Trick der Weinbranche Händler kleben edle Etiketten auf Billigwein

Video «Ein Trick der Weinbranche: Edle Etikette auf Billigwein» abspielen

Ein Trick der Weinbranche: Edle Etikette auf Billigwein

6:01 min, aus Kassensturz vom 30.5.2017

Das Wichtigste in Kürze:

  • Eine 33-fränkige Weinflasche wurde vom Händler umetikettiert. Die alte Etikette zeigt einen Wein, der in Deutschland keine sieben Euro kostet.
  • Laut Weinhandelskontrolle ist das sogar legal.
  • Der Händler rechtfertigt den Preis mit den hohen Kosten in der Schweiz.
  • Ein Weinexperte bestätigt, diese Praxis sei in der Branche weit verbreitet und er warnt: Gerade an Messen sei beim Weinkauf besondere Vorsicht geboten.

Eigentlich war Nico Schneider von seinem Weinkauf total überzeugt. Er hatte im März an der «Wohnen und Genuss»-Messe im zürcherischen Wetzikon mehrere Flaschen «Negroamaro Passito» erstanden. Die Schlosskellerei von Gaisberg verlangte pro Flasche 33 Franken. Doch zu Hause fielen Nico Schneider verdächtige Spuren auf der Rückseite der Flaschen auf. Waren das Überreste einer alten Etikette? Die erkennbaren Umrisse deuteten darauf hin.

Dampf-Analyse bringt alte Schrift zum Vorschein

Nico Schneider wendet sich mit seinem Verdacht an «Kassensturz». Zu Recht: Eine Analyse des Kunstwissenschaftlichen Instituts in Zürich bestätigt die Ahnung. Die Flasche trug ursprünglich eine andere Etikette. Der Heissdampf-Generator bringt die Schrift dieser alten Etikette glasklar zum Vorschein.

Wein kostet im deutschen Handel keine sieben Euro

Ursprünglich hiess der Wein «Conte di Campiano». Brisant: Dieser Wein ist in Deutschland schon für unter sieben Euro erhältlich. Nico Schneider, der für den Wein fast das Fünffache bezahlte, fühlt sich getäuscht: «Für mich ist das ein Beschiss. Der Händler wertet etwas auf, das diesen Wert gar nicht hat.»

Vor der Kamera wollten die Verantwortlichen der Schlosskellerei von Gaisberg nichts sagen. Von «Kassensturz» mit den massiven Preisunterschieden konfrontiert, schreibt die Firma: «Wir bieten an Messen eine umfangreiche Beratung an und lassen unsere Weine verkosten. Ausserdem haben wir wesentlich höhere Einkaufspreise in der Schweiz, da noch Verzollung, Fracht- und Verpackungskosten anfallen.» Und ausserdem sei bei «dieser Ausstattung wohl ein Fehler passiert.» Der Negroamaro 2013 sei inzwischen aus dem Programm genommen worden.

Umetikettieren in Weinbranche absolut üblich

Weinflaschen neu etikettieren und dann massiv teurer verkaufen – das klingt nach Betrug. Ist es aber nicht. Wenn die Angaben auf dem Etikett wie etwa Produktionsland korrekt sind, dann ist diese Praxis völlig legal. Auch die Preisgestaltung sei Sache des Verkäufers, bestätigt die Schweizer Weinhandelskontrolle auf Anfrage.

Das Umetikettieren von Wein sei in der Branche gang und gäbe, bestätigt Weinexperte und Master of Wine Philipp Schwander. Diese Praxis habe ein klare Absicht: Der gleiche Wein von unterschiedlichen Händlern soll nicht vergleichbar sein. So sind die Händler in ihrer Preisgestaltung frei.

An Messen sei zudem besondere Vorsicht geboten, betont Schwander. Unseriöse Verkäufer würden oft viel zu hohe Preise verlangen. Sein Tipp: Vor dem Kauf sollten Kunden eine Preisliste verlangen, seriöse Händler gäben diese ohne Zögern heraus. Fehle eine solche Preisliste, sei Vorsicht geboten.

Sendung zu diesem Artikel