Zum Inhalt springen
Inhalt

Gegen Kostenexplosion Wie weiter im Gesundheitswesen?

Die Gesundheitskosten steigen und steigen. Massnahmen sind nötig. Diese Ansätze werden momentan politisch diskutiert.

Legende: Audio Gesundheitskosten steigen und steigen abspielen. Laufzeit 01:40 Minuten.
01:40 min, aus HeuteMorgen vom 29.01.2018.

Die Gesundheitskosten steigen und steigen. Und alle sind sich einig: Die bisherigen Massnahmen greifen nicht, es muss etwas geschehen. Nur: Was? Niemand spart gerne bei sich selber – weder die Spitäler, noch die Krankenkassen und schon gar nicht die Patientinnen und Patienten. Diese Ansätze werden momentan politisch diskutiert.

  • Obergrenze für Gesundheitskosten

Eine Expertengruppe schlägt dem Bundesrat vor, eine Obergrenze zu definieren, wie hoch die Gesundheitskosten maximal sein dürfen.

Für alle Leistungsbereiche würden verbindliche Zielvorgaben definiert. Die Expertengruppe ist nicht alleine mit ihrer Idee: Die CVP will eine Initiative lancieren, die fordert, dass eine Kostenbremse eingeführt wird.

Und die SP hat Unterschriften gesammelt für eine Initiative, die fordert, dass die Belastung durch die Krankenkassenprämien begrenzt wird.

Wie geht es weiter? Der Bundesrat will bis im Frühling entscheiden, ob und wie die Ideen weiterverfolgt wird. Einzelne Kantone kennen bereits Obergrenzen: Genf, die Waadt und das Tessin setzen ihren Spitälern schon heute Kostendächer. Eine abschliessende Evaluation wird für 2019 erwartet. Dann wird sich zeigen, ob Kosten eingespart werden oder ob sie sich aufgrund der Obergrenze im stationären Bereich in den ambulanten Bereich verlagern.

  • Experimentierartikel

Der zweite Vorschlag der Expertengruppe ist ein sogenannter Experimentierartikel. Kantone oder Versicherer sollen Projekte entwickeln können, die der Kosteneindämmung dienen, aber im Krankenversicherungsgesetz eigentlich nicht vorgesehen wären. Es soll also einfacher werden, innovative Projekte durchzuführen.

Wie geht es weiter? Der Bundesrat will bis im Frühling entscheiden, ob und wie die Ideen weiterverfolgt wird.

  • Einheitliche Finanzierung ambulanter und stationärer Bereich

Im stationären Bereich tragen die Kantone 55 Prozent der Kosten, die Krankenkassen 45 Prozent. Im ambulanten Bereich bezahlen die Versicherer 100 Prozent. Nicht nur die Versicherer verlangen, dass sich die Kantone auch an der Finanzierung des ambulanten Bereichs beteiligen. Sondern auch Ärzte und Spitäler fordern dies. Es könne nicht sein, dass der Trend «ambulant vor stationär» zu Lasten der Krankenkassenprämien gehe. Die Kantone wehren sich jedoch dagegen. Damit würden keine Kosten gespart, sondern nur verschoben.

Wie geht es weiter? Eine Subkommission der nationalrätlichen Gesundheitskommission tüftelt schon lange an einer möglichen Lösung. Vorschläge waren für Ende 2017 angekündigt, blieben bisher aber aus.

  • Pauschalen im ambulanten Bereich

Im ambulanten Bereich wird mit dem Einzelleistungstarif Tarmed abgerechnet, im stationären Bereich hingegen mit Fallpauschalen. Krankenkassen, der Spitalverband H+ und auch Kantone fordern, dass auch im ambulanten Bereich mit Pauschalen abgerechnet wird. Die Ärztegesellschaft FHM hingegen akzeptiert Pauschalen nur, wenn diese auf Basis eines Einzelleistungstarifs erstellt werden. Nur so könne akkurat erfasst werden, welche Leistungen erbracht wurden.

Wie geht es weiter? SwissDRG erarbeitet momentan eine Machbarkeitsstudie zu Pauschalen im ambulanten Bereich. Sie soll im Frühling fertig sein.
Für einzelne Bereiche, etwa die Radiologie, liegen gar schon Vorschläge für ambulante Leistungspauschalen auf dem Tisch, gemeinsam erarbeitet von fmCH, dem Dachverband der chirurgisch und invasiv tätigen Fachgesellschaften, und dem Krankenkassenverband Santésuisse. Wann und ob sie eingeführt werden können, ist offen.

Die Ärztegesellschaft FMH arbeitet ihrerseits an einer Revision des Einzelleistungstarifs. Mit Tarco will sie am Einzelleistungstarif festhalten, künftig jedoch Pauschalen auf Basis der einzelnen Tarife einfacher möglich machen. Die FMH will Tarco im laufenden Jahr präsentieren.

Legende: Video Gesundheitskosten sind zu teuer abspielen. Laufzeit 01:50 Minuten.
Aus Tagesschau vom 29.01.2018.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

62 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Christa Wüstner (Saleve2)
    Als ich heute beim Arzt war wegen eines Medikamentes, bekam ich ein Merkblatt mit den neuen Tarmed Abrechnungen : für Patienten bis 70 Jahre werden 20 Minuten verrechnet ab 75 Jahre 30 Minuten. Was das auch heissen soll, konnte leider den Arzt nicht fragen. Ob dann wie bisher alle weiteren 5 Minuten extra berechnet werden ? Interessant ist nur, es wird etwas unternommen. Ob gut oder schlecht ? ?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Christa Wüstner (Saleve2)
      An die Ablehner: dann gehen Sie doch zu Ihrem Arzt und holen sich die Neuen Tarmed Bestimmungen, bevor Sie wortlos es ablehnen. Es macht absolut keine Freude mehr, den anderen etwas mitzuteilen.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Heinz Jost (bikeforfun)
    Wenn schon eine grösser Krankenkasse durch genaueres kontrollieren der Rechnungen 14% einspart in einem Jahr, warum fangen wir nicht mal hier an?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Dominik Treier (Dominik Treier)
    Was wurde jemals billiger wenn es Privat organisiert wurde? Wenn Private etwas betreiben, dann will man nicht primär eine gute Leistung erbringen sondern als wichtigstes Ziel will jeder die Hände darin waschen... Hohe Mehrkosten, dank Geschäftsleitungen, Ökonomen, PR, Werbung ect. nötig für jede KK und jedes Spital. Und das Lustige ist, Privatisieren kann nur etwas bringen wenn man im Notfall verzichten kann, aber wer sagt schon ich sterbe lieber, ist zu teuer. Also verstahtlicht die KK endlich!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Susanne Saam (Biennoise)
      @Dominik Treier: stimmt haargenau, die KK könnte wie die SUVA organisiert werden. Das Gesundheitswesen soll heilen, nicht rentieren. Es gibt Dinge, die am besten gemeinschaftlich organisiert werden und es gibt Bereiche, an denen nicht verdient werden darf/soll/kann/muss. Dazu gehören nebst dem Gesundheitswesen auch die Bildung und die Sicherheit.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Charles Dupond (Egalite)
      Bingo! Ungeeignet fuer Privatisierungen sind alle Monopol- und Infrastrukturbetriebe. Da werden einerseits Monopolrenten in private Taschen abgezockt und andererseits Steuergelder vaporisiert. Der Staat hat fuer die Grundbeduerfnisse zudem ein billiges Grundangebot zu garantieren. Sei es durch eigene Betriebe, sei es durch Verhinderung und Strafverfolgung von Wucherpreisen und anderen Konsumentenschaedigungen oder -Gefaehrdungen durch private Anbieter....
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von Gaudenz Mischol (gmischol)
      Und dann schauen Sie doch einmal nach England, wo das Gesundheitswesen staatlich organisiert ist und wie gut es dort doch funktioniert: monatelange Wartezeiten für Behandlungen bis es dann unter Umständen zu spät ist. Ich will nicht sagen, dass es privat besser ist, aber der Staat ist auch nicht immer die besser Lösung, das Problem ist wohl komplexer
      Ablehnen den Kommentar ablehnen