenpass vor 4000 Jahren seine hölzerne Proviant-Box liegen gelassen hat.

«Ich glaube, dieser Person ist etwas passiert»

Ein Stück des Pfeilbogens, von dem die Spezialistinnen schon vor fünf Jahren Teile fanden.
Legende: Ein Stück des Pfeilbogens, von dem die Spezialistinnen schon vor fünf Jahren Teile fanden. SRF

Damals, 2011, haben die beiden mehrere Fragmente eines Pfeilbogens gefunden. Auch jetzt stossen sie genau an dieser Stelle auch ein weiteres Holzstück. Schnell ist klar: Auch das ist ein weiteres Teil des Pfeilbogens.

«Es ist einfach etwas sehr Spezielles und Einmaliges, wenn man etwas halten kann, dass vor 4000 Jahren bereits jemand anderes in der Hand hielt», sagt Grabungstechnikerin Kathrin Glauser. Wo aber ist der Mensch, der diesen Pfeilbogen hat liegen lassen?

«Ich habe schon das Gefühl, dass mit dieser Person etwas passiert ist», sagt Archäologin Regula Gubler. Man lasse sonst ja nicht den gesamten Proviant, Bogen und Pfeile einfach in den Bergen liegen. Entweder sei er von einem Unwetter oder vom Nebel überrascht worden, mutmasst auch Glauser. Vielleicht sei er auch körperlich nicht mehr fit gewesen. Sie denke aber nicht, dass er wie Ötzi umgebracht worden sei. «Vielleicht liegt er noch da oben, unter den Steinen», sagt Gubler. Oder seine Angehörigen hätten ihn nach Hause geholt.

Ikea aus der Vorbronze-Zeit

Auch dieses Mal, im Sommer 2017, stossen die beiden Spezialistinnen auf weitere persönliche Gegenstände des Jägers vom Lötschenpass. Lederriemen und Schnüre etwa.

Qualitätsarbeit im Berner Oberland vor 4000 Jahren.
Legende: Qualitätsarbeit im Berner Oberland vor 4000 Jahren. SRF

Vor fünf Jahren haben die beiden ein Holzgefäss gefunden, dass noch Mehlreste aufwies, wie Analysen des Archäologischen Dienstes des Kantons Bern zeigte. Es ist also eine Art Proviantbox.

Besonders verblüffend: Genau so ein Gefäss haben Archäologen auf dem Schnidejoch vor zwei Jahren gefunden. Es sind die einzigen zwei Gefässe ihrer Art, die bisher weltweit gefunden worden sind. Die beiden gelichen sich bis auf das kleinste Detail, wie Werner Schoch, einer der renommiertesten Spezialisten für historische Hölzer sagt.

«Die Übereinstimmung ist bis in jedes Detail so gross, dass ich eigentlich überzeugt bin, dass es derselbe Mensch war, der beide hergestellt hat», sagt Schoch. Wenn man so wolle, könnte man sagen, es sei eine Berner Oberländer Ikea aus der Vorbronze-Zeit. Es scheint also, als habe ein Schweizer Handwerker serienmässig eine Art bronzezeitliches Tupperware für alpenquerende Wandervögel hergestellt, in einer Zeit als die Pyramiden in Ägypten noch gar nicht gebaut worden waren.

Der Lötschi bleibt verschollen

Auf dem Lötschenpass kommt Nebel auf. Doch die zwei Frauen geben noch nicht auf. Es lohnt sich: sie finden einen Art Umhang aus Lindenbast. Ein solcher Regenschutz hatte auch Ötzi bei sich. Zuerst sind sich die Archäologie-Profis nicht ganz sicher, dann aber finden sie ein Lederriemchen im Lindenbast-Geflecht. Ein weiteres Stück der Ausrüstung, dieses Mal ein Kleidungsstück.

Den Jäger, dem die Gegenstände vor 4000 Jahren wohl gehörten, den haben die beiden aber auch diese Saison nicht gefunden. Gut möglich also, dass der Lötschi für immer verschollen bleibt.

5 Kommentare

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  • Kommentar von Tom Bachmann-Wittwer (Tom Bachmann-Wittwer)
    So wird Archaologie gemacht ? Mit glauben und Hypothesen ! Nur weil ein Teil von einer Ausrüstung gefunden wird , wird gleich eine tragische Geschichte geliefert . Lasst die Fakten sprechen und nicht die Fantasie .
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    1. Antwort von Beat Reuteler (br)
      Es sind schon viele wertvolle Erkenntnisse erarbeitet worden die mit einer Hypothese angefangen haben. Es muss nur sichergestellt werden dass immer klar ist was Teil der Hypothese ist und was die Fakten sind. Der Spannungsbogen dazwischen ist die Energie aus der Forschung lebt.
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  • Kommentar von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
    @SRF: Der Hinweis auf das Alter der Pyramiden in Gizeh hinkt etwas. Es gibt durchaus wissenschaftliche Gründe (bsp. Spuren der Wassererosion), das Alter der Pyramiden auf mindestens 13'000 Jahre zu schätzen. Zumal der Grund warum deren Alter offiziell mit 4500 Jahren angegeben wird, alleine(!) darin liegt, dass gemäss der Koran-Schulwissenschaft die Zivilisation der Menschheit lediglich 6000 Jahre alt ist und man auf Druck des Ägyptischen Staates an diesem Dogma festhält.
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    1. Antwort von Mike Pünt (Scientist)
      Ist das wieder so eine Verschwörungstheorie? Es gibt zahlreiche Isotopenanalysen und Analysen der in den Kammern eingravierten Namen. Sie alle deuten auf ein Alter von 3500-4500 Jahren hin. Sicher nicht 13'000 Jahre...
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    2. Antwort von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
      @Pünt: Nein, keine Verschwörungstheorie, sondern Teil der aktuellen wissenschaftlichen Diskussion. Es gibt durchaus nachvollziehbare wissenschaftliche Gründe, das Alter der Pyramiden auf rund 13'000 Jahre zu schätzen. Zum Einen ist eine Altersangabe von "zwischen 3500 und 4500 Jahre" alles andere als exakt (1000 Jahre Unterschied....), zum andern ist es leider aber auch so, dass Ägypten seit Jahren sämtliche Forschungen in dieser Richtung aus rein religiösen Gründen rigoros unterbindet.
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