Immer mehr Schweizer Rauschtrinker

Jeder vierte Schweizer hat im vergangenen Jahr geraucht, und jeder fünfte zu viel Alkohol konsumiert. Das Positive daran: Das Suchtverhalten hat in den vergangenen Jahren zumindest nicht zugenommen. Bitterer Wermutstropfen: Immer mehr Schweizer trinken bis zum Exzess.

Trinkende Jugendliche

Bildlegende: Fast jeder zweite ältere Jugendliche trinkt einmal im Monat «risikoreich». Keystone

  • Suchtverhalten der Schweizer bleibt über das Jahr 2014 gesehen stabil
  • Das exzessive Trinken nimmt allerdings zu
  • Jeder zehnte Schweizer trinkt täglich Alkohol
  • Jeder vierte Schweizer ab 15 Jahren raucht
  • Von den älteren Jugendlichen trinkt fast jeder Zweite einmal im Monat «risikoreich»
  • Beliebteste illegale Droge Cannabis wird vor allem von Jugendlichen konsumiert

87,5 Prozent der Schweizer haben im Jahr 2014 Alkohol getrunken – die grosse Mehrheit davon verantwortungsvoll. Dies zeigt Suchtmonitoring Schweiz, das im Auftrag des Bundesamts für Gesundheit (BAG) 11'000 Personen nach ihrem Suchtverhalten befragt hat.

Rund jeder Zehnte der Befragten trinkt täglich Alkohol (10,3 Prozent), wobei sich hier die Deutschschweizer am massvollsten zeigen (8,2 Prozent). Eine leichtere Hand beim täglichen Griff zu Glas und Flasche haben die Westschweizer (14,7 Prozent) und – mehr noch – die italienischsprachigen Schweizer (20,8 Prozent).

Jeder Fünfte trinkt einmal im Monat «risikoreich»

Der Anteil der Schweizer, die «chronisch risikoreich» trinken, ist mit gut vier Prozent in den letzten vier Jahren en gros stabil geblieben. Für eine Frau bedeutet das im Schnitt mehr als zwei Gläser Bier (à 3 dl) oder Wein (je 1 dl) pro Tag, für einen Mann mehr als vier Gläser Bier oder Wein pro Tag.

Das Rauschtrinken hingegen hat seit 2011 stetig zugenommen. Ein guter Fünftel (22 Prozent) der Befragten gaben an, mindestens einmal pro Monat «risikoreich» zu trinken. Bei Frauen bedeutet das vier und mehr und bei Männern fünf Gläser Bier oder Wein nacheinander. Vor vier Jahren waren es noch 19,1 Prozent gewesen.

Bei den Jugendlichen zwischen 15 und 19 Jahren fallen 31,6 Prozent in dieses Segment, bei den 20- bis 24-Jährigen sogar 42 Prozent. Auch der Anteil von älteren Menschen zwischen 64 bis 75 Jahren und von Frauen ist in dieser Kategorie leicht angestiegen. Stabil geblieben ist dagegen die Anzahl der Schweizerinnen und Schweizer, die keinen Alkohol trinken (12,5 Prozent).

Raucherin

Bildlegende: Der Anteil rauchender Frauen hat 2014 wieder leicht zugenommen. Keystone

Im Schnitt jeden Tag 13,5 Zigaretten

Auch die Zahl der Rauchenden hat sich seit 2011 nicht wesentlich verändert: 24,9 Prozent der Bevölkerung ab 15 Jahren haben 2014 geraucht, 17,3 Prozent davon täglich und 7,6 Prozent gelegentlich. Die täglich Rauchenden gaben an, pro Tag durchschnittlich 13,5 Zigaretten zu konsumieren.

Der Anteil rauchender Männer ging im Vergleich zum Vorjahr 2013 leicht zurück (von 29,7 auf 28,8 Prozent), der Prozentsatz rauchender Frauen ist hingegen leicht angestigen (von 20,6 auf 21,1 Prozent).

Mehr als verdoppelt hat sich der einmalige Konsum von E-Zigaretten. So gaben 14 Prozent der Bevölkerung an, mindestens einmal eine E-Zigarette probiert zu haben. 2013 waren es erst 6,7 Prozent gewesen. Zwar gibt es immer mehr regelmässige Konsumenten von E-Zigaretten. Diese bleiben mit 0,7 Prozent der Bevölkerung aber eine kleine Minderheit.

Wenige konsumieren harte Drogen – trügt der Eindruck?

Die am häufigsten konsumierte illegale Droge bleibt Cannabis: 6,7 Prozent der Bevölkerung haben in den zwölf Monaten vor der Befragung mindestens einmal gekifft.

Bei Kokain beträgt dieser Prozentsatz 0,5 Prozent, bei Heroin 0,1 Prozent, und auch der Konsum von Ecstasy, LSD oder Speed bleibt mit 0,4 Prozent gering. Das BAG gibt jedoch zu bedenken, dass diese Zahlen in der Regel tiefer sind als in der Realität, weil Aussagen zum Konsum von illegalen Drogen nicht immer ehrlich gemacht würden.

Gefährdete Jugendliche

Am meisten gekifft haben im letzten Jahr die Jungen: Bei den 15- bis 24-Jährigen liegt der Prozentsatz derer, die 2014 mindestens einmal einen Joint geraucht haben, bei 21 Prozent. Bei den jüngsten Altersgruppen sei der Konsum seit 2011 gestiegen, heisst es.

Ganz grundsätzlich gingen junge Menschen mit all diesen Substanzen am risikoreichsten um. Ihnen gelte deshalb auch ein besonderes Augenmerk in der Prävention. Denn «wer jung mit einem risikoreichen Konsum beginnt, läuft eher Gefahr, später eine Abhängigkeit zu entwickeln», schreibt das BAG.