Gutachten im Fall Marie: Täter ein Psychopath

Der mutmassliche Mörder der jungen Marie gilt laut einem ersten psychiatrischen Gutachten als unheilbarer Psychopath. Der Experte beurteilt ihn als voll zurechnungsfähig und sieht eine hohe Rückfallgefahr. Der Anwalt von Maries Familie hofft, dass der mutmassliche Täter nie mehr freikommt.

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Psychiatrisches Gutachten im Fall Marie

1:07 min, aus Tagesschau vom 6.2.2014

Trauermarsch für die Getötete. Alle in weiss gekleidet.

Bildlegende: Die junge Frau war im Waadtland im Mai 2013 entführt und später getötet worden. Keystone

Das Gutachten wurde von einem ausserkantonalen Experten, dem Neuenburger Psychiater und Psychotherapeuten Philippe Vuille, erstellt. Dies teilte die Waadtländer Staatsanwaltschaft mit. Der Experte kommt in seinem Gutachten zum Schluss, dass es sich beim mutmasslichen Mörder der 19-jährigen Marie um eine mehrfach gestörte Persönlichkeit mit sexuellen Vorlieben handelt.

Seine psychische Erkrankung zeichnete sich bereits in frühen Jahren ab. Für Therapien zeigte er sich unzugänglich, weshalb laut dem psychiatrischen Gutachten das grosse Risiko besteht, dass der mehrfache Mörder und Vergewaltiger rückfällig werden könnte.

Verdrehte Tatsachen

Aufgrund dieser Schlussfolgerungen ist es denkbar, dass die Waadtländer Justiz für den heute 36-jährigen Täter eine lebenslange Verwahrung beantragen wird. Dafür müsste allerdings ein zweites, unabhängiges Gutachten erstellt werden und zu einem ähnlichen Schluss kommen.

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Interview mit Opferanwalt Barillon (franz.)

4:50 min, vom 6.2.2014

Auch der Anwalt von Maries Familie, Jacques Barillon, hofft auf eine lebenslange Verwahrung. Dies sagt er im Interview mit SRF. Der Mann sei sehr gefährlich und manipulativ. Was das Gutachten sagt, ist für Barillon daher auch nicht relevant, sondern nur, dass der mutmassliche Täter nie mehr auf freien Fuss kommt.

Die Waadtländer Justiz war nach dem Tod des Opfers, der 19-jährigen Marie, heftig kritisiert worden. Denn der mutmassliche Mörder von Marie hatte 1998 als junger, 22-jähriger Mann seine damalige Ex-Freundin entführt, vergewaltigt und getötet. Für dieses Verbrechen, das in einem Chalet in La Lécherette (VD) begangen wurde, wurde er 2000 zu einer Freiheitsstrafe von 20 Jahren verurteilt.

Aus Hausarrest entwichen

Nachdem er zwei Drittel der Haftstrafe verbüsst hatte, lehnte das Straf- und Massnahmenvollzugsgericht des Kantons Waadt eine bedingte Entlassung des Mannes zwei Mal ab. Im August 2012 entschied die Strafvollzugsbehörde dann aber, dass der Mann vom Gefängnis in den Hausarrest wechseln dürfe. Er trug eine elektronische Fussfessel.

Trotzdem gelang es ihm, aus dem Hausarrest auszubrechen. Am 13. Mai 2013 entführte er bei einem Restaurant in Payerne (VD) die 19-jährige Marie, die er über das Internet kennengelernt hatte.

Am nächsten Tag wurde der Verdächtige verhaftet. Er führte die Polizei selber zur Leiche der jungen Frau in einem Wald bei Châtonnaye (FR) . Gemäss Autopsiebericht wurde Marie gefesselt und später mit einem Gürtel erdrosselt. Spuren sexueller Gewalt fanden sich nicht.