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Grenzwert soll erhöht werden Ist Glyphosat gar nicht so schlimm?

Legende: Audio Höherer Grenzwert für Glyphosat? abspielen. Laufzeit 1:57 Minuten.
1:57 min, aus HeuteMorgen vom 15.03.2018.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Der Bund will den erlaubten Glyphosat-Grenzwert in Oberflächengewässern erhöhen.
  • Umweltschutzverbände wollen ihn hingegen beibehalten oder gar senken.
  • Unterstützung erhalten sie nun vom Schweizerischen Bauernverband – allerdings aus anderen Gründen.

Das Pestizid Glyphosat wird vor allem in der Landwirtschaft und in Gärten eingesetzt, Rückstände davon sind auch in unseren Gewässern nachweisbar. Dabei stellt sich die Frage: Wie schädlich ist Glyphosat im Wasser?

Glyphosat ist im Vergleich zu vielen anderen Pestiziden – wie beispielsweise Insektiziden – für die Wasserlebewesen weniger giftig.
Autor: Christian LeuSektionschef für Wasserqualität Bafu

Nicht so sehr, sagt der Bund. Gestützt auf neuste wissenschaftliche Erkenntnisse will er den bisher zulässigen Grenzwert in Oberflächengewässern um das 3600-fache nach oben schrauben. «Glyphosat ist im Vergleich zu vielen anderen Pestiziden – wie beispielsweise Insektiziden – für die Wasserlebewesen weniger giftig», begründet Christian Leu, Sektionschef für Wasserqualität beim Bundesamt für Umwelt, die geplante Anpassung nach oben.

Anders sehen dies Umweltschutz-Organisationen: Greenpeace, Pro Natura oder der WWF fordern, die heutigen Grenzwerte für Pestizide beizubehalten oder zu senken – aber keinesfalls zu erhöhen.

Bauern und Umweltschützer ziehen am gleichen Strick

Punkto Glyphosat erhalten sie dabei Unterstützung von unerwarteter Seite – vom Schweizerischen Bauernverband. Zwar sei die vorgeschlagene Anpassung der Glyphosat-Grenzwerte fachlich und wissenschaftlich korrekt begründet, sagt Bauern-Verbandspräsident und CVP-Nationalrat Markus Ritter.

Markus Ritter erhebt den Zeigefinger
Legende: SBV-Präsident Markus Ritter ist gegen die vom Bund vorgeschlagene Erhöhung der Glyphosat-Grenzwerte. Keystone

Die Angelegenheit sei politisch allerdings äusserst heikel: «Es ist nicht vermittelbar, den Grenzwert um diesen Faktor anzupassen. Hier gilt es, die Diskussion nicht nur wissenschaftlich, sondern auch mit der Bevölkerung zu führen.»

Es ist nicht vermittelbar, den Grenzwert um diesen Faktor anzupassen.
Autor: Markus RitterPräsident Schweizerischer Bauernverband

Was Ritter nicht sagt: Sollte der Grenzwert erhöht werden, könnte die Bevölkerung eventuell Sympathien für die Trinkwasser-Initiative entwickeln, worüber in absehbarer Zeit abgestimmt wird.

Diese Initiative fordert unter anderem, dass nur noch Bauern Direktzahlungen erhalten, die auf Pestizide verzichten. Dies wiederum ist nicht im Sinn des Bauernverbandes. Die Glyphosat-Diskussion geht also weiter. Ob der Grenzwert tatsächlich erhöht wird, ist hingegen noch nicht entschieden.

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56 Kommentare

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  • Kommentar von Olaf Schulenburg (freier Schweizer)
    Unsere völkische Volkstegierung zeigt einmal mehr ihr absolutes Desinteresse an der Bevölkerung und damit ihr wahres Gesicht: Nur der kurzfristige Finzielle Gewinn zählt. Nun denn, vorallem die SVP vernebelt halt ihr strahlendes Sönnchen mit Glyphosat und anderen Giften, auch ideologischen.
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  • Kommentar von Henriette Rub (ehb)
    Unser wirtschaftsorientierter Bundesrat ist einfach nicht in der Lage, endlich einmal zu Gunsten menschlicher Lebewesen zu entscheiden. Die Wirtschaft muss florieren, kein Problem, wenn Menschen dadurch draufgehen. Wir freuen uns dann über weitere Erhöhungen der KK Prämien ^o)
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  • Kommentar von Benjamin Knie (Beno)
    Ich bin der Meinung, dass der Grenzwert in einem gesunden Mass bleiben sollte und nicht unnötig erhöht werden muss damit die Wasserreinheit gegeben bleibt. Dort sollte man sich an den biologischen Abbau der Substanzen halten was verkraftbar ist und das Wasser auch schonen das für uns Menschen und Tiere Lebensnotwendig ist. So wie es Heute ist, stellt es für Mensch und Tier keine Bedrohung dar und über andere Unkrautvernichter mit einem sehr hohen Zinkanteil sollte mal nachgedacht werden.
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