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Besser vernetzt – Schweiz kann gezielter gegen illegale Medikamente vorgehen
Aus HeuteMorgen vom 03.12.2019.
abspielen. Laufzeit 02:19 Minuten.
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Gefährliche Medikamente Kampf gegen illegale Pillen aus dem Internet

Überdosierte Potenzmittel oder Schlankheitstee mit Nebenwirkungen – illegale Medikamente können in der Schweiz nun einfacher gemeldet werden.

Im Keller des Heilmittelinstituts Swissmedic in Bern stapeln sich Pakete im Regal bis zur Decke, davor steht eine Kartonkiste voller illegaler Medikamente am Boden. Tabletten, Ampullen mit Hormonen, ein Schlafmittel, das auf der Betäubungsmittelliste steht – Ruth Mosimann findet einiges in der Kiste, während sie darin herumkramt. Sie leitet die Kontrolle illegaler Arzneimittel bei Swissmedic.

Gefahr für die eigene Gesundheit

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Pillen in allen Farben
Legende:Kauft man Pillen online, weiss man oft nicht, was alles drin ist.Reuters
  • Das Heilmittelinstitut Swissmedic rät davon ab, Arzneimittel, Vitaminpräparate oder Nahrungsmittelergänzungen per Internet zu bestellen.
  • Meist sind diese Mittel wirkungslos oder gesundheitsgefährdend. Oft erreichen die Tabletten, Ampullen und Pülverchen ihre Kundinnen und Kunden ohne Packungsbeilage.
  • Online aus dem Ausland bestellte Arzneimittel können schlecht gelagert worden oder verunreinigt sein. Laut Swissmedic mischen im illegalen Medikamentenhandel unhygienische Hinterhoflabors, zwielichtige Zwischenhändler sowie Pharma-Firmen mit, welche zusätzlich Geld machen wollen.
  • Die illegal verkauften Arzneimittel enthalten teils keinen Wirkstoff oder viel zu viel (gerade bei Potenzmitteln) – oder Wirkstoffe, welche längst vom Markt genommen wurden.
  • Wer Arzneimittel von dubioser Herkunft melden will, kann das unter der neuen Seite von Swissmedic , Link öffnet in einem neuen Fenstertun. Dort finden sich auch zusätzliche Informationen und Ratschläge.

Teils werden die Pakete am Zoll abgefangen, teils melden sich Konsumentinnen und Konsumenten bei der Kontrollstelle. So wie jüngst wegen eines Schlankheitstees. «Von der Konsumentin haben wir Muster erhalten und sie im Labor analysiert», führt Mosimann aus, «da war eine chemische Substanz drin, die bereits vor fast einem Jahrzehnt vom Markt genommen wurde – wegen der starken Nebenwirkungen.»

Ruth Mosimann.
Legende: Ruth Mosimann leitet den Bereich «Kontrolle illegale Arzneimittel» bei Swissmedic. SRF

Der Tee sei in sozialen Medien als pflanzliches Mittel angepriesen worden. Das sei ein neuer Kanal, der es schwierig macht, gesundheitsgefährdende Angebote zu unterbinden, stellt Mosimann fest. Allerdings hilft ihr dabei, dass seit knapp einem Jahr Swissmedic offizielle Meldestelle für illegale Medikamente ist.

Mehr illegale Medikamente gemeldet

Und Swissmedic ist international vernetzt. «Wir sind jetzt als eine Stelle akzeptiert, die einem Anbieter von Sozialen Netzwerken ein illegales Angebot melden kann, sodass dieses Angebot dann gelöscht wird», so Mosimann.

So hat ihr Team seit Anfang Jahr in über 7000 Fällen illegale Medikamente aus dem Verkehr ziehen können – für Swissmedic ein wichtiger Schritt. Zum Vergleich: Im Jahr 2018 waren es nur rund 3000 Fälle.

Die Stelle erhofft sich ausserdem mit der neuen Webseite medicrime.ch, Link öffnet in einem neuen Fenster zusätzliche Meldungen. Denn Swissmedic schätzt, dass hier jährlich rund 40'000 Menschen mit ihrer Gesundheit spielen, weil sie Medikamente dubioser Herkunft bestellen, die überdosiert oder verunreinigt sind.

Verbotene Medikamente per Post

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  • Nicht jede Bestellung von Medikamenten aus dem Ausland ist verboten. Als Privatpersonen dürfen Menschen aus der Schweiz kleine Mengen bestellen. Allerdings nur, wenn sie für den Eigengebrauch sind und einen Monatsbedarf nicht überschreiten. Sonst handelt es sich um eine illegale Bestellung.
  • Starke Medikamente, welche unter das Betäubungsmittelgesetz fallen, dürfen nur durch kranke Reisende eingeführt werden. Bei Wirkstoffen, die auf der Dopingliste stehen, gilt Null-Toleranz.
  • Illegale Bestellungen werden beschlagnahmt und vernichtet – die Verwaltungskosten gehen zulasten der Bestellerin oder des Bestellers. Bei wiederholten Importen oder bei Verdacht auf Handel droht ein Strafverfahren.
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13 Kommentare

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  • Kommentar von N. Schmid  (Schmid)
    Wenn die Schweizer Pharmaindustrie Wirkstoffe in Indien kauft und zum hundertfachen Preis in der Schweiz verkauft, dann ist das merkwürdigerweise völlig in Ordnung, aber wehe Schweizer Konsumenten möchten ihre Gesundheitskosten senken und tun dasselbe.
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  • Kommentar von Hans Bernoulli  (H.Bernoulli)
    "gesundheitsgefährdende Angebote" - z.B. das Basler Trinkwasser... Echt, die Behörden sollten die Leute nicht bevormunden aber ihr Job tun hier in der CH!
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  • Kommentar von Beat R. von Wartburg  (Beat R. von Wartburg)
    Auch in diesem Artikel wird wieder einmal von "chemischer Substanz" gesprochen. Das wirft kein gutes Licht auf den Verfasser.

    Unabhängig davon ob eine Substanz elementar, biologisch, mikrobiologisch gentechnisch, synthetisch, pflanzlich, etc. ist, ist jede Substanz immer "chemisch". Spätestens bei der Durchsicht des Textes sollten solche Böcke eliminiert werden.
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