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Schweiz Güterverkehr auf zusätzliche Terminals in Italien angewiesen

Damit der Güterverkehr auf der neuen Gotthardstrecke wachsen kann, muss in Italien die Infrastruktur ausgebaut werden. Damit es kein böses Erwachen gibt, beteiligt sich das Schweizer Unternehmen Hupac an mehreren Projekten.

Hupac-Güter-Hub in Busto Arsizio
Legende: Der Hupac-Direktor ist optimistisch: Probleme wie in der Vergangenheit soll es zwischen Bern und Rom nicht mehr geben. Keystone

Der Geschäftssitz der Hupac in Chiasso liegt gleich neben dem grossen Güterbahnhof. Hupac-Direktor Bernhard Kunz blickt zu einem durchfahrenden Zug mit Containern und spricht über die Veränderung, die der Basistunnel am Gotthard bringt: «Es ist das erste Mal in der Geschichte, dass man transalpin eine Flachbahn zur Verfügung hat. Wir fahren in Bremen ab und fahren in Mailand ein – das alles in der Ebene.» Diese Effizienzsteigerung werde die Kunden freuen, ist Kunz überzeugt.

Früher mussten drei Lokomotiven die Güterzüge über den Gotthard schleppen. Bald reicht eine durch den Basistunnel. Doch das neue Kapitel im Güterverkehr beginnt erst im Jahr 2020. Dann ist auch der Ceneri-Basistunnel bereit, bis dann wird die Luino-Linie ausgebaut sein.

«Das wird nächstes Jahr gewisse Engpässe geben», so Kunz. Denn die Luino-Linie werde für sechs Monate geschlossen bleiben. «Das ist der Preis, den wir zahlen, um ab 2020 ein Netz zur Verfügung zu haben, das viel leistungsfähiger sein wird.»

Bilaterales Grossprojekt steht

Damit der Schienengüterverkehr wachsen kann, braucht es in Norditalien mehr Güterterminals, wo Güter, Container und Sattelschlepperanhänger zwischen Schiene und Strasse verladen werden können. Hupac beteiligt sich an neuen und auszubauenden Terminals in Brescia, Piacenza und Mailand. Damit wird der Gotthard attraktiv für Transporte aus Süditalien.

«Die bilaterale Vereinbarung Schweiz-Italien steht – nicht nur auf dem Papier», ist Kunz überzeugt. Man sei bereits in der Planungsphase und Ende Jahr sollten die administrativen Schritte vollzogen sein, prognostiziert der Hupac-Direktor: «Dann kann schnell mit dem Bau begonnen werden.»

Viele Gespräche zwischen Bern und Rom

Seit der Eröffnung der ersten Neat-Baustelle in Sedrun vor 20 Jahren hatten die Bundesräte Leuenberger und Leuthard mit insgesamt elf Verkehrs- und Infrastrukturministern in Rom zu tun. Das südliche Nachbarland musste von den Neat-Planungen in der Schweiz immer wieder neu überzeugt werden.

Jahrelang herrschten bei den Neat-Anschlüssen südlich von Bellinzona Variantenvielfalt, Mangel an Klarheit und Polemik. Nun scheinen die Neat- Südanschlüsse rechtzeitig bereitzustehen. Bernhard Kunz analysiert: Dies sei auch der Erfolg einer pragmatischen schweizerischen Verkehrsdiplomatie.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von W. Pip (W. Pip)
    "Damit der Schienengüterverkehr wachsen kann, braucht es in Norditalien mehr Güterterminals" - falsch. Dafür braucht es vor allem ein VErbot von Transitfahrten auf der Strasse. So, wie es die Alpenschutzinitiative als Konsequenz vorsah. Da keiner dazu den Mut haben wird, wird sich die NEAT nie rechnen. Dafür wird Passagieren ein NEAT-Zuschlag in Aussicht gestellt. Wer immernoch nicht merkt, dass wir dauernd über den Tisch gezogen werden, sollte villeicht mal an die frische Luft...
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    1. Antwort von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
      Die Realität ist die, dass auch mit den Basistunnels die Kapazität für die Güter eher zu klein als zu gross ist. Das liegt unter anderem auch am Konsumenten, dessen Geiz-ist-Geil Mentalität zu Auswüchsen führt, dass chinesische Tomaten vom Hafen Rotterdam mittels rumänischer Billigstlogistik nach Italien gefahren werden, dort in Büchsen abgefüllt werden und als "Italienische-Tomaten-Sonderaktion" beim Discounter in Konstanz vom Schweizer Einkaufstouristen zum Schnäppchenpreis erstanden werden.
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    2. Antwort von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
      Noch ein kleines Beispiel: Die Schweizer Niederlassung einer US-Fastfoodkette überlegt sich, das Pouletfleisch nach Schweizer Normen in Thailand herstellen zu lassen. Ganz einfach deshalb, weil ihre Restaurants in Grenznähe grösste Schwierigkeiten haben, da der Preis im Vergleich zum benachbarten Ausland nicht mehr stimmt: der CH-Hamburger ist 4x so teuer. Ähnliche Überlegungen machen sich die Schweizer Detailhändler. Hier kommt also noch einiges an "Gütern" auf uns zu....
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  • Kommentar von Rolf Bolliger (robo)
    "Wetten, dass..." schlussendlich die SBB (die Schweiz), private Transportgrossfirmen oder Privatbahngesellschaften in Deutschland und Italien nötige Infrastruktur-Bauten mitfinanzieren, um der zunehmende Güterverkehr tatsächlich auf die Schiene (via NEAT) zu bringen! Ringsum (in den meisten EU-Länder) wird die Mehrheit der Güter weiterhin auf der Strasse transportiert, ob es nun den "Oekoheinis" gefällt oder nicht! Darum sind in diesen Staaten Bahnausbauten politisch schwer umzusetzen!
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  • Kommentar von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
    Während Italien bereits sehr viel gemacht hat und vieles eigentlich nur eine Frage der Finanzierung ist, bremst die Strassennation Deutschland trotz bestehenden Verträgen, bereits politisch. Es bringt der Achse Bern-Rom nichts, wenn an der nördlichen Schweizergrenze die Züge auf rumpelnde Bahnanlagen treffen, die ihre besten Zeiten weit vor 1939 gehabt haben, wo man bis in die späten 1970er Jahre hinein noch Dampfloks bewegt hat und weder fähig noch willens ist, Güterzüge handzuhaben.
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